Deutschlands Flüsse erreichen historische Tiefstände – weltweit spitzt sich die Wasserkrise zu: Die WMO schlägt Alarm
Alle deutschen Stromgebiete sind von Niedrigwasser betroffen. An Rhein, Donau und Elbe werden niedrigste bekannte Wasserstände erreicht oder unterschritten. Doch Deutschland ist nur ein winziger Teil einer globalen Krise aus schwindenden Wasserreserven, Dürren und verheerenden Überschwemmungen.
Symbolbild: Niedrigwasser am Rhein bei Kaub. Sinkende Pegel lassen Felsen und Uferflächen hervortreten und können Schifffahrt, Wirtschaft und Ökosysteme belasten.
Felsen ragen aus dem Rhein, breite Kiesbänke treten hervor und das Fahrwasser wird immer schmaler. Die Bilder zeigen, wie dramatisch sich die Niedrigwasserlage in Deutschland entwickelt hat. Doch obwohl die Folgen unübersehbar sind, findet das Thema bislang kaum die öffentliche Aufmerksamkeit, die seiner Tragweite angemessen wäre.
Am 13. August 2026 veröffentlichte die Bundesanstalt für Gewässerkunde ihren Bericht unter der alarmierenden Überschrift: „Wasserstände an wichtigen Pegeln unterschreiten niedrigste bekannte Werte“. Nach Angaben der Behörde waren alle deutschen Stromgebiete von Niedrigwasser betroffen.
Über weite Strecken des Rheins sowie an Donau und Elbe wurden die niedrigsten bekannten Wasserstände erreicht oder sogar unterschritten. Diese als NNW bezeichneten Werte markieren den niedrigsten Wasserstand, der an einem bestimmten Pegel bislang bekannt ist. Hierbei handelt es sich nicht um ein gewöhnliches saisonales Niedrigwasser, sondern um eine außergewöhnliche hydrologische Situation.
Globale Krise die sich auch in Deutschland zeigt- und trotzdem schaut keiner hin
So dramatisch die Lage an Rhein, Donau und Elbe ist: Deutschland bildet lediglich einen kleinen Ausschnitt einer globalen Entwicklung. Der neue Bericht der Weltorganisation für Meteorologie zeigt, dass der gesamte Wasserkreislauf immer stärker aus dem Gleichgewicht gerät:
Das Jahr 2025 gehörte beim globalen Abfluss der Flüsse zu den trockensten Jahren seit 35 Jahren.
Auf 36 Prozent der weltweiten Einzugsgebietsfläche lagen die Abflussmengen unter dem langjährigen Normalwert.
Seit sieben Jahren befindet sich nur noch eine Minderheit der untersuchten Flusseinzugsgebiete im normalen Bereich.
Besonders häufig traten zu geringe Abflüsse in Teilen des Amazonas- und Río-de-la-Plata-Gebiets, in Nordamerika, Zentral- und Ostafrika, Zentralasien sowie im Nahen Osten auf.
Das Wassersparkonto der Erde leert sich
Die Krise betrifft nicht nur die sichtbaren Wasserstände der Flüsse. Auch die langfristigen Reserven in Grundwasser, Seen, Böden, Schnee und Eis schwinden. Diese Vorräte funktionieren wie ein Sparkonto: Sie können Trockenperioden abfedern und verhindern, dass jedes niederschlagsarme Jahr unmittelbar in einer Wasserkrise endet.
Wenn das Wassersparkonto der Erde leerer wird: Vertrocknete Sonnenblumen zeigen, wie schnell aus fehlendem Regen eine Bedrohung für Landwirtschaft und Ernährung werden kann.
FWMO-Generalsekretärin Celeste Saulo warnt:
„Wir zehren dieses Sparkonto auf. Die globalen Wasservorräte an Land zeigen seit 2014 bis 2016 einen rückläufigen Trend – ein anhaltendes Signal, das inzwischen seit einem Jahrzehnt besteht. Im vierten Jahr in Folge hat jede große Gletscherregion der Erde Eismasse verloren. Beim Grundwasser zeigt sich ein ähnliches Bild: Fast zwei Drittel der weltweit überwachten Brunnen wiesen 2025 Werte außerhalb der historischen Norm auf. Gegenüber 2024 verschob sich die Bilanz weiter in Richtung Defizit und nicht in Richtung Erholung.“
Und außerdem wird sie in der Pressemitteilung wie folgt zitiert:
"Gleichzeitig erleben wir mehr wasserbedingte Katastrophen. Der sich verstärkende El Niño wird in einigen Regionen das Dürrerisiko und in anderen die Gefahr von Überschwemmungen erhöhen."
2025 was one of the driest years for rivers globally in 35 years. Over 36% of global basin areas experienced below-normal flows. Our declining freshwater storage poses serious risks.
Auch die gefrorenen Wasservorräte schrumpfen in erschreckendem Tempo. Im vierten Jahr in Folge verloren sämtliche großen Gletscherregionen der Erde Eismasse.
Zwischen 2023 und 2025 summierte sich der Verlust auf rund 1.400 Gigatonnen – eine Wassermenge, mit der sich ungefähr 560 Millionen olympische Schwimmbecken füllen ließen.
Gleichzeitig schwankt der globale Wasserkreislauf immer heftiger zwischen extremer Trockenheit und verheerenden Überschwemmungen. Die historischen Tiefstände an deutschen Flüssen sind deshalb kein isoliertes Ereignis. Sie sind ein sichtbares Warnsignal einer globalen Wasserkrise, die längst begonnen hat.