Mehr als nur Pasta, Pizza und Gelato: Wo Essen ein zentraler Teil des Lebens ist

Die UNESCO hat die italienische Esskultur in die Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Gewürdigt werden die Wertschätzung von Zutaten sowie die Nachhaltigkeit und soziale Bedeutung der italienischen Küche.

Italienische Küche
Gutes Essen erfordert Einsatz und Sorgfalt: Selbstgemachte Tagliatelle. Foto: Adobe Stock

Die „italienische Küche im Spannungsfeld von Nachhaltigkeit und biokultureller Vielfalt" ist nun offiziell immaterielles Kulturerbe der Menschheit. Es ist das erste Mal, das nicht ein einzelnes Gericht oder eine Zubereitungstechnik den Titel erhielt, sondern eine Nationalküche.

Zwar zählt auch die französische Gourmetküche zum immateriellen Kulturerbe, doch bezieht sich dieser Titel auf das festliche Gelage von Aperitif bis zum Dessert, nicht auf die ganze Landesküche.

Vom Familienessen bis zum Food-Festival

Regionalität und eine außergewöhnliche Vielzahl kleiner Produzenten und Bio-Bauernhöfe machen die italienische Esskultur nachhaltig und kommen Natur und Artenvielfalt zugute.

Ihre soziale Bedeutung manifestiert sich im rituellen Familienessen genauso wie bei Festen, die regionalen Produkten und Erzeugnissen gewidmet sind: Trüffeln, Balsamessig, Parmaschinken, Parmesan, Gorgonzola, Olivenöl - die Liste ist lang.

Der hohe Genussfaktor eines Italienurlaubs ist auch für Reisende ein zentraler Anreiz. Denn das Kulturerbe ist leicht zugänglich - in Restaurants und Trattorien, bei Besuchen auf Märkten und bei Produzenten regionaler Erzeugnisse.

Schlemmen im „Bauch Italiens"

In der Emilia Romagna sind die Wege zum Essen besonders kurz. Nicht umsonst wird die Region aufgrund der Qualität ihrer Produkte und deren Verarbeitung auch der „Bauch Italiens" genannt.

Wenn die Menschen sich hier nicht in Debatten um den Parmesan erschöpfen, der in den Käsereien der Umgebung hergestellt wird, wenn sie nicht gerade diskutieren, wie viele Tropfen 25 Jahre alten Aceto Balsamicos nötig sind, um ein Kalbsfilet zu veredeln, dann schwärmen sie von unterschiedlichen Typen von Pasta.

Der Nabel der Venus inspirierte zu Tortellini

Tortellini etwa sollen in ihrer Formgebung durch den Nabel der Venus inspiriert sein, die langen Tagliatelle von den Haaren der Lucrezia Borgia. Sie war zu Beginn des 16. Jahrhunderts in vierter Ehe mit Alsonso d’Este verheiratet, dem Herzog von Ferrara, Modena und Reggio.

Doch nicht nur über interessante Frauen ist viel zu erfahren, es geht auch fast immer und überall - ob in der Bar oder im Kochkurs - um Küchenhandwerkliches.

Bloß keine Spaghetti mit Ragú bestellen

Tortellini etwa sollten nur „in brodo“ (Brühe), nicht in Soße serviert werden, lernen Reisende. Denn die Fleisch- oder Käsefüllung bietet an sich bereits ein komplexes Geschmackserlebnis.

Selbst für italienische Verhältnisse sind die Bewohner der Hauptstadt der Emilia Romagna besonders vom Essen besessen. Bolognas bekanntester Exportschlager ist die Bolognese, die hier als „Ragú“ bekannt ist – und niemals zu Spaghetti gegessen oder gar im Restaurant bestellt wird. Denn an einer solchen Nudel kann die Soße nicht haften.

Spaghetti genießen hier ohnehin wenig Wertschätzung, da sie aus Neapel stammen und wie im Süden üblich aus Hartweizengrieß statt aus einem Teig mit Eiern hergestellt werden.