Pakistans Sonne federt Folgen des Irankriegs ab
Die Versorgungsprobleme werden die Länder Asiens am stärksten treffen, wobei es Ausnahmen gibt. Pakistan erlebte in den vergangenen zwei Jahren einen regelrechten Solarboom. Das spart dem Land heute Milliarden an fossilen Importen aus der Golfregion.

Die Blockade der Straße von Hormus ist weltweit spürbar. Der darauffolgende Preisschock für Erdöl und Ergas bringt die Märkte der Welt zum Beben. Asien treffen die Erhöhungen in besonderem Maße, denn ein großer Teil seiner Energieimporte muss durch die Meerenge von Hormus verschifft werden.
Ein Staat, der früher in größte Schwierigkeiten geraten wäre, konnte den Schock zumindest teilweise abfedern, und zwar Pakistan.
Das Land mit seinen 240 Millionen Einwohnern war noch 2024 das weltweit drittabhängigste Land von Flüssiggaslieferungen (LNG) durch die nun vom Iran gesperrte Straße von Hormus.
Bei Erdöl belegte es den fünften Platz.
Seinerzeit hätte eine Sperre der Straße von Hormus sofort eine große Krise in Pakistans Energiesystem ausgelöst. Mittlerweile hat sich jedoch die Energieabhängigkeit Pakistans stark verändert.
Solarboom - auch in Pakistan
Das Land erlebte in den vergangenen Jahren einen wahren Solarboom, wie ein neuer Bericht der Forschungsorganisation Centre for Research on Energy and Clean Air“ (CREA) und des Thinktanks Renewables First zeigt.
Dis führte dazu, das Pakistan bis Februar 2026 Erdöl- und Gasimporte im Wert von mehr als zwölf Milliarden Dollar vermieden hat, die ansonsten nötig gewesen wären, um den Energieverbrauch zu decken.
Und der Solarausbau geht weiter. Dies könnte dazu führen, dass Pakistan durch seinen weiteren Solarausbau bis zum Jahresende eine weitere hohe einstellige Summe einspart.
Vielfältigkeit bei Ausbau
Aufgrund der vielen neuen Solarpaneele auf den Dächern von Häusern und Fabriken sowie in landwirtschaftlichen Betrieben ist der Verbrauch von Flüssiggas in Pakistan enorm gesunken.
Rabia Barbar, Datenmanagerin von Renewables First in Pakistan erklärte dazu
Wegen des starken Rückgangs des Gasverbrauchs war Pakistan mit überschüssigen Gasimporten konfrontiert und musste sogar LNG-Lieferverträge nachverhandeln, um die vereinbarten Liefermengen nach unten zu korrigieren. Dies wäre, so Barbar, ohne den Rückgang in der Nachfrage, den die Solarenergie bewirkt hat, nicht möglich gewesen. Die Solarpaneele häötten sich als eine der wirkungsvollsten Energie-Sicherheitsstrategien des Landes erwiesen.
Teure Gaskraftwerke
Die Erfolgsgeschichte des pakistanischen Solarausbaus ist allerdings nicht nur das Ergebnis von kluger Energiepolitik. Vielmehr steckt zusätzlich die Entwicklung teurer Strompreise dahinter. In den 2010er Jahren baute Pakistan neue Gaskraftwerke. Dies führte dazu, dass die Stromtarife innerhalb von nur drei Jahren um 155 Prozent anstiegen.
In den vergangenen Jahren fluteten günstige chinesische Solarpaneele den Markt. Zusätzlich beschädigten die verheerenden Überschwemmungen 2022 die Netzinfrastruktur, so dass man am Ende aus der Not eine Tugend machte.
Immer mehr Menschen montierten Solaranlagen auf ihren Dächern. Lag die Leistung importierter Solarpaneele 2018 noch bei einem Gigawatt, stieg sie bis Anfang 2026 auf über 51 Gigawatt.
Wegfall von Zöllen für Solarpaneele
Eine große Unterstützung erfuhr der Ausbau durch die Null-Zoll-Politik der pakistanischen Regierung. Zumindest bis Mitte 2025 verlangte das Land keinerlei Aufschläge für den Import chinesischer Solarpaneele. Seit Mitte 2025 hat sich das allerdings geändert, da die Anforderungen des Internationalen Währungsfonds von Pakistan wieder Einfuhrzölle vorschreiben, um das Schuldendefizit des Landes zu reduzieren.
Dennoch setzt sich der rasante Ausbau fort. Im Vergleich zahle sich die Investition für Kundinnen und Kunden weiterhin sehr deutlich aus, so Barbar. Auch der pakistanische Arbeitsmarkt hat davon profitiert, denn im Solarbereich entstanden ca. 500.000 neue Arbeitsplätze.
Vier-Tage-Woche
Unabhängig von seiner regenerativen Energiepolitik bereitet sich das Land auf schwierige Zeiten vor. Der Solarausbau würde zwar die Konsequenzen des Kriegs in Nahost etwas abfedern und die wirtschaftlichen Effekte von Versorgungsengpässen reduzieren, aber das Land sei, so Barbar, jedoch noch nicht völlig von solchen Schocks abgeschirmt.
Um der Verknappung von Öl und Gas gegenzusteuern - und Treibstoff zu sparen, beschloss die Regierung Notmaßnahmen. Die Schulen werden für zwei Wochen geschlossen. Ferner führte mabn eine Vier-Tage-Woche im öffentlichen Sektor ein.
Uni-Kurse werden online abgehalten und Arbeitende aufgefordert, möglichst viel im Homeoffice zu bleiben. Auch diese Option wird durch den Solarboom ermöglicht, da viel mehr Menschen zu Hause eine verlässliche Stromquelle haben, berichten CREA und Renewables First.
Die großen Abhängigkeiten des Landes von Erdöl- und Erdgaslieferungen bestehen vor allen Dingen im Transportwesen und in der Landwirtschaft. Dort werden zwar viele Bewässerungssysteme mit Solarkraft betrieben.
Für die Herstellung von Stickstoffdüngern ist das Land aber weiterhin stark auf Flüssiggaslieferungen angewiesen. Einer der größten Düngemittelhersteller in Pakistan musste seinen Betrieb bereits einstellen. Der Preis für Harnstoff stieg um mehr als 40 Prozent. Fachleute warnen vor weitreichenden Ernteeinbußen und steigenden Lebensmittelpreisen.
Kein Gas zum Kochen
Auch andere asiatische Staaten sind von der Verknappung von Öl und Gas stark betroffen. In Sri Lanka wurden Unternehmen aufgefordert, ihre Betriebe zu schließen, um Treibstoffe zu sparen. Die Regierung in Bangladesch ließ das Militär intervenieren, da es wegen Benzinengpässen bereits zu Ausschreitungen gekommen war. In Indien und Nepal wurde der Bezug von Gaslieferungen zum Kochen rationiert.
Öl und Gas fehlen also in diesen Ländern an allen Ecken und Enden – dazu kommen weitere Gründe, warum Schwellenländer besonders stark unter der Krise leiden.
Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) weist darauf hin, dass sich die Folgen von teurerer Energie und Düngemitteln demnächst stark niederschlagen könnten.
Auch weist die EBRD darauf hin, dass Rücküberweisungen von Arbeitsmigranten aus den Golfstaaten in ihre Heimatländer nachlassen könnten. In etlichen Ländern fördern diese den Konsum und Investitionen, indem sie Familien und kleine Betriebe die notwendigen Finanzmittel gäben.
Selbst ein Solarboom wie in Pakistan kann also nur einen Teil der Probleme abfedern.