Hitze und Dürre treffen Milliarden Menschen weltweit: Verschärft der Klimawandel kombinierte Extreme?

Kombinierte Hitze- und Dürreextreme nehmen weltweit deutlich zu. Eine neue Studie zeigt, dass vor allem menschengemachte Treibhausgase die Entwicklung antreiben, was sich gravierend für Milliarden Menschen, insbesondere in ärmeren Regionen, auswirken wird.

Einer neuen Studie zufolge werden kombinierte Extreme in den kommenden Jahrzehnten immer häufiger auftreten. Bild: André Künzelmann/UFZ
Einer neuen Studie zufolge werden kombinierte Extreme in den kommenden Jahrzehnten immer häufiger auftreten. Bild: André Künzelmann/UFZ

Die globale Erwärmung bringt das Erdklima spürbar aus dem Gleichgewicht. Experten sind sich einig, dass der Ausstoß von Treibhausgasen den Klimawandel verstärkt und zu häufigeren Extremereignissen führt. Besonders alarmierend sei die zunehmende Gleichzeitigkeit von Hitzeperioden und Dürren, sagen nun Wissenschaftler in einer neuen Studie.

„Diese beiden Extreme verursachen bereits für sich genommen enorme Schäden, wie zum Beispiel eine weniger produktive Landwirtschaft und Industrie, akute Wasserknappheit und eine erhöhte Sterblichkeit bei Mensch und Tier.“

– Di Cai, Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), Erstautorin

Die kombinierten Extreme treten nicht nur häufiger auf, sondern fallen auch intensiver aus als früher. „Zusammengenommen führen Hitze-Dürre-Extreme zu Folgen, die über die Gesamtauswirkungen der einzelnen Ereignisse hinausgehen oder sich deutlich von ihnen unterscheiden“, erklärt Erstautorin Di Cai vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI). Diese Wechselwirkungen machen die Ereignisse besonders gefährlich, da sie komplexe Kettenreaktionen in Öko- und Wirtschaftssystemen auslösen.

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Für ihre Analyse nutzten die Forschenden eine breite Datengrundlage. Insgesamt wurden 152 Simulationen aus acht modernen Klimamodellen ausgewertet und mit realen Beobachtungsdaten kombiniert.

Verglichen wurden drei Zeiträume: die vorindustrielle Phase, die Gegenwart sowie ein Zukunftsszenario mit rund 2,7 Grad globaler Erwärmung. Dabei standen Veränderungen bei Temperatur, Niederschlag sowie Häufigkeit und Dauer der Extremereignisse im Fokus.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Frage, wie stark verschiedene Bevölkerungsgruppen betroffen sind. Auch sozioökonomische Faktoren wurden einbezogen, um Risiken realistisch abzuschätzen.

Wer trägt die Hauptverantwortung?

Die Ergebnisse zeigen, dass der Anstieg globaler Temperaturen die zunehmenden kombinierten Hitze- und Dürreextreme entscheidend antreiben. Die Erwärmung wird durch Rückkopplungen zwischen Land und Atmosphäre zusätzlich verstärkt. Natürliche Klimaschwankungen spielen dagegen eine eher geringere Rolle.

Wir haben nicht nur die physikalischen Veränderungen dokumentiert, sondern auch analysiert, wie stark die Bevölkerung unter verschiedenen Erwärmungszielen von Hitze-Dürre-Ereignissen betroffen ist.

„Das Ziel war, nicht nur zu verstehen, wie sich diese kombinierten Extreme verstärken“, sagt Mitautorin Monica Ionita vom AWI, „sondern auch, wer am stärksten davon betroffen sein wird und wie sehr eine stärkere Klimapolitik die künftige Gefährdung verringern könnte.“

Milliarden Menschen in Gefahr

In hohem Maße besorgniserregend ist die Prognose für die kommenden Jahrzehnte. Sollte sich die aktuelle Klimapolitik nicht deutlich ändern, könnten bis zum Ende des Jahrhunderts rund 2,6 Milliarden Menschen regelmäßig von extremen Hitze-Dürre-Bedingungen betroffen sein. Das entspricht fast einem Drittel der Weltbevölkerung.

„Wenn sich an der derzeitigen Klimapolitik nichts ändert, könnte fast ein Drittel der Weltbevölkerung bis zum Ende des Jahrhunderts häufigeren und schwereren Hitze-Dürre-Bedingungen ausgesetzt sein.“

– Di Cai, Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), Erstautorin

Die Risiken sind jedoch nicht gleich verteilt. Besonders gefährdet sind Regionen in tropischen und subtropischen Zonen, darunter Teile Afrikas, Südasiens, Südamerikas und Südeuropas. Hier reichen schon geringe Temperaturanstiege aus, um das Risiko extremer Ereignisse stark zu erhöhen. Gleichzeitig fehlt es oft an Ressourcen, um sich wirksam anzupassen.

Ein zentrales Ergebnis der Studie ist daher, dass Länder mit niedrigem Einkommen ein unverhältnismäßig hohes Risiko tragen – obwohl sie viel weniger zum Klimawandel beitragen.

Forderung nach globaler Verantwortung

Neben einer konsequenten Reduktion von Emissionen seien gezielte Anpassungsmaßnahmen notwendig, sagen die Forschenden, insbesondere für besonders verwundbare Regionen. „Unsere Studie zeigt den dringenden Bedarf an fairen und sofortigen Klimamaßnahmen, die diejenigen schützen, die am meisten gefährdet sind“, sagt Di Cai.

„Länder, die am wenigsten für die Emissionen verantwortlich sind, tragen möglicherweise einige der größten Risiken, was die Notwendigkeit von ehrgeizigeren Minderungsmaßnahmen, gezielter Anpassungshilfe und internationalen Klimafinanzierungsmechanismen unterstreicht.“

– Monica Ionita, Expertin für Wettervorhersage, Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), Mitautorin

Die Ergebnisse machen deutlich, dass ohne rasches Gegensteuern eine Zukunft droht, in der extreme Hitze und Dürre für Milliarden Menschen zur neuen – katastrophalen – Normalität werden.

Quellenhinweis:

Cai, D., Lohmann, G., Chen, X., & Ionita, M. (2026): Compound hot-dry extremes amplify disproportionate climate risks for low-income nations. Geophysical Research Letters, 53, e2025GL118822.

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