Österreichischer Fahrplan zu fossiler Unabhängigkeit
Das österreichische Kontext-Institut hat einen sorgfältigen Fahrplan ausgearbeitet mit dem der Erneuerbaren-Ausbau und die Elektrifizierung von Verkehr, Raumwärme und Industrie angeschoben werden soll.

Schon 2022 boomte die Solarkraft in Österreich als Folge der Energiekrise im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg. Die Betriebe des Landes zeigten seinerzeit, dass sie einen sehr viel schnelleren Ausbau schultern können als dies zuvor erwartet wurde.
Es hat nur vier Jahre gedauert, bis die Welt sich erneut aufgrund eines Krieges in einer dramatischen Energiekrise befindet. An dieser Situation wird auch die nun vereinbarte 14-tägige Waffenruhe, nichts Entscheidendes ändern, zumal deren Ausgang bestenfalls ungewiss ist.
Krieg treibt die Preise
Mit dem Angriff der nordamerikanisch/israelischen Allianz USA auf den Iran und die erwartbare Reaktion des Irans mit Angriffen auf die benachbarten Fossilstaaten des Nahen Ostens schossen die Preise für Erdöl und Erdgas in die Höhe.
In Italien endete der Run auf Benzin bereits mit leeren Tankstellen. In den Niederlanden fiel die Erdgasreserve auf das niedrigste Niveau seit vielen Jahren. Russland teilte seinen ausländischen Beziehern von Benzin mit, dass man den Export für den April aussetzen werden. Volkswirtschaftler warnten weltweit vor den verheerenden, weltweiten Folgen des Angriffs auf den Iran.
Ein Staat, der gegen Energiekrisen heute besser gewappnet ist als noch vor wenigen Jahren, ist Spanien. Auch dort gibt es Inflationssorgen und die Abhängigkeit von Flüssiggaslieferungen aus der Golfregion ist nach wie vor hoch. Ob und inwieweit teurere Düngemittel der wichtigen spanischen Landwirtschaft schaden können, steht noch nicht fest. Vorerst dämpft Spaniens massiver Ausbau der erneuerbaren Energien in den vergangenen Jahren die Sorgen um steigende Preise.
Katharina Rogenhofer, Vorständin des österreichischen Kontext-Instituts kommentierte das in der Tageszeitung DER STANARD mit folgenden Worten:
Mit einem sogenannten neuen „Befreiungsplan“, legt das Institut nun eine Dokumentation vor, die zeigt, wie Österreich seine Abhängigkeit von fossilen Importen rasch reduzieren kann.
Österreich habe alle Voraussetzungen, um zu verhindern, dass Öl und Gas weiter unseren Wohlstand zerfressen erklärte Rogenhofer dem STANDARD.
Die Hauptziele des neu ausgearbeiteten Plans, mit denen die Energiewende beschleunigt werden soll, fokussieren sich auf eine möglichst schnelle Ausweitung der erneuerbaren Energieversorgung, verbunden mit einer konsequenten Elektrifizierung von Verkehr, Raumwärme und Industrie.
Schnellerer Ausbau
An erster Stelle auf der Liste des Kontext-Instituts stehen, „ambitionierte und verbindliche“ Ausbauziele für die österreichischen Bundesländer inklusive Sanktionsmöglichkeiten bei Nichteinhaltung. Passend dazu präsentierte die Bundesregierung Österreichs vor kurzem das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz (EABG).
Rogenhofer begrüßte grundsätzlich die Gesetzesvorlage, da sie zum ersten Mal klare Ausbauziele für die Bundesländer enthalte. Allerdings seien diese niedriger angesetzt als notwendig wäre. So ist etwa im österreichischen Netzinfrastrukturplan die Rede von 39 Terawattstunden Ausweitung bis 2030. Dieses Ziel ist im Kontext einer laufenden Energiekrise allerdings zu niedrig angesetzt und müssen nun laut Rogenhofer deutlich erhöht werden.
Grund dafür sei auch eine Aufstockung des Verwaltungspersonals, um Genehmigungsverfahren in Behörden deutlich zu beschleunigen.
Die nächste Empfehlung ist ein Enddatum für Gas- und Ölheizungen im Bestand sowie die Dekarbonisierung der Fernwärme bis 2040. Ein Enddatum war zwar unter der schwarz-grünen Regierung bereits geplant, scheiterte in letzter Sekunde jedoch an der nötigen Zwei-Drittel-Mehrheit im österreichischen Nationalrat.
Anstelle dessen einigte sich die ehemalige Regierung auf hohe Förderbeträge, die aber die aktuelle schwarz-rot-pinke Regierung im Zuge der Budgetsanierung wieder einkürzte.
Die Festsetzung eines gesetzlichen Enddatums für fossile Heizungen sei laut dem Kontext-Institut eine absolute Notwendigkeit. Gleichzeitig zu diesem Enddatum müssten jedoch auch Förderprogramme für die Sanierung, den Heizungstausch und Speicher ausgeweitet werden, so das Institut.
Transformation stützen
Ein sinnvoller Wurf sei der Regierung mit dem Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) gelungen, meint Rogenhofer. Es steckt den rechtlichen Rahmen für den Strommarkt, für die Nachrüstung der Netze und für die Integration erneuerbarer Energien. Die Vorgaben müssten nun konsequent umgesetzt werden.
Budget statt Privileg
Das Institut rät außerdem, die Pendlerpauschale und das Dienstwagenprivileg durch ein Mobilitätsbudget zu ersetzen, mit dem auch Menschen gefördert werden, die Zug, Bus oder Sammeltaxi nutzen.
Derzeit gebe es keinen echten Anreiz, öffentliche Verkehrsmittel zu wählen und beispielsweise nur zur nächsten Bahnstation mit dem Pkw zu fahren, so Rogenhofer im STANDARD. Die Ticketpreise für öffentliche Verkehrsmittel müssten über ein modifiziertes Mobilitätsbudget gesenkt werden, mit dem auch dienstliches Radfahren abgegolten werden könne.
Wichtig sei eine große Offensive, um den Umstieg auf E-Mobilität anzuschieben.
Nach Ansicht des Insituts wäre es auch klug, das Tempo auf Autobahnen zu drosseln. Rogenhofer dazu:
Die Auswirkungen seien beachtlich. Allein die Herabsetzung von Tempo 130 auf 100 auf der Autobahn könne über 20 Prozent an Treibstoff sparen, was der Energieversorgung bei Engpässen enorm helfen könne.
Umschichtung der Finanzmittel
Um die zusätzlichen Ausgaben zu finanzieren, könnten Finanzmittel, die jährlich über den Emissionshandel und den CO2 -Preis eingenommen werden, zweckgewidmet werden. Weitere Milliarden könnte die Ökologisierung der klimaschädlichen Subventionen bringen. Rogenhofer dazu:
Alle Maßnahmen auf der Liste brächten, dem Institut nach, positive konjunkturelle Effekte. Schließlich gebe Österreich im Schnitt jährlich rund zehn Milliarden Euro für Öl- und Gasimporte aus.
sagte die Kontext-Vorständin. Die Ökologisierung sei absolut alternativlos. Natürlich seien viele der Maßnahmen mit Investitionen verbunden. Allerdings lege es klar auf der Hand, dass eine Fortsetzung der Abhängigkeit noch teurer käme.
„Wir sind vergesslich“
Rogenhofer verweist mit dieser Bemerkung auf die Folgen des russischen Angriffs auf die Ukraine im Februar 2022
Schon nach dem Gaspreisschock 2022 stand fest: Erneuerbare machen uns viel resilienter gegenüber geopolitischen Krisen. Aber wir sind vergesslich und diese Erkenntnis ist wieder in den Hintergrund gerückt
Sie hofft, dass diese Schlussfolgerung als notwendige Konsequenz jetzt angekommen ist und die österreichische Regierung nicht nur kurzfristige Maßnahmen beschließt, sondern auch ordnungspolitisch eingreife.
In einem Interview mit dem heute-Magazin am 8.4.2026 nannte die deutsche Wirtschaftsweise Monika Schnizer eine Aufreihung von Optionen, die für deutsche Maßnahmen fast identisch dem entsprachen, was das Kontext-Institut nun für Österreich vorschlug. Zumindest in Deutschland werden aber nach dem Prinzip „Wird schon irgendwie wieder werden“ von der Bundesregierung Vorschläge diskutiert, die genau diametral dem entgegenstehen, was Wirtschaftsforscherinnen und -forscher in der aktuellen Situation für notwendig erachten.
Es ist sehr bedauerlich, dass man in Deutschland die aktuelle Lage, an der sich vermutlich nicht so schnell etwas ändern wird, nicht für ein komplettes Umdenken nutzt. Dessen Ziele würden im Kern, dem entsprechen, was nun das Kontext-Institut in seinem Befreiungsplan für Österreich vorschlägt.
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