Klimawandel? Die Reichen lachen – Private-Jet-Boom bricht alle Rekorde

Der private Flugverkehr nimmt zu - und damit auch sein Beitrag zu den Treibhausgasemission aus dem zivilen Luftverkehr.

Flüge in privaten Jets nehmen stark zu. Auch während der FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft
Flüge in privaten Jets nehmen stark zu. Auch während der FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft

Die Hitzewellen der letzten Monate haben uns die Folgen der Klimaveränderungen drastisch verdeutlicht. Maßnahmen gegen den Klimawandel werden zumindest in der Bevölkerung wieder als Notwendigkeit erkannt.

Die Politik der westlichen Welt ist allerdings noch nicht der Meinung, dass nun entscheidende Schritte gegen eine deutliche Reduzierung der Treibhausgasemissionen eingeleitet werden müssen.

Angeführt von US-Regierung, die den Klimawandel und seine Folgen als „fake news“ bezeichnet, brav gefolgt von der EU, in der gerade ein Aufweichen der CO2-Abgabe bzw. CO2-Zertifikate diskutiert wird, bis nach Deutschland, wo man mit dem neuen „Heizungsgesetz“ die Türen für den Einsatz fossiler Energieträger im Bereich der Gebäudeheizung wieder weit geöffnet hat: die politischen Entscheider der westlichen Industrieländer wollen offensichtlich nichts mehr gegen die rasch fortschreitende Erderwärmung tun!

Wenig beachtet ist dabei, dass der Klimawandel unter dem Kontext „Klimagerechtigkeit“ betrachtet werden muss.

Während der klimabewusste Teil der Menschheit durchaus bestehende Verhaltensmuster ändert, um „klimafreundlicher“ zu leben, verhält sich die Welt der „Superreichen“ frei nach dem Motto „wir werden da schon irgendwie durchkommen“.

Der Markt der Privatflugzeuge

Die Größe des Privatflugzeugmarktes wird im Jahr 2026 auf 50,6 Milliarden US$ Umsatz geschätzt. Bis 2034 soll er ca. 72 Milliarden US$ erreichen.

Er umfasst die Herstellung, den Vertrieb, das Leasing und das Chartern von Flugzeugen, die hauptsächlich für Privat-, Firmen- oder Teileigentümer bestimmt sind. Der Markt konzentriert sich auf vermögende Privatpersonen, Firmenkunden und spezialisierte Dienstleister.

Sein zentrales Wertversprechen liegt in der Bereitstellung von Komfort, Privatsphäre und Zeiteffizienz, oft zugeschnitten auf die spezifischen Bedürfnisse der wohlhabenden Kundschaft.

Nachfrage steigt

Dieser Markt dynamisiert sich als Reaktion auf die steigende Nachfrage nach personalisierten Mobilitätslösungen, die über die Einschränkungen des kommerziellen Flugverkehrs hinausgehen. Da das globale Geschäft immer stärker vernetzt ist und die demografische Elite zunimmt, ist der Bedarf an schnellen, sicheren und exklusiven Transportmöglichkeiten exponentiell gewachsen.

Der Privatflugzeugmarkt ist in den breiteren Luft- und Raumfahrt- und Transportsektoren positioniert und mit dem Markt von Luxusgütern, speziellen Finanzdienstleistungen, dem Verkauf hochwertiger Immobilien und dem Markt von Luxusjachten verbunden.

Die Entwicklung des Marktes spiegelt umfassendere wirtschaftliche Veränderungen, technologische Innovationen und sich verändernde Verbraucherpräferenzen in Bezug auf Komfort und Exklusivität wider.

Soweit die Marktbeschreibung.

Die FIFA-Weltmeisterschaft und Privatjets

Nach einer Einschätzung von Inequality.org könnte die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 dank der Tausenden von Luxus-Privatjets, die die drei Gastgeberländer der Vereinigten Staaten, Mexiko und Kanada durchquert haben, das umweltschädlichste Sportereignis aller Zeiten sein.

Ein Beispiel dazu: Für das Spiel zwischen Spanien und Belgien am 10. Juli flogen 2.077 Privatjets zum kalifornischen Flughafen Inglewood-

Seit 2007 erforscht Inequality.org für Politikstudien im Rahmen des Programmes zur globalen Ungleichheit die wirtschaftlichen und ökologischen Kosten von Privatjets. Vor wenigen Tagen startete die NGO ihr neues „Private Jet Accountability Project“. Dieses bemerkenswerte Tool verfolgt die Emissionen von Privatflugzeugen.

Am 17.7. wurden auf dem Tracker die CO2-Emissionen der beiden WM-Halbfinalspiele in Dallas und Atlanta dokumentiert. Die Datenanalyse zeigt 3.560 Privatjetstarts und -landungen an lokalen Flughäfen rund um die beiden Halbfinalspiele.

Schon vor dem Turnier hatten Umweltorganisationen die Fifa massiv kritisiert. Greenpeace nannte die WM die »klimaschädlichste in der Geschichte des Turniers«, Experten hätten einen Fußabdruck von neun Millionen Tonnen an CO₂-Äquivalenten errechnet – doppelt so viel wie bei der vorherigen Weltmeisterschaft in Katar.

Der SPIEGEL berichtete, dass FIFA-Präsident Gianni Infantino der „Weltmeister der Privatflüge“ war. Bereits in der ersten Woche der Weltmeisterschaft hatte er 23.200 Kilometer im Flugzeug zurückgelegt. Die von ihm mutmaßlich genutzte Gulfstream 650ER von Qatar Executive hat dabei etwa 200 Tonnen CO₂ freigesetzt.

Über das gesamte Turnier kamen am Ende stolze 93.524 Kilometer zusammen.

Private Jets - ein Luxus für Wenige
Private Jets - ein Luxus für Wenige

Hunderttausende Fans aus den USA und der ganzen Welt subventionierten diese Flüge, indem sie 7,5 % Steuern auf Flugtickets sowie Passagiergebühren zahlten, die die Flugverkehrskontrolle, das Bodenpersonal und die Landebahninfrastruktur unterstützen.

Privatjetbesitzer zahlen diese Gebühren nicht, profitieren aber dennoch von den öffentlichen Annehmlichkeiten, den Sicherheitsaspekten und dem Zugang zum Luftraum, den die US-Luftfahrtaufsichtsbehörden bieten.

Die Klientel der Privatflugzeuge

Ich denke, es gibt viel mehr Menschen, die es sich leisten können, privat zu reisen, und diese Zahl scheint täglich zu wachsen

sagte ein Vertreter des Privatjet-Unternehmens Soar Aviation Law dem britischen GUARDIAN. Der Umsatz des Unternehmens, das Flugzeugkäufe und -vereinbarungen abwickelt, ist aktuell um 25% gestiegen.

Für viele beginnt die private Luftfahrt mit einer Mitgliedschaft oder einem Shared-Ownership-Programm, bevor sie zum Flugzeugbesitz übergeht. Daten des Unternehmens Jetnet zeigen, dass Flüge durch Shared-Owner-Programme in den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 im Vergleich zu 2025 weltweit um 11,8% gestiegen sind.

Die stündlichen Charterkosten eines Privatjets reichen von etwa 1.500 US$ bis 18.500US$. Der Kauf eines Jets je nach Modell des Flugzeugs liegt zwischen6 Mio.US$ und 70 Mio.US$ kosten kann.

Der Boom der Tech-Branche und ihrer neuen und alten Millionäre und Millionäre hat das Geschäft befeuert. Ein Broker von privaten Jets berichtete dem GUARDIAN, dass vor einem Jahrzehnt Technologiekunden etwa ein Fünftel seines Geschäfts ausmachten. Heute repräsentieren sie etwa drei Viertel des Umsatzes.

Diese Kundengruppe wächst permanent und ist auf der Suche nach knappen neuen Luxusflugzeugen, betonte der Broker und fügte hinzu:

Ich habe letztes Jahr Flugzeuge verkauft, die ich heute um 10% bis 15% teurer verkaufen könnte

Keine Anklage, sondern nur Aufklärung

Mir geht es bei dieser Betrachtung ebenso wie bei dem nachfolgenden Artikel zu den Superyachten nicht um eine Neiddebatte, wie dies von den Superreichen bei derartigen Berichten immer betont wird.

Meine Forderung zieht vielmehr auf einen angemessenen Ausgleich zur Klimawirkung dieser Verkehrsmittel.

Der Anstieg der Privatjet-Flüge in den ersten 5 Monaten von 2026, verglichen mit dem gleichen Zeitraum im Jahr 2025 betrug 13,4 Prozent. Es lässt sich leicht berechnen, dass die Reiseart „Privatflugzeug“ die höchsten CO2-Emissionen aller Reisearten, bezogen auf die einzelnen Reisenden, verursacht.

Die mehr oder weniger „kleinen“ Jets befördern in der Regel zwei Piloten, ein bis zwei Crew-Mitglieder und zwischen einem und zehn Passagieren. Die wohlhabende Passagiergruppe könnte es sich absolut erlauben, zum Beispiel über eine spezielle Klimaabgabe für derartige Flüge, dazu beizutragen, dass diese so gezahlte Abgabe ärmeren Ländern für den Schutz gegen die Klimafolgen zur Verfügung gestellt wird. Damit wäre zumindest im Ansatz etwas Gerechtigkeit hergestellt.

Die Erfahrung zeigt, dass privilegierte Gruppen wie die Nutzer von Privatjets oder Besitzer von Superyachten alle Vorschläge in dieser Richtung ablehnt.

Es besteht also weder ein Unrechtsbewusstsein in Bezug auf die klimaschädliche Wirkung noch das Bewusstsein zum Privileg selbst im Vergleich zu den ca. 700 Millionen Menschen, die auch heute noch von weniger als 2,50US$ Tageseinkommen leben müssen.

Eine Studie vom 7. November 2024, die sich mit der klimaschädlichen Wirkung von Privatflugzeugen beschäftigt, habe ich am Ende dieses Artikels verlinkt

Artikelreferenz

Stefan Gössling, Andreas Humpe & Jorge Cardoso Leitão. (2024). Private aviation is making a growing contribution to climate change.
Verified Market Reports. (2026). Global Private Jet Market Growth 2019-2024.