Luxusjachten - eine weitere Klimasünde der Superreichen
Nach meinem Artikel zu den Privatjets bietet es sich an, ein weiteres Luxusgut mit klimaschädlicher Wirkung zu betrachten. Die meisten von uns kennen Superjachten nur von einem Spaziergang an Strandpromenaden berühmter Städte und Badeorte.

Einer dieser Orte ist der italienische Badeort Viareggio in der Toskana. Allerdings sind die Jachten, die man dort besichtigen kann, nicht komplett in Betrieb, sondern oft noch im Bau.
Viareggio ist für potenzielle Besitzer von Luxusjachten das Eldorado. Eine Vielzahl von Werften erfreut die Fantasie und das Auge der wohlhabenden Kundschaft.
Die 70 000-Einwohnerstadt im nördlichen Teil der Toskana gilt als Welthauptstadt der Superjachten mit mehr als 30 Metern Länge.
Lohnende Investitionen
Am 15. Juni 2026 begrüßte Invest in Tuscany eine Delegation italienischer und internationaler Journalisten für eine exklusive Pressetour.
Die Zahlen der Branche sind beeindruckend. Die Verkäufe sind global. Die Jachten aus Viareggio sind keine Marktnische, sondern gelten als strategische industrielle Säule Italien.
4.500 Unternehmen produzieren entlang der gesamten östlichen und westlichen Küstenlinie, wobei allein 900 von ihnen im Gebiet Viareggio ansässig sind.
Die Branche bietet 2.000 Menschen einen Arbeitsplatz und erzielt einen Jahresumsatz von 4 Mrd. Euro. Damit stellt sie 21,2% der gesamten italienischen nautischen Exporte. 98% der Produktion ist für internationale Käufer bestimmt.
Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate lag in den letzten vier Jahren über 20 Prozent
Weltweit kommen 40 Prozent der Luxusjachten mit mehr als 30 Metern Länge aus Italien. Nur im Segment einer Schiffslänge von über 80 Metern dominieren niederländische und deutsche Werften, wie z.B. die Lürssen-Werft.
Branche ohne Limit?
Für Pietro Angelini, den Generaldirektor von Navigo, der Vereinigung der Jachtenbranche in der Toskana, ist sein Einzugsgebiet das „Herz des weltweiten nautischen Markts“, wie er dem italienischen Messaggero Marittimo in einem Interview sagte.
Die Perspektiven seien aus seiner Sicht hervorragend, denn die Zahl der Superreichen in der Welt wachse permanent. Auch werden die Kunden immer jünger, was wie bei den Privatjets die Entwicklung der Tech-Branche widerspiegelt.
Laut Daten von Boat International wurden im Jahr 2022 weltweit 1024 Superyachten gebaut oder bestellt, was einen Anstieg von 25% gegenüber 2021 entsprach. Die Zahl stieg 2023 auf 1203 und lag im Jahr 2024 bei 1138 Jachten, wobei der Trend zu größeren Schiffen zunahm.
Anfang 2024 umfasste nach einem BBC-Bericht die globale Flotte 5787 aktive Superjachten über 30 m Schiffslänge.
Die privaten Luxusschiffe, die 350 Quadratmeter und mehr an Wohnraum bieten, sind teilweise mit zweistöckigen Pools, mehreren Terrassen, versenkbaren Tanzböden und manchmal sogar mit Hubschrauberlandeplätzen ausgestattet.

Die Bau- und damit die Lieferzeiten einer Jacht liegen zwischen zwei bis fünf Jahren und hängen vom Individualisierungsgrad ab. Die Hersteller könnten mehr Schiffe verkaufen, betreiben aber ähnlich wie Ferrari oder Lamborghini eine bewusste Verknappung, um die Exklusivität zu wahren.
Ein Beispiel: Overmarine, ein Familienunternehmen mit mehr als 200 Millionen Euro Jahresumsatz und einem Orderbuch von 430 Millionen Euro, will laut Victoria Balducci, CEO und Executive Präsidentin der Gruppe, nicht mehr als zwölf Schiffe pro Jahr ausliefern.
Hohe Betriebskosten sind kein Hinderungsgrund
Für den Betrieb der Superjachten ist es mit dem Kauf noch längst nicht getan. Die Plätze im Hafen, die Kosten für Mannschaften von zehn Personen oder mehr und die Wartung und Reparaturen liegen im sechsstelligen Bereich pro Jahr.
Allein eine Tankfüllung mit dem speziellen Dieselkraftstoff für derartige Schiffe mit über 60.000 oder sogar über 100.000 Litern kostet ein Vermögen.
Die meisten Superyachten über 30 bis 150 Meter Schiffslänge nutzen als Treibstoff Marine Gas Oil (MGO), ein hochwertiger, schwefelarmer Dieselkraftstoff. Gegenüber klassischem Diesel-Treibstoff hat MGO eine hohe Energiedichte und gilt als sehr zuverlässig für lange Reisen.
Aktuell gebaute Schiffe ergänzen ihn zunehmend durch Hybridtechnik oder – in wenigen Einzelfällen – durch LNG. Dadurch sparen sie Kraftstoff, reduzieren Emissionen und können in Häfen nahezu geräuschlos fahren.
Aktuelle Studie zu Klimafolgen der Superjachten
Die am Ende dieses Artikels verlinkte Studie beinhaltet auch die Schiffsemissionen von Superjachten.
Das Problem der Meeresverschmutzung und der Treibhausgasemissionen durch Superjachten wird darin im Vergleich zu Kreuzfahrtschiffen als deutlich ausgeprägter bezeichnet. Die Milliardäre kümmert das, wie auch im Falle der Privatjets, herzlich wenig.
Die weißen Luxusschiffe verbrauchen erhebliche Mengen an MGO und setzen Kohlendioxid (CO2), Stickoxide (NOx) und Schwefeloxide (SOx) frei. All diese Stoffe tragen zum Klimawandel, zur Luftverschmutzung und zum sauren Regen bei.
Der Sektor der Freizeitschiffe, einschließlich aller Jachten, emittiert jährlich rund 16 Millionen Tonnen CO2, was etwa 0,05% der globalen Emissionen entspricht.
Wenig überraschend sind die Superjachten extrem kraftstoffintensiv. Je nach Geschwindigkeit und Schiffslänge verbrauchen Mega-Jachten 300, 500, 1.000 und mehr Liter MGO pro Stunde, was zu einem unverhältnismäßig großen CO2-Fußabdruck führt.
Nach der Studie werden ihre Umweltauswirkungen dadurch weiter verstärkt, indem sie oft als schwimmende Hotels mit Bordgeneratoren betrieben werden. So wird auch an den Liegeplätzen noch CO2 emittiert.
Allein die jährlichen Emissionen der 300 größten Superjachten der Welt werden auf fast 285.000 Tonnen CO2 geschätzt.
Preise MGO zu PKW-Diesel
Es ist nur über Umrechnungen möglich, die Preisdifferenz zwischen MGO und herkömmlichem PKW-/LKW-Diesel zu ermittelnt. Derzeit wird KFZ-Diesel an den Tankstellen für ca. 2,15€ bis 2,25€ je Liter verkauft. Ihr notweniges MGO erhalten die Schiffseigner der Superjachten deutlich günstiger, da sie den Kraftstoff zu so genannten „Bunker-Preisen“ beziehen, also in sehr großen Mengen.
Auch die Abgabesituation ist unterschiedlich. Der „Straßendiesel“ enthält Energiesteuer, CO2-Preis, Mehrwertsteuer sowie Vertriebs- und Tankstellenkosten.
MGO wird zoll- und steuerlich anders behandelt. Im Liter-Preis ist MGO auf alle Fälle sehr deutlich günstiger. Ich habe Bunker-Preise zwischen 1.100 und 1.400 Euro/je 1.000 Liter gefunden, was dann einem Liter-Preis von 1,10€ und 1,40€ entspricht.
Auch hier: Fakten - und keine Neiddebatte
Wie auch bei meinem Artikel zu den Privatjets geht es mir bei dieser Betrachtung nicht um eine Neiddebatte. Die Reichen wurden und werden durch uns und unser Konsum- und Freizeitverhalten zu dem, was sie sind. Sie sollen, dürfen und können dieses verdiente Geld so ausgeben, wie sie das für richtig erachten.
Ein großes "Aber"!!
Meine dringende Forderung zielt auf einen angemessenen Ausgleich zur Klimawirkung bei der Nutzung von Superjachten. Ein Klimaaufschlag beim Kauf wäre die erste Option, z.B. 1.000€ je Meter Schiffslänge.
Als zweite Option sollte der Preis von MGO für den Jachtbetrieb dem Preis des „Straßendiesels“ im jeweiligen Land der Bunker-Betankung gleichgestellt werden.
Diese Aufschläge zu den heutigen Kosten sollten dazu verwendet werden, dass sie über die Weltbank an ärmere Länder für den Schutz gegen die Klimafolgen ausbezahlt werden.
Auch diese Forderung basiert auf einem anderen Ansatz für Gerechtigkeit beim Thema Klimawandel.
Artikelreferenz
Saša Markov, Nikola Petrović, Dragan Marinković, Boban Nikolić and Nikola Komatina. (2026). Environmental Assessment of Cruise Ships and Superyachts with Multi-Criteria Evaluation of Marine Fuels.
Francesca Marchese (BBC). (2025). Why the world's superyachts are getting bigger and bigger.
Invest in Tuscany. (2026). Tuscany Yachtbuilding: A World Leader in Superyacht Manufacturing Opens Its Doors to the International Press.