Ladebordsteine - für eine verbesserte Ladeinfrastruktur

Wie und vor allen Dingen wo lädt man das E-Auto in engen Innenstädten? Die Installation von Ladesäulen ist teuer. Der Platz ist beengt. Laden an der eigenen Steckdose ist nicht erlaubt, wenn das Stromkabel dafür über den Bürgersteig verläuft. Das Laden von Elektroautos in städtischer Umgebung kann herausfordernd sein.

Bordsteinladen in Düsseldorf - ein Experiment mit Zukunft
Bordsteinladen in Düsseldorf - ein Experiment mit Zukunft

E-Autofahrer in Bamberg können ab sofort ihr Auto direkt am Bordstein laden. Die Stadt testet seit kurzem ein neues Ladesystem für E-Autos, und zwar Ladebordsteine. Die Vorteile liegen auf der Hand. Versenkte Ladebuchsen sind platzsparend, unauffällig und robust. Das mühsame Einparken an den Ladesäulen entfällt.

Die Weltkulturerbe-Stadt Bamberg hat sich damit einem Test eines neues Ladesystems angeschlossen, dass seine Premiere in einigen Großstädten in Nordrhein-Westfalen hatte.

Neue Technik aus NRW

Die neue Ladetechnik ist ein „Made in Germany“-Produkt und wurde von der Firma Rheinmetall entwickelt. Das Laden an der Bordsteinkante funktioniert genauso wie eine Ladesäule. Der große Unterschied: das Kabel muss zum Aufladen nicht in eine Säule, sondern in den Ladepunkt am Boden eingesteckt werden.

Rheinmetall hat ein System erfunden, dass gerade für die Enge in den Großstädten viele Vorteile bietet.

Nachdem der Hersteller erste Ladebordsteine in Düsseldorf, Dortmund und Köln getestet hat, will er nun weitere, vor allem historische Städte damit ausstatten. Genau deshalb viel die Entscheidung auch für Bamberg als nächste „Teststadt“.

Jan Giersberg von den Stadtwerken Bamberg erklärte dazu bei BR24:

Wir sind hier in der Weltkulturerbestadt. Da passen die großen, weißen, klobigen Ladesäulen einfach nicht rein. Die stören das Bild."

Attraktives Angebot

Bordsteinladestellen sind im Stadtbild kaum wahrnehmbar. Dadurch können sie sich gerade in einer historischen Altstadt wie Bamberg stadtgestalterisch gut integrieren. Allerdings ist das auch ein zumindest kleiner Schwachpunkt des Systems, denn die Ladepunkte im Bordstein können auch leicht übersehen werden.

Während der Ladezeit ist in Bamberg das Parken bis zu zwei Stunden kostenlos.

Ist der Testbetrieb erfolgreich, könnten die Bordsteinladestationen dort zum Einsatz kommen, wo der Einsatz klassischer Ladesäulen an Platz, Gestaltung oder baulichen Vorgaben scheitert

so die Stadtwerke Bamberg bei BR24.

Anschaffungskosten (noch) höher

Ein kleiner Nachteil ist die Tatsache, dass zumindest noch im Moment die Anschaffungskosten höher sind als bei den klassischen Ladesäulen. Der Hersteller erwartet bei zunehmender Nachfrage aus positive Skaleneffekte, die zu einer Kostenreduzierung des Systems führen könnten.

Bereits heute können die höheren Kosten dadurch kompensiert werden, dass die Bordsteinlösung weniger anfällig für Störungen ist. Wichtig ist auch, dass vor allem Vandalismusschäden vermieden werden.

Auch die Wartung sei nach Aussagen des Herstellers deutlich einfacher als bei einer Ladesäule.

Edelstahlmodul statt Ladesäule

Der Ladebordstein ist einen Meter lang. Er sieht auf den ersten Blick genauso aus, wie ein normaler Bordstein. Bei genauerem Hinsehen entdeckt man, dass in dem Segment ein Edelstahlmodul mit Lade-Steckdose, Kartenlesegerät und Kontrolldisplay eingebaut ist.

Wie bei einer Ladesäule funktioniert das Ab- und Anmelden per RFID-Ladekarte oder mit einer App. Bei Beschädigung kann das Modul sehr einfach ausgetauscht werden.

Die beiden neuen Bordsteinladestationen ermöglichen Wechselstromladen (AC) bis zu 22 kWh.

Feldversuche und Meinungen

Bei den ersten Test-Ladebordsteinen in Köln-Lindenthal wurde 2.800 Ladevorgänge mit einer Zuverlässigkeit von 99 Prozent durchgeführt. Rheinmetall hat nach einem Bericht von AutoBILD am Ende eines einjährigen Feldversuchs in Köln viele Kunden befragt, die den Ladebordstein für ihr E-Auto nutzten. Das Stimmungsbild nach dieser Umfrage war positiv.

Gelobt wurden Platzersparnis, weniger Vandalismus und einfache Nutzbarkeit. Der einzige Kritikpunkt war die Sichtbarkeit: Ladesäulen sieht man zumeist schon von Weitem. Den unauffälligen Ladebordstein hingegen mussten Kunden oft suchen.

Probleme mit Schmutz oder Hinterlassenschaften von Hunden hab es laut der Befragung nicht. Das liegt auch an der ausgeklügelten Abdeckung des Ladesystems. Ist es für das Laden freigegeben, also entsperrt, lässt sie sich mit dem Typ-2-Stecker des Elektroauto-Ladekabels aufschieben, ohne dass mit der Hand den Ladebordstein berührt wird.

Einzelne Kunden hielten die Beleuchtung für unzureichend. Doch letztendlich fand in beiden Punkten die große Mehrheit der Befragten die Ladebordsteine "befriedigend", "gut" oder sogar "sehr gut".

Wie funktioniert das System bei Regen?

Die Ladeelektronik ist innerhalb des Bauteils komplett wasserdicht verbaut. So können weder Regenwasser noch Wasser aus Schneeschmelze in die sensiblen Bereiche vordringen, was ein störungsfreies Laden ermöglicht.

Das System verfügt auch über einen Wasserstandssensor. Sollte durch ein außergewöhnliches Ereignis, zum Beispiel Überschwemmung, der Ladebordstein unter Wasser liegen, alarmiert der Sensor die Ladeelektronik. Dann wird der Ladevorgang unterbrochen, anschließend schaltet ein integrierter FI-Schutzschalter den gesamten Ladebordstein stromlos.

Zusatznutzen Wohngebiete

Ein weiterer Vorteil des Ladebordsteins könnte ihn zur perfekten Lösung für Wohngebiete machen, bei denen zwischen Stromleitung und Straße ein Bürgersteig liegt. Es ist wenig bekannt, dass das zeitweise Verlegen eines Ladekabel quer über den Fußgängerweg nicht erlaubt ist.

Mit der im Bordstein integrierten Ladestation besteht eine sehr gute Lademöglichkeit für Mieter in Mehrfamilienhäusern oder Eigenheimbesitzer ohne Stellplatz auf dem eigenen Grundstück.

Mehrere Alternativen sind schon auf dem Markt

In den Niederlanden sind in den Innenstädten kleine Wallboxen an Laternenmasten zu finden, die ebenfalls weniger auffällig sind. Großbritannien bietet das System von UrbanFox Lademöglichkeiten an der Bordsteinkante mit einer versenkbaren Ladesäule.

urbanFox - ein Bordstein-Ladesystem aus Großbritannien
urbanFox - ein Bordstein-Ladesystem aus Großbritannien

Bamberg hat sich neben dem Bordsteinladen zu einer weiteren, neuen Variante entschieden. In Granitstelen verbaute Ladestationen sollen sich ebenfalls in der historischen Innenstadt stadtgestalterisch einpassen.

Die Altrernative wurde von einem örtlichen Natursteinwerk in Bamberg entwickelt. Die Technik der Ladeeinheit kommt ebenfalls vom einem ortsansässigen E-Modulhersteller.

Die E-Mobilität ist nicht mehr aufzuhalten, was im Hinblick auf die Maßnahmen zur Reduzierung fossiler Energieträger und damit zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen hoffnungsvoll stimmt