Kaum jemand kennt diese spektakuläre Sommerroute entlang Norwegens Küste, auf der die Sonne um Mitternacht noch scheint!

Während Gluthitze und Brände Urlaubsregionen am Mittelmeer belasten, führt Norwegens kaum bekannte Küstenstraße Kystriksveien durch eine kühlere Sommerwelt – über den Polarkreis bis in das Licht der Mitternachtssonne im Norden. Vielleicht eine Urlaubsalternative- auch für Sie?!

Karibisch anmutendes Wasser, heller Sand und hohe Berge: An der Storvika-Bucht zeigt der Kystriksveien eine Seite Norwegens, die nur wenige Reisende kennen.
Karibisch anmutendes Wasser, heller Sand und hohe Berge: An der Storvika-Bucht zeigt der Kystriksveien eine Seite Norwegens, die nur wenige Reisende kennen.

Der Strand ist wegen extremer Hitze kaum auszuhalten, trockene Vegetation kann sich innerhalb kürzester Zeit entzünden und Rauch verdunkelt den Himmel: In mehreren europäischen Urlaubsregionen zeigt der Sommer 2026 seine gefährliche Seite. Hitze, Trockenheit und Vegetationsbrände verändern zunehmend die Frage, wohin eine Reise im Hochsommer noch führen soll.

Während viele Urlauber automatisch an Portugal, Spanien, Italien, Türkei oder Griechenland denken, liegt eine außergewöhnliche Alternative weit im Norden Euroopas. Dort verbindet eine Küstenstraße Fjorde, Gletscher, Inseln und helle Nächte miteinander: der Kystriksveien.

650 Kilometer gegen die Eile

Die Route führt von Steinkjer in der Region Trøndelag bis nach Bodø in Nordnorwegen. Rund 650 Kilometer verläuft sie über weite Strecken entlang der Küste. Der landschaftlich besonders eindrucksvolle Teil ist als Norwegische Landschaftsroute Helgelandskysten ausgewiesen.

Auf einer gewöhnlichen Straße wäre die Entfernung schnell bewältigt. Hier bestimmen jedoch Fähren, schmale Küstenabschnitte und spontane Stopps das Tempo.

Die offizielle norwegische Tourismusseite empfiehlt deshalb mindestens fünf bis sieben Tage. Wer lediglich Kilometer sammelt, verpasst den eigentlichen Zauber dieser Strecke.

Ein Berg mit einem natürlichen Fenster

Entlang des Weges tauchen Landschaften auf, die beinahe erfunden wirken. Im Berg Torghatten klafft ein gewaltiges Loch, durch das Tageslicht und Himmel sichtbar werden. Einer alten Sage zufolge entstand es durch einen Pfeil. Geologisch handelt es sich um härteres Gestein, das der eiszeitlichen Erosion widerstand, während weichere Schichten abgetragen wurden.

Weiter nördlich erscheinen die „Sieben Schwestern“: sieben markante Berggipfel, die wie steinerne Wächter über der Helgelandküste stehen. Vor ihnen verteilen sich Tausende Inseln und Schären im Meer.

Plötzlich verläuft eine unsichtbare Grenze über die Straße

Der dramatischste Moment benötigt kein Eingangstor. Nördlich von Mo i Rana überquert die Strecke den Polarkreis.

Ab hier beginnt das Gebiet, in dem die Sonne im Sommer nicht mehr unter den Horizont sinkt.

Ursache ist die Neigung der Erdachse. Im nördlichen Sommer ist die Polarregion der Sonne zugewandt. Dadurch bleibt sie über Wochen sichtbar – vorausgesetzt, Wolken versperren nicht den Blick. Selbst um Mitternacht liegt dann goldenes Licht über Meer, Felsen und Straßen.

Gletscher, Weltkulturerbe und ein tobender Mahlstrom

Auch der Svartisen, Norwegens zweitgrößter Gletscher, liegt an der Route. Vor der Küste bildet das Vega-Archipel mit seiner jahrhundertealten Tradition der Eiderentenhaltung eine UNESCO-Welterbestätte.

Kurz vor Bodø wartet schließlich Saltstraumen. Durch eine schmale Meerenge pressen sich gewaltige Wassermassen und erzeugen einen der stärksten Gezeitenströme der Erde.

Der Kystriksveien ist damit mehr als eine kühlere Alternative zum Mittelmeer. Er ist eine Reise in eine Landschaft, in der Fähren die Geschwindigkeit bestimmen – und die Sonne vergessen zu haben scheint, dass auch ein Sommertag irgendwann enden muss.

Artikelreferenz

Visit Norway. Plan your trip to Kystriksveien.