Trotz Hochs: Wie kann das sein? Hier fast 20 Grad, dort Bibberwetter unter 15 – Wetterforscher Habermehl hat die Antwort

Ein Hoch, zwei Welten! Während der Südwesten an der 20-Grad-Marke kratzt, friert der Nordosten bei unter 15 Grad und fiesem Wind. Experte Johannes Habermehl erklärt, was da gerade schiefläuft.
Seit Jahren beobachte ich das Wetter über Deutschland, aber so eine doofe Position wie die von Hoch ULI sehe ich nicht alle Tage. Statt dass sich der Brocken ordentlich über Mitteleuropa breitmacht – was für uns richtig angenehm wäre –, parkt er sich über den Britischen Inseln und dem Nordostatlantik ein.
Dazu hockt noch ein zweites Hoch wie angewachsen über Nordskandinavien. Und wir? Mittendrin. Zwischen zwei Stühlen, könnte man sagen. Das Ergebnis: eine Wetterlage, die auf dem Papier nach Frühling aussieht – in der Realität aber nervt.
Das Deutschland der zwei Geschwindigkeiten
Wenn ich morgens die Temperaturkarten aufrufe, traue ich meinen Augen kaum. Zwischen Freiburg und Rostock liegen gerade Welten. Im Südwesten – also Baden, die Pfalz, das Rhein-Main-Gebiet – kratzen die Höchstwerte knapp an der 20-Grad-Marke. Die Sonne scheint, ein bisschen Frühlingsgefühl im Biergarten geht da tatsächlich, wenn auch nur mit Jacke über der Stuhllehne.
Ganz anders der Nordosten: Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, die Ostseeküste – dort kommen wir kaum über 15 Grad, teils bleiben die Thermometer bei 11 oder 12 Grad stehen. Das ist echtes Bibberwetter, und das sage ich als jemand, der wirklich nicht zur Frierfraktion gehört. Der Unterschied von einem Ende der Republik zum anderen? Gut und gerne 8, 9 Grad. Das schafft sonst kaum eine Wetterlage.
Warum das so ist? Position, Position, Position
Ich sag's meinen Studenten immer: Ein Hoch bringt Sonne – aber nie automatisch Wärme. Entscheidend ist seine Adresse. Weil Hochdruckgebiete sich im Uhrzeigersinn drehen, strömt an der Ostflanke von ULI Luft von Norden nach Süden. Und zwar nicht aus der Toskana, sondern geradewegs aus dem Europäischen Nordmeer und aus Skandinavien.

Da liegt teilweise noch Schnee, die Ostsee ist kühl wie ein Kühlschrank. Diese Luft kommt bei uns an – und im Osten eben deutlich unverbrauchter als im Westen, wo die Nordsee wenigstens ein bisschen „dämpft".
Und dann ist da noch der fiese Wind
Jetzt kommt der Teil, den viele unterschätzen: der Wind. Trotz Sonnenschein pfeift uns ein eiskalter Nordostwind um die Ohren, an der Ostsee mit stürmischen Böen bis 80 km/h. Das drückt die gefühlte Temperatur nochmal um drei, vier Grad runter. Wer also denkt, er könnte in Rostock im T-Shirt durch den Stadtpark schlendern, wird schnell eines Besseren belehrt.
Mein persönlicher Tipp: Windjacke raus, Schal drum – und Hobbygärtner sollten dringend noch einmal nach ihren Tomaten schauen, denn nachts droht gebietsweise Bodenfrost.
Wann wird's endlich Frühling?
Diese Frage bekomme ich aktuell mehrmals täglich, per Mail, am Telefon, sogar im Supermarkt an der Kasse. Meine ehrliche Antwort: Geduld! Solange ULI uns weiter die kalte Schulter zeigt, passiert hier erstmal wenig. Erst wenn das Hoch abzieht oder sich direkt über Deutschland aufbaut, dreht der Wind – und der richtige Frühling hat wieder eine Chance.
Bis dahin heißt es: Zwiebellook anziehen, Fleecejacke parat halten und sich an der Sonne freuen, auch wenn sie gerade ein bisschen geizig mit ihrer Wärme ist.
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