Bei den riesigen Waldbränden in Südfrankreich explodieren mehr als 400 Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg

Eine beispiellose Waldbrandkrise hat Frankreich erfasst und dabei ein unerwartetes Phänomen ausgelöst: die Explosion historischer Munition. Die Waldbrände führten zur Detonation tödlicher Waffen aus dem Zweiten Weltkrieg, die jahrzehntelang unter der Erde verborgen gelegen hatten.

Die Großbrände in Südfrankreich lassen mehr als 400 vergessene Geschosse aus dem Zweiten Weltkrieg explodieren
Die Großbrände in Südfrankreich lassen mehr als 400 vergessene Geschosse aus dem Zweiten Weltkrieg explodieren

Die malerischen Landschaften, für die der Südwesten Frankreichs traditionell bekannt ist, haben sich in Verwüstungslandschaften verwandelt. Anhaltende Dürre und dauerhaft überdurchschnittliche Temperaturen haben die rasante Ausbreitung der Brände über weite Vegetationsgebiete begünstigt und das ökologische Gleichgewicht der Region dramatisch verändert.

Die durch die Brände entstehende extreme Hitze wirkte als Auslöser, wodurch Sprengladungen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs gezündet wurden und Feuerwehrleute sowie Rettungskräfte einer erheblichen Gefahr durch umherfliegende Trümmer und Blindgänger ausgesetzt waren.

Dieses extreme Verbrennungsereignis führte dazu, dass sich das Feuer unter der Oberfläche ausbreitete, wo es mit nicht explodierten Kampfmitteln aus dem Zweiten Weltkrieg in Kontakt kam, die unter Schichten von Waldhumus vergraben geblieben waren. Der Vorfall verdeutlicht die gefährliche Schnittstelle zwischen der aktuellen Klimakrise und den anhaltenden ökologischen Folgen des Krieges.

Departement Gironde

Die Region Gironde ist zum Epizentrum dieser Umweltkatastrophe geworden. Mehr als 40.000 Hektar Wald wurden zerstört, wodurch Pyrocumulus-Wolken entstanden und den lokalen Ökosystemen schwerer Schaden zugefügt wurde, was zur höchsten seit 1949 verzeichneten Entwaldungsrate führte.

Meteorologische Beobachtungen deuten darauf hin, dass die niedrige Luftfeuchtigkeit und starke Winde als Auslöser für die unkontrollierbare Ausbreitung der Flammen wirkten. Diese Bedingungen hinderten die Feuerwehrleute daran, den Brand schnell einzudämmen, und erforderten einen beispiellosen Notfalleinsatz in der gesamten Region.

Trotz der Schwere der Brände gelang es durch Eindämmungsmaßnahmen, wirtschaftlich wichtige Weinbaugebiete zu schützen. Die ökologischen Auswirkungen auf die lokale Tierwelt und die Störung der Bodenkreisläufe sind jedoch nach wie vor äußerst gravierend.

Die Stadt Le Porge

Die Gemeinde Le Porge war sowohl von Gebäudebränden als auch von explodierenden Sprengkörpern betroffen. In diesem Gebiet löste intensive Hitze im Boden eine Kettenreaktion aus, die zur Detonation von fast 100 Mörsergranaten und deutsch-französischen Panzerabwehrwaffen führte.

Nach Angaben von Bürgermeister Martial Zaninetti gegenüber dem französischen Sender France Info waren in der zweiten Nacht des Waldbrands mehr als 100 Explosionen zu hören, die er mit „Kriegsgeräuschen“ verglich.


Die Wucht der Explosionen, die zunächst fälschlicherweise für explodierende Haushaltsgasflaschen gehalten wurden, veranlasste die Behörden dazu, eine strenge Sperrzone einzurichten. Spezialisierte Bombenräumkommandos wurden hinzugezogen, um rund 400 verrostete Sprengkörper zu entschärfen, die unter der Oberfläche zum Vorschein gekommen waren.

„Bestimmte Gebiete sind nach wie vor nicht zugänglich. Mehr als 180 Häuser in der Gegend wurden durch den Waldbrand zerstört“, sagte Bürgermeister Zaninetti.


Maßnahmen zur Eindämmung und Entsorgung verzögerten die Rückkehr der Bewohner in die betroffenen Gemeinden. Laut Berichten lokaler Medien führten die Behörden Risikomanagementmaßnahmen durch, um sicherzustellen, dass die Munition sicher eingesammelt und später auf Militärgelände vernichtet werden konnte.

Der Wald der Landes de Gascogne

Das Waldökosystem der Landes de Gascogne hat erhebliche Schäden davongetragen. Brennendes Kiefernharz und dichte Schichten organischen Materials begünstigten die Ausbreitung von Untergrundbränden, wodurch die Hitze direkt auf vergrabene Kriegsmunition übertragen wurde.

Diese Wärmeübertragung durch Wärmeleitung führte dazu, dass die Temperatur der Metallgehäuse aus dem Zweiten Weltkrieg über den Punkt stieg, ab dem sie chemisch stabil blieben. Die Folge war eine Reihe spontaner Explosionen, die die Bemühungen, die Brände unter Kontrolle zu bringen, erheblich erschwerten.

Eine Analyse nach dem Brand hat ergeben, dass durch die Zerstörung des Walddachs – der obersten Schicht eines Waldes, die aus den Baumkronen besteht, das Sonnenlicht filtert, die Auswirkungen von Niederschlägen mindert und dazu beiträgt, Feuchtigkeit in der Luft zu binden – eine beträchtliche Menge an Granatsplittern und zahlreiche Sekundärkrater freigelegt wurden. Nun sind archäologische Untersuchungen und umfangreiche Dekontaminierungsarbeiten erforderlich, bevor der Wald wieder als sicher gelten kann.

Artikelreferenz

BBC. France wildfires reveal hundreds of WW2 shells in village.