Jetzt kommt die Inversionswetterlage! Warum es auf den Bergen bald wärmer sein könnte als im Tal
Ein großes Hoch bringt ruhiges Herbstwetter nach Deutschland. Doch statt überall Sonne könnte es mancherorts grau mit einer ungewöhnlichen Temperaturverteilung bleiben. Was steckt dahinter?

Nach den turbulenten Herbsttagen mit kräftigem Wind und Regen zeichnet sich ein deutlicher Wetterwechsel ab. Ab Mittwoch gewinnt Hoch „Jurij“ zunehmend an Einfluss. Der Wind lässt nach und längere trockene Abschnitte werden wahrscheinlicher.
Großes Hoch über Deutschland: Kommt jetzt noch einmal der goldene Herbst?
Eigentlich klingt das nach perfekten Voraussetzungen für goldene Herbsttage. Doch Ende Oktober kann ein kräftiges Hoch auch eine ganz andere Seite zeigen: Unten bleibt es kühl und grau, während auf den Bergen die Sonne scheint und teilweise sogar höhere Temperaturen herrschen.
Die Ursache dafür ist eine sogenannte Inversionswetterlage, die in den kommenden Tagen voraussichtlich in weiten Teilen des Landes zu finden sein wird.
Wenn die Berge wärmer sind als die Täler
Normalerweise nimmt die Lufttemperatur mit zunehmender Höhe ab. Im Durchschnitt sind es in der unteren Atmosphäre rund 0,65 Grad pro 100 Höhenmeter. Bei einer Temperaturinversion kehrt sich dieses Verhältnis innerhalb einer Luftschicht jedoch um: Die Temperatur steigt mit der Höhe an.
Verantwortlich dafür sind verschiedene Prozesse. Unter klarem Himmel verliert der Boden nachts durch Wärmestrahlung Energie und kühlt stark aus. Die bodennahe Luft wird ebenfalls kälter und kann sich besonders in Tälern und Senken sammeln.
Gleichzeitig sinkt in Hochdruckgebieten Luft großräumig ab und erwärmt sich dabei. Dadurch kann sich oberhalb der kalten Bodenluft eine wärmere Schicht bilden, die den Luftmassenaustausch behindert. Dies ist besonders bei windschwachen Verhältnissen der Fall, wie sie in Hochdruckgebieten aufgrund der schwachen Drängung der Isobaren (Linien gleichen Luftdrucks) oft vorzufinden ist.
Die kalte und oft feuchte Luft bleibt gewissermaßen unter einem Deckel gefangen. Ist sie ausreichend feucht, können Nebel und Hochnebel entstehen, während darüber bereits die Sonne scheint.
Deshalb kann es auf einem sonnigen Berggipfel tatsächlich wärmer sein als im nebligen Tal. Wie groß dieser Unterschied ausfällt, hängt von der Stärke und Höhe der Inversion ab.
Wie lange hält sich die verkehrte Wetterwelt?
Auch über Halloween hinaus sprechen die Prognosen eher für ruhiges Hochdruckwetter. Allerdings könnten schwache Störungen zeitweise Wolken und etwas Regen bringen. Die genaue Entwicklung ist noch unsicher.
Besonders schwierig bleibt die Vorhersage der Nebelauflösung. Schon geringe Unterschiede bei Wind, Feuchtigkeit und Wolkenhöhe können darüber entscheiden, ob sich die Sonne am Nachmittag durchsetzt oder es den ganzen Tag grau bleibt.

Die kommenden Tage könnten damit eindrucksvoll zeigen, warum Hochdruck im Herbst nicht automatisch schönes Wetter bedeutet. Manchmal liegen zwischen trübem Novembergefühl und goldenem Oktober nur wenige Hundert Höhenmeter.