El Niño gewinnt an Stärke und beeinträchtigt bereits das Wetter und die Nahrungsmittelproduktion in verschiedenen Teilen

El Niño gewinnt im Pazifik an Stärke und wirkt sich allmählich auf verschiedene Regionen aus. Seine außergewöhnliche Intensität könnte in Verbindung mit der globalen Erwärmung zu einer Veränderung der gewohnten Klimamuster führen.

Das aktuelle El-Niño-Ereignis ist auf dem besten Weg, eine außergewöhnliche Intensität zu erreichen.
Das aktuelle El-Niño-Ereignis ist auf dem besten Weg, eine außergewöhnliche Intensität zu erreichen.

Die Gewässer vor der Küste Perus gehören zu den fischreichsten der Welt. Jedes Jahr werden dort Millionen Tonnen Anchoveta gefangen, die hauptsächlich für die Herstellung von Düngemitteln und Tierfutter verwendet werden. In diesem Jahr hat sich die Lage jedoch schlagartig geändert.

Ende August beschloss die peruanische Regierung, die Fangzeit für Anchoveta vorzeitig zu beenden. Der Grund dafür hängt mit der Zunahme des El-Niño-Phänomens im tropischen Pazifik zusammen: Steigende Meerestemperaturen veränderten die Verteilung der verfügbaren Nahrung und zwangen die ausgewachsenen Fische, in tiefere, kältere Gewässer auszuweichen. Die Folge war ein deutlich geringerer Fang als erwartet.

Die Erfahrungen in Peru sind nur ein Beispiel dafür, was in den kommenden Monaten passieren könnte. Das aktuelle El-Niño-Ereignis ist auf dem besten Weg, außergewöhnliche Ausmaße zu erreichen.

Ein ungewöhnlicher El Niño

Das aktuelle Phänomen weist eine besonders auffällige Eigenschaft auf: Es handelt sich um den ersten starken El Niño seit Ende der 1990er Jahre, der von warmen Gewässern im östlichen Pazifik geprägt ist. Das bedeutet, dass es nur relativ wenige aktuelle Erfahrungswerte gibt, anhand derer sich vorhersagen lässt, wie sich dieses Phänomen auf einem Planeten verhalten wird, der zudem um fast drei Jahrzehnte wärmer ist

El Niño entsteht, wenn die Meeresoberflächentemperaturen im tropischen Pazifik deutlich über dem Normalwert liegen. Diese Erwärmung verändert die Atmosphäre über dem Ozean und löst weltweit Veränderungen bei Winden, Niederschlägen und Temperaturverläufen aus.

Allerdings sind nicht alle El-Niño-Ereignisse gleich. Bei einigen konzentrieren sich die wärmsten Gewässer auf den zentralen Pazifik, bei anderen hingegen weiter östlich. Auch die Intensität des Ereignisses beeinflusst das Ausmaß seiner Auswirkungen.

„El Niño gibt es in verschiedenen Varianten, genau wie Eiscreme“, erklärt Jérôme Vialard, Forscher am französischen Forschungsinstitut für Entwicklung.

Das aktuelle Phänomen weist eine besonders auffällige Eigenschaft auf: Es handelt sich um den ersten starken El Niño seit Ende der 1990er Jahre, der von warmen Gewässern im östlichen Pazifik geprägt ist. Das bedeutet, dass es nur relativ wenige aktuelle Erfahrungswerte gibt, anhand derer sich vorhersagen lässt, wie sich dieses Phänomen auf einem Planeten verhalten wird, der zudem um fast drei Jahrzehnte wärmer ist.

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist, wie schnell es an Stärke gewann. Die Erwärmung begann früher an Fahrt zu gewinnen als bei anderen bedeutenden Ereignissen, wie beispielsweise denen von 1997 und 2015. Einige Prognosen weisen sogar auf die Möglichkeit hin, dass es sich um eines der stärksten El-Niño-Ereignisse seit Jahrhunderten handeln könnte.

Dürren und Überschwemmungen auf verschiedenen Kontinenten

Bislang ähneln viele der beobachteten Auswirkungen denen früherer Großereignisse. In Mittelamerika beeinträchtigt der Mangel an Niederschlägen bereits den Betrieb des Panamakanals, dessen Schleusensysteme große Mengen an Süßwasser benötigen. Auch bei Kleinbauern in Guatemala, Honduras und El Salvador wurden Ernteausfälle gemeldet.

In der Karibik hat sich eine historische Dürre vor dem Hintergrund des Klimawandels weiter verschärft, was in Puerto Rico zu Einschränkungen beim Wasserverbrauch geführt hat, während auch die Ernten in Jamaika unter Druck stehen.

Die warme und trockene Wetterlage erstreckt sich auch auf andere Regionen in der Nähe des Äquators. In Indonesien begann die Waldbrandsaison aktiver als üblich, während in Indien unterdurchschnittliche Monsunregenfälle verzeichnet wurden, obwohl es in einigen Teilen des Landes zu Überschwemmungen kam.

Waldbrände treten vor allem in Regionen auf, in denen El Niño für wärmere und trockenere Bedingungen sorgt.
Waldbrände treten vor allem in Regionen auf, in denen El Niño für wärmere und trockenere Bedingungen sorgt.

Im südlichen und östlichen Afrika schürt die Kombination aus trockenem Wetter und hohen Kraftstoff- und Düngemittelpreisen die Sorgen um die Ernährungssicherheit. Ein Bericht des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen schätzt, dass infolge dieser Entwicklung Dutzende Millionen Menschen von akuter Ernährungsunsicherheit bedroht sein könnten.

Gleichzeitig begünstigt El Niño in anderen Regionen überdurchschnittlich nasse Wetterbedingungen. Starke Regen- und Schneefälle in Chile und Peru haben bereits zu Überschwemmungen geführt, den Bergbaubetrieb beeinträchtigt und dazu geführt, dass Machu Picchu vorübergehend für Touristen geschlossen werden musste. Am Horn von Afrika gibt es zudem Befürchtungen hinsichtlich möglicher Überschwemmungen, ähnlich wie sie während des Ereignisses im Jahr 2023 auftraten.

Die große Frage: Wie wird sich dies auf die globale Erwärmung auswirken?

Die Auswirkungen könnten sich in den kommenden Monaten noch verstärken, wenn El Niño seinen Höhepunkt erreicht. Das Ausmaß des Phänomens steht oft in Zusammenhang mit der Schwere seiner Auswirkungen, doch dieses Mal kommt eine weitere Variable hinzu: der Klimawandel.

Einige El-Niño-Anzeichen, wie beispielsweise höhere Temperaturen oder bestimmte Veränderungen im Niederschlagsverhalten, könnten sich mit der globalen Erwärmung verbinden und Wetterextreme verstärken. Für Forscher ist die Frage, inwieweit diese beiden Prozesse miteinander interagieren, eine der wichtigsten wissenschaftlichen Fragen, die dieses Ereignis aufwirft.

Es gibt noch eine weitere Frage. Der Klimawandel könnte die sogenannten „Telekonnektionen“ von El Niño verändern, d. h. die Art und Weise, wie sich eine lokale Erwärmung im Pazifik letztendlich auf das Klima in Tausenden von Meilen Entfernung auswirkt.

Jüngste Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass sich diese Zusammenhänge in den letzten Jahrzehnten verändert haben. Einige Regionen, in denen es in der Vergangenheit während eines El-Niño-Ereignisses wärmer wurde, reagieren nun anders, während in anderen Gebieten das Gegenteil der Fall ist.

Sollten sich diese Muster weiter verändern, wird es noch komplexer werden, die Auswirkungen künftiger Ereignisse vorherzusehen. Und für Gesellschaften, die sich auf Klimaprognosen verlassen, um sich auf Dürren, Überschwemmungen, Waldbrände oder Ernteausfälle vorzubereiten, könnte diese Unsicherheit zu einer immer größeren Herausforderung werden.

Artikelreferenz

E. Vos, P. Huybers, E. Tziperman. (2026). Climate Change Alters Teleconnections.
Margot Beniche, Jérôme Vialard, Andréa S. Taschetto, Matthieu Lengaigne. (2026). Reduced Distinctiveness of Extreme El Niño Teleconnections in Warmer Climates.