Wissenschaft schlägt Alarm: Atlantikströmung schwächt sich drastisch ab – mit globalen Folgen für Klima und Gesellschaft
Gravierende Fehler der Klimamodelle sind entdeckt worden von Forschenden: die zukünftige AMOC-Abschwächung wird stärker ausfallen könne. Die zentrale Atlantikströmung könnte bis 2100 um etwa die Hälfte schwächer werden – mit weitreichende bis hin zu katastrophalen Folgen für Wetter, Landwirtschaft und globale Klimastabilität.

Die große Umwälzströmung im Atlantik gehört zu den zentralen Motoren des globalen Klimasystems. Sie transportiert warmes Oberflächenwasser nach Norden und kaltes Tiefenwasser zurück in Richtung Süden.
Eine neue Studie zeigt nun: Dieses System könnte sich bis zum Ende des Jahrhunderts deutlich stärker abschwächen als bislang angenommen – mit potenziell gravierenden Folgen für ganze Weltregionen.
Neue Erkenntnisse alarmieren: Deutlich stärkere Abschwächung als bisher gedacht
Klimamodelle gingen bislang davon aus, dass die sogenannte Atlantische Umwälzzirkulation bis 2100 um etwa ein Drittel schwächer wird. Die neue Analyse kommt jedoch zu einem deutlich alarmierenderen Ergebnis: Eine Abschwächung von rund 50 Prozent erscheint wahrscheinlicher. Damit wäre der Rückgang etwa 60 Prozent stärker als der bisherige Mittelwert vieler Modelle nahelegte.
Gleichzeitig ist die Unsicherheit dieser neuen Schätzung deutlich geringer – ein Hinweis auf höhere wissenschaftliche Robustheit, wegen neuer großräumigere Klimamodellbrechnungen.
Was wurde denn bis jetzt fehlerhaft berechnet?
Der Grund für die Ergebnis-Korrektur liegt nicht in neuen Klimamodellen, sondern in einer verbesserten Methode, bestehende Modelle mit realen Beobachtungsdaten zu verknüpfen.
Die Forschenden nutzten eine statistische Technik, die in der Klimaforschung bisher selten eingesetzt wird: eine sogenannte regularisierte lineare Regression.
Diese erlaubt es, viele miteinander verknüpfte Einflussfaktoren gleichzeitig zu berücksichtigen, ohne dass die Ergebnisse durch Überanpassung verzerrt werden.
Gerade im Südatlantik zeigte sich ein systematischer Fehler vieler Modelle: Sie unterschätzen dort den Salzgehalt. Dieser scheinbar kleine Bias hat große Konsequenzen, weil Salzgehalt und Temperatur die Dichte des Meerwassers bestimmen – und damit die Dynamik der Tiefenwasserbildung, die das Herzstück der Zirkulation bildet.
Gestörtes Zirkulationsmuster bedeutet Klimafolgen weit über den Atlantik hinaus
Eine deutlich schwächere Atlantikströmung würde nicht nur Europa betreffen. Sie hätte globale Auswirkungen auf Niederschläge, Temperaturverteilungen und atmosphärische Zirkulationsmuster.
- Besonders kritisch ist die mögliche Verschiebung der tropischen Regenzone nach Süden.
- Für die Sahelzone in Afrika könnte dies verstärkte Trockenheit bedeuten – mit direkten Folgen für Landwirtschaft und Ernährungssicherheit.
- Auch in Europa wären Veränderungen spürbar. Eine schwächere Wärmezufuhr aus dem Atlantik könnte regionale Klimamuster verändern, etwa Wintertemperaturen oder Sturmverläufe.
- Gleichzeitig beeinflusst die Strömung auch den Meeresspiegel entlang der nordamerikanischen Ostküste.
Modellunsicherheit?! Was ist die Ursache der fehlerhaften Berechnung?
Ein zentrales Ergebnis der Studie ist, dass die größten Unsicherheiten in den bisherigen Prognosen nicht von unterschiedlichen Emissionsszenarien stammen, sondern von den Klimamodellen selbst.
Unterschiede in der Modellstruktur, Auflösung und Darstellung physikalischer Prozesse führen zu stark variierenden Ergebnissen.
Die neue Methode reduziert genau diese Modellunsicherheit, indem sie reale Beobachtungen stärker einbezieht. Das Ergebnis ist eine klarere, aber auch beunruhigendere Projektion.
Hinweis auf mögliche Kipppunkte
Die stärkere Abschwächung könnte darauf hindeuten, dass sich das System näher an einem kritischen Schwellenwert befindet als bisher angenommen.
Ein solcher Kipppunkt würde bedeuten, dass die Strömung sich abrupt und möglicherweise irreversibel verändert.
Critical Atlantic current! New research finds the #AMOC is significantly more likely to shut down than thought. Risk is now estimated over 50%. Extreme cold/drought in Europe.
— CCN (@CCNNews360) April 16, 2026
Shifted rainfall patterns in Africa & Asia. #ClimateCrisis #Science #Environment #AtlanticOcean pic.twitter.com/BrbxZ4DRD3
Klimamodelle müssen folgerichtig wiederholt kontrolliert werden und strategische Reaktionen von Poiltik müssen mit neuen Egebnissen korrelieren:
Für Entscheidungsträger bedeutet das: Klimaanpassungsstrategien müssen möglicherweise von stärkeren regionalen Veränderungen ausgehen als bislang geplant. Besonders in vulnerablen Regionen wie Westafrika oder küstennahen Gebieten könnten die Risiken deutlich steigen.
Zugleich zeigt die Studie, wie wichtig es ist, Klimamodelle kontinuierlich zu verbessern und systematische Fehler zu identifizieren. Denn selbst kleine Abweichungen in den Eingangsdaten können große Unterschiede in den langfristigen Prognosen verursachen.
Quelle
Portmann, V., Swingedouw, D., Khattab, O., & Chavent, M. (2026): Observational constraints project a ~50% AMOC weakening by the end of this century. Science Advances, Vol. 12, Issue 16. DOI: 10.1126/sciadv.adx4298.
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