Wasserbombe über Rom: Diese Regenmengen sprengen alles, was Italien gewohnt ist

Über Mittelitalien braut sich eine gewaltige Wasserbombe zusammen. Bis Sonntag zeigen die Wetterkarten über 250 Liter Regen bei Rom. Sturzfluten und Erdrutsche drohen, auch Urlauber sind betroffen.
Über Italien baut sich eine regelrechte Wasserbombe auf. Die neuesten Berechnungen des europäischen Wettermodells zeigen für die Region rund um Rom Regenmengen, die für die Hauptstadtregion absolut außergewöhnlich sind. An der Küste nordwestlich der Ewigen Stadt stehen bis Sonntagabend sage und schreibe 255 Liter pro Quadratmeter auf der Karte.
Zum Vergleich: In vielen Regionen Deutschlands fallen im ganzen Jahr nur 500 bis 700 Liter. In Rom selbst sind es im Jahresmittel rund 800 Liter. Mit den prognostizierten über 140 Litern könnte die Stadt also binnen weniger Tage fast ein Fünftel ihres Jahresregens abbekommen, an der Küste sogar fast ein Drittel.
Das Mittelmeer lädt die Wasserbombe auf
Der Zündstoff für dieses Extrem-Ereignis liegt direkt vor der italienischen Küste. Das Mittelmeer ist nach dem langen Sommer noch immer ungewöhnlich warm, vielerorts hat das Wasser deutlich über 20 Grad. Gleichzeitig schiebt sich kühle Höhenluft heran, und ein Tief setzt sich über dem westlichen Mittelmeer regelrecht fest.

Genau diese Mischung macht die Lage so explosiv. Die warme See pumpt gewaltige Mengen Feuchtigkeit in die Atmosphäre, die Luft saugt sie auf wie ein Schwamm und entlädt sie an der Küste und an den Hängen des Apennin. Besonders tückisch: Die Gewitterzellen können über Stunden immer wieder über dieselben Orte hinwegziehen.
Hier schlägt die Wasserbombe ein
Im Zentrum des Geschehens liegt die Region Latium. Neben Rom kommen Latina auf rund 105 Liter, Terni auf 87 und Viterbo auf 67 Liter. Auch die südliche Toskana wird kräftig getroffen, bei Grosseto sind es um die 90 Liter, in Livorno und Siena immerhin zwischen 45 und 55 Liter.
Weiter südlich wird es in Kampanien ebenfalls brenzlig, Neapel liegt bei über 80 Litern. Ganz anders an der Adria: In Pescara, Foggia oder Bari fallen teils weniger als 10 Liter. Während dort kaum ein Tropfen fällt, öffnen sich keine 200 Kilometer weiter westlich alle Schleusen.
Sturzfluten, Erdrutsche, überflutete Straßen
Mit normalem Herbstregen hat das nichts mehr zu tun. Fällt ein großer Teil der Mengen in kurzer Zeit, ist die Kanalisation im Nu überfordert. Straßen verwandeln sich in reißende Bäche, Unterführungen laufen voll, kleine Flüsse treten innerhalb kürzester Zeit über die Ufer.

In den Hügel- und Bergregionen drohen zusätzlich Erdrutsche und Schlammlawinen. Gerade die Böden an den Hängen können solche Wassermassen nicht mehr aufnehmen. Italien hat in den vergangenen Jahren mehrfach erlebt, wie schnell aus Starkregen eine Katastrophe werden kann. Auch Bahn- und Flugverkehr rund um Rom könnten ins Stocken geraten.
Auch der Balkan wird getroffen
Die Wasserbombe macht an der Adria nicht halt. Auf der anderen Seite des Meeres sieht es teilweise ebenfalls dramatisch aus. In Bosnien und Herzegowina stehen für Mostar knapp 123 Liter auf der Karte, in Sarajevo und Zenica bleibt es dagegen deutlich ruhiger.
An der kroatischen Küste kommen Zadar auf rund 60 und Split auf knapp 50 Liter. Für die Gebirgsregionen im Hinterland bedeutet das: Bäche und Flüsse können rasch gefährlich anschwellen. Wer dort im Herbsturlaub unterwegs ist, sollte die Wetterlage in den kommenden Tagen genau im Auge behalten.
Was Urlauber jetzt wissen müssen
Eines muss man klar sagen: Es handelt sich um eine Prognose, nicht um ein festes Ergebnis. Der Schwerpunkt des Starkregens kann sich bis zum Wochenende noch um 50 oder 100 Kilometer verschieben. Die Zahlen sind deshalb nicht auf den Liter genau zu nehmen, die Richtung ist aber eindeutig: Mittelitalien steht ein extrem nasses Wochenende bevor.
Wer in den nächsten Tagen nach Rom, an die Küste Latiums oder in die Toskana reist, sollte die Warnungen des italienischen Zivilschutzes verfolgen. Ausflüge in Flussnähe oder in enge Täler besser verschieben, bei Starkregen keine überfluteten Straßen durchfahren und Unterführungen meiden. Ein Regenschirm allein wird gegen diese Wassermassen sicher nicht reichen.