Waldbrände in Europa 2026: Die schwersten Brände im Überblick
2026 ist ein historisches Waldbrandjahr für Europa: Erstmals stehen mit Belgien und Deutschland auch Länder in Mittel- und Nordwesteuropa im Zentrum der Krise. EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen spricht von „höchster Alarmbereitschaft“. EU-weit sind bereits über 576.000 ha verbrannt (Stand: 15.08.).

Überblick: Europas Waldbrandsaison 2026 in Zahlen
Der Sommer 2026 beschert weiten Teilen Europas eine der schwersten Waldbrandsaisons der vergangenen Jahre. Laut dem European Forest Fire Information System (EFFIS) der EU-Kommission sind EU-weit bereits rund 576.000 ha verbrannt (Stand: 15.08.).
Mehr als doppelt so viel wie im 20-Jahres-Mittel von rund 243.000 ha und mehr als im bereits extremen Vorjahreswert von rund 776.000 ha.
Ungewöhnlich ist, wie weit sich die Krise 2026 nach Norden und Westen ausgeweitet hat: Erstmals kämpfen auch Belgien und Deutschland mit außergewöhnlich großen Waldbränden.
Laut einer Attributionsstudie von World Weather Attribution machte der Klimawandel die Trockenheit in Zentralspanien mindestens 20-mal, im Südwesten Frankreichs mindestens doppelt so wahrscheinlich.
Dahinter steht eine anhaltende Dürre, die laut einer Pressemitteilung des Joint Research Centre (JRC) rund die Hälfte der EU-Fläche sowie Großbritanniens betrifft und mehrere Flüsse auf Rekordtiefstände drückte.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezifferte die hitzebedingten Übersterblichkeitsfälle in Europa bereits auf über 10.000. ESA-Satellitenbilder zeigten zudem Rauchfahnen portugiesischer Brände bis über den Atlantik.
Neue Brandherde: Belgien und Deutschland im Fokus
In Deutschland kämpft die Feuerwehr seit dem 14. August gegen einen ungewöhnlich großen Waldbrand im Hürtgenwald bei Gey (Eifel, NRW). Laut Kreis Düren sind rund 300 ha betroffen, der Ort Gey wurde evakuiert.
Am Samstagmorgen (15.08.) meldete der Kreis die Lage als „statisch“. Die Flammen breiteten sich über Nacht nicht weiter aus. Rund 1.400 Einsatzkräfte sind im Einsatz, fünf wurden verletzt. Erschwert wird die Löscharbeit durch Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg, die im einstigen Schlachtfeld noch im Boden liegen und durch die Hitze detonieren können.
Auch Belgien erlebt mit dem Feuer in den Hohen Fenn einen außergewöhnlich großen Waldbrand: Laut dem Gouverneur der Provinz Lüttich waren bis Samstagabend (15.08., 18 Uhr) rund 2.700 ha betroffen, mehrere Dörfer und ein Feriencamp wurden evakuiert.
Die EU entsandte Löschflugzeuge und Hubschrauber aus Tschechien, Schweden und den Niederlanden. Auffällig: EFFIS wies für Belgien bis Sonntag erst rund 300 ha aus: ein Hinweis, dass die satellitengestützte Erfassung bei Moorbränden offenbar Zeit braucht.
Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission, am 15. August 2026 laut Euronews.
Von der Leyen verwies zudem auf wachsenden Druck auf Länder in Osteuropa und erklärte, die Copernicus-Satelliten der EU unterstützten aktuell die Kartierung der Brandgebiete in Spanien, Albanien, Griechenland, Frankreich, Deutschland und Serbien.
Spanien, Frankreich, Griechenland: aktuelle Entwicklungen
In Spanien sind landesweit rund 284.000 ha betroffen (EFFIS, Stand 14.08.2026), laut elDiario.es das drittschlimmste Jahr seit 30 Jahren. Neu ist ein Großbrand bei Riglos in Aragón: Bis Samstag waren mehr als 15.000 ha betroffen, rund 1.000 Menschen mussten vorsorglich evakuiert werden. Die schwerste Einzelkatastrophe der Saison bleibt der Brand bei Los Gallardos (Almería, 10. Juli) mit 12 Toten.
Frankreich: EFFIS zählt bislang rund 93.600 ha (Stand 15.08.), das Innenministerium spricht von über 116.000 ha. Neu ist ein Feuer bei Luglon in den Landes: Bis Samstag waren rund 1.600 ha betroffen, trotz des Einsatzes von 550 Feuerwehrleuten war der Brand noch nicht unter Kontrolle.
Griechenland: landesweit rund 30.500 ha (EFFIS, Stand 15.08.), davon rund 11.000 ha allein durch Porto Germeno.
Weitere betroffene Länder: Italien (rund 82.400 ha), Portugal (rund 52.100 ha) und das Vereinigte Königreich (rund 24.700 ha, jeweils Stand 15.08.); deutlich geringer, aber wachsend: Serbien (rund 9.800 ha, Stand 16.08.) und Kroatien (rund 3.500 ha, Stand 15.08.) (Quelle: EFFIS).
Ausblick: kurze Verschnaufpause, keine Entwarnung
Im Südwesten Frankreichs bringt das Wochenendeeine kurze Verschnaufpause: Für Bordeaux werden am Samstag rund 28 Grad bei schwachem Wind erwartet, am Montag rund 31 Grad bei leichtem Wind und einzelnen Schauern.
Auch die Staatliche Meteorologische Agentur (AEMET) hat für Spanien aktuell keine aktive Hitzewarnung ausgegeben. Entwarnung gibt es dennoch nicht: Die Gefahrenprognose des JRC zeigt, dass sich das Risiko in den kommenden Tagen weiter nach Mittel- und Osteuropa verschiebt, auch in sonst kaum betroffene Regionen wie Südengland, Irland und Südschweden.
Artikelreferenz
World Weather Attribution. (30.07.2026). Climate change increases likelihood of compounding drivers of severe wildfire conditions in France and Spain.