Ein Traum für Fans von Geschichte und Kunst: Diese Stadt sieht aus wie im Mittelalter
Drei Kulturen lebten hier friedlich zusammen, El Greco schuf Meisterwerke und das Kunsthandwerk blühte: Diese historische Stadt in der Region Kastilien-La Mancha zählt zu den schönsten in Spanien.

Außer Vogelstimmen ist nichts zu hören. Die Innenhöfe und Klostergänge spanischer Kirchen und Kathedralen sind womöglich die ruhigsten Orte des Landes – selbst im Zeitalter des Tourismus. In den Wintermonaten hält sich die Zahl der Reisenden hier ohnehin in angenehmen Grenzen.
Dabei sind das Kloster San Juan de los Reyes und seine Kirche, Toledos „kleine Kathedrale“ genannt, nicht nur Ziel für Urlauber; auch Einheimische kommen gerne. Denn die Kirche, die sich die „Katholischen Könige“ Ferdinand und Isabella als Grabkapelle bauen ließen, ist Toledos Top-Adresse für Hochzeiten.
Leben und leben lassen in Toledo
Für Isabella und Ferdinand kam indes alles anders. Auf dem Höhepunkt ihres Erfolgszuges, am Neujahrstag 1492, eroberten sie mit Granada die letzte islamische Enklave auf der iberischen Halbinsel zurück – und beschlossen, dass nun auch ihre Ruhestätte zu Füßen der Alhambra liegen sollte.
Der tolerante Geist Toledos war da schon Geschichte. Die Vertreibung der Juden und die Inquisition begannen. Doch bis heute erinnern zwei Moscheen - darunter die 1000 Jahre alte, später zur Kirche umfunktionierte Santo Cristo de la Luz - und die Synagogen, die von moslemischen Baumeistern gebaute Maria Blanca und El Transitó, an jene Epoche, in der Christen, Juden und Moslems hier friedlich zusammenlebten.
Eine Stadt wie eine Festung
Kathedrale und Alcázar, die Zentren kirchlicher und weltlicher Macht, dominieren die Silhouette der Universitätsstadt wie vor Jahrhunderten. Wenn sich düstere Wolken über ihnen ballen und ein kalter Winterwind weht, wirkt die Stadt noch immer wie eine uneinnehmbare Festung.
„In Toledo war jedes einzelne Stadtviertel nochmals von Mauern und Türmen umgeben, und viele Häuser des Adels waren Festungen für sich“, beobachtet Protagonistin Rachel in Lion Feuchtwangers historischem Roman „Die Jüdin von Toledo“, der 1955 erschien.
„Befestigt waren alle Tore, befestigt die Kirchen und Brücken, die vom Fluss des finstern, gewaltigen Stadthügels über den Fluss Tajo ins Land führten. Innerhalb der Stadt aber drängte sich Haus an Haus, hügelan, hügelab, die Treppenwege waren dunkel und schmal, häufig sehr steil, sie schienen Dona Raquel verdächtige Schluchten, überall waren Ecken, Winkel, Mauern, und immer wieder schwere, riesige, eisenbeschlagene Tore.“
Dass die Altstadt noch immer so aussieht, wie Feuchtwanger sie in seinem Mittelalter-Roman beschrieb, ist einer der Gründe, weshalb die UNESCO sie mit der Kathedrale, Kirchen, Museen und weiteren Bauten zum Weltkulturerbe zählt.
Der Maler El Greco blieb über 35 Jahre
Toledo war seit jeher berühmt für die kunstvoll gefertigten Schwerter und Messer seiner Schmiede, und noch heute sind hier viele Waffengeschäfte zu finden. Noch berühmter sind jedoch die Werke von El Greco.
Der Grieche fand in Toledo großzügige Mäzene, so dass er ab 1577 bis zu seinem Tod 1614 seine großen Werke in Toledo schuf. Viele von ihnen sind in der Wahlheimat des Künstlers geblieben, etwa das berühmte „Begräbnis des Grafen Orgaz“ in der Kirche Santo Tomé. Im Museum Santa Cruz und dem Museum El Greco sind weitere spektakuläre Werke ausgestellt.