Ein Zentrum der Meereserwärmung: der Golf von Mexiko
Ab dem Jahr 2012 begann im Golf von Mexiko ein drastischer Anstieg der Wassertemperatur. Grundsätzlich sorgt der Klimawandel für eine weltweite Erwärmung der Ozeane. Nun erwärmte sich der Golf von Mexiko doppelt so schnell als die globalen restlichen Weltmeere.

Der Trend nach oben bei den Wassertemperaturen folgte einem generellen Anstieg in den 2020er-Jahren. Die Meeresoberflächentemperaturen erreichten sowohl 2024 als auch 2025 bereits Rekordhöhen.
Was genau könnten die Folgen dieser Erwärmung sein?
Verstärkung von Hurrikanen im Golfgebiet
Meteorologen des Yale Center for Environmental Communication befürchten vor allen Dingen eine enorme Auswirkung auf die Entstehung von Hurrikanen im Golf von Mexico. Dies wird in erster Linie die Menschen betreffen, die an seinen Küsten und auf den Inseln des Golfs leben.
Hurrikane wirken wie riesige Energieanlagen. Sie nehmen die Wärmeenergie aus dem Ozean auf und wandeln einen Großteil davon in die kinetische Energie von Wind um.
Die maximale Intensität, die ein Hurrikan erreichen kann, steigt um etwa 5-7% pro Grad Celsius der Meeresoberflächentemperaturanstieg an.
Der Anstieg von etwa einem halben Grad pro Jahrzehnt bei den Wassertemperaturen im Golf seit 2012 könnte also zu einem Windanstieg der stärksten Hurrikane um 3% pro Jahrzehnt führen.
Da stärkere Winde mehr Zerstörung verursachen, entspricht dies einer Erhöhung der Hurrikanschäden pro Jahrzehnt um etwa 30% für diese stärksten Stürme.
Wenn ein Hurrikan ein flaches Gebiet mit warmen Ozeanwasser durchquert, wälzen seine starken Winde normalweise kaltes Wasser aus der Tiefe, kühlen damit die Oberfläche und bremsen die Verschärfung des Sturms.
Wenn sich aber ungewöhnlich warmes Ozeanwasser 100 Meter oder mehr unter der Oberfläche erstreckt, fördern die Winde des Hurrikans noch mehr Wärmenergie. Dieser Effekt ermöglicht eine gefährliche und dynamische Intensivierung der Stürme. Ein Beispiel für dieses Phänomen war der Hurrikan Helene an, der im Jahr 2024 Florida traf.
Warum sind die Meeresoberflächentemperaturen im Golf von Mexiko so schnell gestiegen? Werden die Temperaturen weiter steigen?
Globale Erwärmung und Veränderungen der Meeresströmung
Die Ursache für den Erwärmungstrend des Golfs ist nicht nur der Klimawandel, sondern auch das Verhalten eines breiten Wasserbandes namens Loop Current.
Diese Meeresströmung transportiert warmes Wasser aus der Karibik durch den Yucatan-Kanal zwischen Kuba und Mexiko nordwärts in den Golf von Mexiko. Er verläuft dann als Florida Current in einer Schleife südöstlich der Florida Keys und danach westlich der Bahamas. Dort fließen die Gewässer des Loop Current entlang der US-Küste nach Norden und werden zum Golfstrom.
Mit Geschwindigkeiten von etwa 1,8 mph (0,8 m/s) ist der Loop Current eine der schnellsten Strömungen im Atlantik. Im Sommer und Herbst kann sein tiefes, warmes Wasser eine riesige Energiequelle liefern und damit die großen Hurrikane schnell verstärken.
Der Loop Current pulsiert regelmäßig und verströmt alle sechs bis elf Monate große Wassserwirbel. Wenn ein solcher „Loop Current-Eddy“ im Golf von Mexiko auf dem Höhepunkt der Hurrikansaison entsteht, verleiht er jedem vorbeiziehenden Hurrikan eine hohe Energiemenge.

Eine Studie aus dem Jahr 2024, fand heraus, dass Loop Current-Wirbel in den letzten Jahren größer geworden sind. Ich habe diese Studie am Ende dieses Artikels verlinkt.
Die Studie belegt eine Intensivierung der verwirbelten Oberfläche im Vergleich zu früheren Jahrzehnten um etwa 50 %. Infolgedessen transportieren sie mehr warmes Wasser in den Golf und erhöhen sowohl die Meeresoberflächentemperaturen und den Meeresspiegel.
Damit erklärt sich der Temperaturanstieg.
Warum aber werden die Wirbel größer?
Eine weitere Studie aus dem Jahr 2023 erläuterte, dass das riesige, sich im Uhrzeigersinn drehende Meeresströmungssystem, das den größten Teil des Nordatlantiks umfasst auf den subtropischen Nordatlantikkreis ausgeweitet hatte. Dies führte dazu, dass die schleifenförmig verlaufende Wasserströmung mehr warmes Wasser in den Golf von Mexiko transportierte.
Die Studienautoren kamen zu dem Schluss, dass etwa 40% dieser Verschiebung vom Klimawandel ausgelöst wurden und etwa geschätzte 60% als natürliche Variabilität gelten.
Die Autoren der Studie prognostizierten, dass dieser Ausweitungseffekt innerhalb des nächsten Jahrzehnts nachlassen werde. Dies würde die Menge an warmem Wasser, dass in den Golf vom Mexiko transportiert wird, reduzieren.
Sollte die Prognose zutreffen, wird die Temperatur des Wassers im Golf von Mexiko sich der Temperatur des globalen durchschnittlichen Anstiegs annähern.
Eine Verschiebung der Temperaturen nach dem Super El Niño 2015/16?
Ein Teil des dramatischen Anstiegs der Meeresoberflächentemperaturen seit 2016 könnte jedoch auch von einem "Super-El Niño" -Ereignis in den Jahren 2015-16 stammen. Drei „Super-El Niño“-Ereignisse von ungefähr gleicher Stärke ereigneten sich in den Jahren 1982-83, 1997-98 und 2015-16.
Eine aktuelle Studie aus dem Jahr 2026 belegt, dass "Super-El Niño" -Ereignisse die Verschiebungen der Klimaentwicklung unter den verstärkten Risiken durch die globale Erwärmung antreiben.
Dies könnte erklären, warum nach dem Super El Niño 2015/16 die Erwärmung des Meerwassers im Golf ab 2016/17 so dynamisch zunahm. In den letzten zehn Wintermonaten lagen die Wasseroberflächentemperaturen am Golf im Durchschnitt 0,8 Grad Celsius über dem Normalwert. In den zehn Jahren davor lagen sie dagegen nur 0,2 Grad Celsius über dem Normalwert.
Die Autoren vermuten, dass schnell verstärkende Hurrikane ebenfalls zu dieser Verschiebung beigetragen haben könnten.
Es bleibt abzuwarten, ob der sich in diesem Jahr entwickelnde El Niño – der mit den drei genannten „Super-El Niño"-Ereignissen auf einer Intensitätsebene sein könnte – einen eigenen Temperatur-Zunahme-Zyklus am Golf auslösen könnte.
Fazit
Der Golf von Mexiko und die Auslöser seiner großen Tropenstürme liefern durchaus auch Parallelen für Sturm-und Starkgenszenarien in Europa. Die dahinterliegende Systematik zwischen Wassererwärmung, der Verlangsamung von Windströmungen und der zunehmenden Dynamik von Starkregen und Starkwinden spielten in den vergangenen Jahren auch im Mittelmeerraum eine Rolle.
Die Rekordtemperaturen des Mittelmeers 2024 und 2025 haben zu hoher Verdunstung geführt. Die Wolkenbildung hatte sich intensiviert und die kinetische Energie verstärkte Tiefdruckgebiete und Stürme.
In Mitteleuropa kämpften Österreich, Tschechien, Polen, Rumänien und Teile Süddeutschlands mit Starkregen. Ende 2024 kam es zu der Starkregenkatastrophe in der Region Valencia. Im vergangenen Jahr litt besonders Italien von den Starkregenfolgen aufgrund der Erwärmung der Wassertemperaturen im Mittelmeer.
Insofern finden die genannten Studien auch in Europa Beachtung.
Quellenhinweise:
Loop Current Eddies as a Possible Cause of the Rapid Sea Level Rise in the Gulf of Mexico
Super El Niño events drive climate regime shifts with enhanced risks under global warming
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