Freier Blick auf den Bodensee und bis zu den Alpen von Deutschlands größter Burgruine

Fast 900 Jahre lang war diese Festung uneinnehmbar - bis Napoleons Truppen sie schließlich sogar kampflos einnahmen. Noch heute bietet sie eines der spektakulärsten Panoramen in Baden-Württemberg.

Mit neun Hektar Fläche gilt Hohentwiel als Deutschlands größte Burgruine. Foto: Adobe Stock
Mit neun Hektar Fläche gilt Hohentwiel als Deutschlands größte Burgruine. Foto: Adobe Stock

Über Jahrhunderte hielt die Festung Hohentwiel bei Singen im Hegau wechselnden Herrschern, Belagerungen und politischen Umbrüchen stand. Selbst während des Dreißigjährigen Krieges scheiterten fünf Angriffe an ihren Mauern.

Erst als französische Truppen unter Napoleon heranrückten, endete die Geschichte der einstigen Wehranlage als Bollwerk.

Heute zählt die Ruine bei Singen zu den eindrucksvollsten historischen Sehenswürdigkeiten Baden-Württembergs und gilt als größte Burgruine Deutschlands.

Über 1100 Jahre Geschichte

Die Geschichte des Hohentwiel beginnt im Jahr 914. Damals entstand auf dem gleichnamigen, knapp 700 Meter hohen Berg eine Verteidigungsanlage. Später bauten die Herzöge von Schwaben die Burg zu einer Residenz aus.

In den folgenden Jahrhunderten wechselte die Anlage mehrfach ihre Funktion: Sie war Herrschaftssitz, Schutzfestung und Staatsgefängnis.

Einst machte die Lage sie uneinnehmbar - heute öffnet sie fantastische Aussichten. Foto: Adobe Stock
Einst machte die Lage sie uneinnehmbar - heute öffnet sie fantastische Aussichten. Foto: Adobe Stock

Ihre exponierte Lage machte sie zu einem strategisch wichtigen Stützpunkt, der lange als uneinnehmbar galt.

Napoleons Truppen beendeten den Mythos

Am 1. Mai 1800 war es schließlich vorbei mit der militärischen Bedeutung des Hohentwiel. Die Verteidiger übergaben die Festung kampflos den anrückenden französischen Truppen unter Führung von General Dominique Joseph Vandamme, gegen dessen Übermacht sie keine Chance hatten.

Anschließend nahmen die Besatzer die Anlage innerhalb weniger Monate auseinander. Ab Oktober 1800 trugen sie Baumaterial ab und zerstörten große Teile der Befestigung.

Zurück blieb eine Ruine, deren Ausmaße bis heute beeindrucken: Das Gelände erstreckt sich über rund neun Hektar.

Auch in den folgenden Jahrhunderten blieb der Hohentwiel von militärischen Ereignissen nicht verschont. Während der Weltkriege waren hier Fliegerwachen stationiert.

Zudem diente die Festung als Schutzraum für die Bevölkerung. Im Zweiten Weltkrieg verursachte der Beschuss durch französische Panzer weitere Schäden.

Blick über Vulkankegel bis zu den Schweizer Alpen

Heute steht nicht mehr die Verteidigung im Mittelpunkt, sondern der Erhalt des historischen Bauwerks.

Regelmäßige Sanierungsarbeiten sichern die Überreste der einst mächtigen Festung und machen sie für Besucher gefahrlos zugänglich.

Mindestens so faszinierend wie die Geschichte der Festung ist aber der Panoramablick, der sich von oben öffnet.

Schon wegen dieser Aussicht lohnt sich der Aufstieg. Vom Hohentwiel reicht der Blick über die kegelförmige Vulkankette des Hegaus und den Bodensee an klaren Tagen bis zu zu den weit entfernten Gipfeln der Schweizer Alpen.

Für einen Besuch ist die Anlage von April bis Mitte Oktober täglich, im Winterhalbjahr donnerstags bis sonntags und an Feiertagen von 10 bis 16 Uhr zugänglich - und unter dramatischem Herbsthimmel wirkt sie besonders eindrucksvoll.

Artikelreferenz

Fritz Edelhoff. (2026). Deutschlands größte Burgruine galt lange Zeit als uneinnehmbar.