Qualität von Wetterprognosen schwankt weltweit: In reichen Ländern sind Vorhersagen verlässlicher

Ob Aussaat, Strombedarf oder Hitzeschutz: Verlässliche Wetterinformationen helfen, rechtzeitig Entscheidungen zu treffen und Schäden zu begrenzen. Wie zuverlässig solche Prognosen sind, hängt allerdings stark davon ab, wo man lebt.

In einem Land mit hohem Einkommen ist eine 7-Tages-Prognose genauer als die Vorhersage für den nächsten Tag in einem Land mit niedrigem Einkommen. Bild: Tri Le/Pixabay
In einem Land mit hohem Einkommen ist eine 7-Tages-Prognose genauer als die Vorhersage für den nächsten Tag in einem Land mit niedrigem Einkommen. Bild: Tri Le/Pixabay

Wie die Vorhersagequalität weltweit verteilt ist, haben nun die Wissenschaftler Manuel Linsenmeier von der Goethe-Universität Frankfurt und Jeffrey Shrader von der Columbia University untersucht. Im Mittelpunkt standen Temperaturprognosen für einen Zeitraum bis sieben Tage, ergänzt um Niederschlag und Luftdruck.

Dabei kam heraus, dass mit steigendem Einkommen auch die durchschnittliche Genauigkeit der Wetterdaten zunimmt. Für die Untersuchung wurden Prognosen des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF) für den Zeitraum von 1985 bis 2020 ausgewertet und diese mit realen Beobachtungen verglichen.

Reiche Länder haben einen Vorsprung

Das wahre Ausmaß der Unterschiede offenbart sich, wenn man die Prognosefristen vergleicht: Eine Vorhersage sieben Tage im Voraus ist in einem Land mit hohem Einkommen genauer als eine Prognose für den Folgetag in einem Land mit niedrigem Einkommen.

„Für viele Menschen in Deutschland ist es selbstverständlich geworden, jederzeit eine ziemlich zuverlässige Wettervorhersage auf dem Smartphone abzurufen“, sagt Linsenmeier. Weltweit sei die Qualität der Information jedoch „sehr ungleich verteilt“.

Seit den 1980er-Jahren sind Wettervorhersagen erheblich besser geworden. Alle Einkommensgruppen profitierten davon. Die Kluft zwischen armen und reichen Ländern jedoch blieb bestehen.

Ursachen für die Ungleichheit sind zum größten Teil die geografische Lage in den Tropen, die sich weit schwerer vorhersagen lässt, sowie infrastrukturelle Nachteile. Bild: Hung Vu/Pixabay
Ursachen für die Ungleichheit sind zum größten Teil die geografische Lage in den Tropen, die sich weit schwerer vorhersagen lässt, sowie infrastrukturelle Nachteile. Bild: Hung Vu/Pixabay

Ein wesentlicher Faktor ist die Lage: Kurzfristiges Wetter lässt sich in den Tropen schwerer prognostizieren – viele Länder mit niedrigem Einkommen liegen dort. Die geografischen Bedingungen können laut den Forschern etwa zwei Drittel der globalen Unterschiede erklären.

Daneben spielt die meteorologische Infrastruktur eine Rolle: Ärmeren Staaten stehen im Durchschnitt weniger Bodenstationen und Radiosonden zur Verfügung. Auch vorhandene Messsysteme liefern ihre Daten teilweise seltener. Damit fehlen Wettermodellen notwendige Atmosphärendaten. Hinzu kommen Unterschiede bei Personal, Rechenleistung und nationalen Wetterdiensten.

Nur wenige Staaten entwickeln eigene globale Wettermodelle, viele greifen auf internationale Zentren zurück und ergänzen deren Ergebnisse regional. Als Indikator wurde untersucht, welche Länder offizielle Vorhersagen für Hauptstädte an die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) übermitteln.

Rund 76 Prozent der Länder mit hohem Einkommen meldeten solche Vorhersagen, aber nur etwa 19 Prozent der Länder mit niedrigem Einkommen. „Aber bei Beobachtungsnetzen, Wettermodellen und den Kapazitäten nationaler Wetterdienste gibt es Ansatzpunkte, um Vorhersagen zu verbessern“, wendet Linsenmeier ein.

Dabei sei die internationale Kooperation entscheidend. „Wetterbeobachtungen und Wettervorhersagen sind letztlich globale Infrastruktur“, erklärt Linsenmeier. Verbesserte Messungen könnten Prognosen nicht nur vor Ort verbessern, sondern dank globaler Wettermodelle auch jenseits nationaler Grenzen.

Wetterwissen wird immer wichtiger

Die nun in Nature Communications veröffentlichte Studie gehört zu Linsenmeiers Forschungsprogramm über den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wert von Wetterprognosen. Eine 2026 veröffentlichte PNAS-Studie ergab bereits, dass genauere Temperaturvorhersagen besonders an heißen Tagen mit geringerer Sterblichkeit verbunden sind.

Mit zunehmendem Klimawandel könnten genauere Prognosen darum immer wichtiger werden. Ein weiteres Projekt untersucht inzwischen auch den Standort Deutschland: Gemeinsam mit einer Krankenversicherung erforscht Linsenmeier, welche Menschen gegenüber extremen Temperaturen besonders gefährdet sind und wie Wettervorhersagen sowie Hitzewarnungen des Deutschen Wetterdienstes gesundheitliche Folgen mindern können.

Artikelreferenz

Linsenmeier, M., & Shrader, J. (2026). Global inequalities in weather forecasts. Nature Communications.