Waldbrände Griechenland: Großfeuer bei Athen, Alarmstufe Rot
Seit Freitag kämpfen hunderte Feuerwehrleute bei Porto Germeno nahe Athen gegen ein Großfeuer, das Fachleute als „Megafire“ einstufen. Hunderte Menschen wurden per Schiff evakuiert. Auch für Montag gilt in Attika und Mittelgriechenland die höchste Gefahrenstufe.

Griechenland erlebt Anfang August 2026 eine der schwersten Phasen seiner diesjährigen Waldbrandsaison: Dutzende Feuer brennen zeitgleich im Land, ausgelöst durch extreme Hitze, Trockenheit und starken Wind.
Am schwersten betroffen ist die Region um Athen, wo ein Großbrand seit Freitag Menschen zur Flucht zwingt, mehrere Todesopfer forderte und die Regierung zum höchsten Alarmzustand veranlasst hat.
Großfeuer bei Porto Germeno: Rettung übers Meer
Seit Freitagmorgen breitet sich bei Agios Vasileios in der Region Viotia ein Waldbrand aus, der rasch auf den Küstenort Porto Germeno am Golf von Korinth, rund 70 Kilometer nordwestlich von Athen, übergriff und am Montag bereits den vierten Tag brennt.
Regierungschef Kyriakos Mitsotakis sprach von „extremen Wetterbedingungen und Winden“ von bis zu 100 km/h, unter denen selbst zahlreiche Löschflugzeuge nicht sicher operieren könnten.
Nach Behördenangaben mussten deswegen mehr als 1.000 Menschen aus der Region fliehen, mehr als 250 davon wurden per Boot von Stränden nahe Porto Germeno gerettet. Am Montagmorgen kamen wegen der weiter vorrückenden Flammen Evakuierungsanordnungen für drei zusätzliche Gebiete hinzu.
Am Sonntag stürzten bei den Löscharbeiten nahe der Küstensiedlung Psatha zwei Löschhubschrauber zusammen; die beiden Besatzungsmitglieder kamen dabei ums Leben, die Crew des zweiten Hubschraubers wurde leicht verletzt.
— Kyriakos Mitsotakis, 02.08.2026.

Brandursache und Festnahmen
Als Ursache ermittelten die Behörden Funken einer defekten Stromleitung, die eine private Windkraftanlage an das Netz anschließen sollte. Zwei Verantwortliche für Planung und Bau der Leitung wurden wegen des Verdachts der Brandstiftung festgenommen, gegen den Eigentümer der Windkraftfirma erging ein Haftbefehl.
Weitere Brände und drei tote Feuerwehrleute in dieser Woche
Weitere, kleinere Brände beschäftigten zuletzt die Feuerwehr im Norden der Peloponnes und auf der Insel Kefalonia, wo ein Mann unter Brandstiftungsverdacht festgenommen wurde. Getrennt von den aktuellen Bränden waren bereits zuvor in dieser Woche drei Feuerwehrleute im Einsatz ums Leben gekommen: zwei auf Kreta, ein weiterer auf der Peloponnes.
Megafire: Als „Megafire“ bezeichnen Fachleute einen Waldbrand, der sich extrem schnell ausbreitet, häufig mehrere Brandherde zu einer zusammenhängenden Front verschmelzen lässt und wegen seiner Größe eigene, kaum vorhersehbare Wetterphänomene erzeugen kann.
Ausblick: Weiterhin große Gefahr, aber schwächerer Wind
Der griechische Zivilschutz rief für Sonntag den vollständigen Mobilisierungszustand („Red Code“) für Attika sowie die Bezirke Voiotia und Evia aus; auch für Montag gilt dort die höchste Gefahrenstufe (Kategorie 4). Griechenland leidet wie weite Teile Südeuropas seit Wochen unter trockener, heißer Witterung, ähnlich wie derzeit Frankreich und Spanien.
Nach ECMWF-Daten bleibt es bis Freitag heiß und trocken, mit Tageshöchstwerten um 34 bis 35 Grad in Athen und rund 31 bis 33 Grad bei Porto Germeno; nennenswerter Regen ist nicht in Sicht.

Der Wind lässt dagegen deutlich nach: Die Prognose sieht nur noch Böen von rund 11 bis 23 km/h voraus, was zu den bereits am Montag nachlassenden Winden passt.
Einordnung: Wie sich 2026 in die vergangenen 20 Jahre einreiht
Nach Daten des European Forest Fire Information System (EFFIS) der EU-Kommission verbrannten in Griechenland zwischen 2006 und 2025 im Schnitt rund 50.000 Hektar pro Jahr, der Median liegt bei rund 23.700 Hektar.
Die bislang schlimmsten Jahre waren 2007 (rund 272.000 Hektar), 2023 (rund 175.000 Hektar) und 2021 (rund 131.000 Hektar).
Zum 29. Juli bezifferte eine EFFIS-Auswertung die 2026 in Griechenland verbrannte Fläche auf rund 8.600 Hektar, damals noch unter dem langjährigen Median.
Allein der aktuelle Großbrand bei Porto Germeno und in Viotia hat einer Satellitenauswertung des Nationalen Observatoriums Athen zufolge inzwischen rund 11.200 Hektar verbrannt.
Zuvor hatten Brände auf Kreta und Paros in der Vorwoche nach Angaben desselben Instituts weitere rund 6.000 Hektar verbrannt.