Urbane Imkerei: Wie können Städte ein Gleichgewicht zwischen Honig- und Wildbienen herstellen?

Immer mehr Menschen halten Honigbienen in der Stadt – doch das gut gemeinte Engagement bringt das ökologische Gleichgewicht ins Wanken. Forschende entwickeln nun ein Konzept, um Wildbienen besser zu schützen.

Wenn Stadtimker in Städten Bienenstöcke aufstellen, können die Honigbienenvölker den heimischen Wildbienen schaden. Bild: Meggyn Pomerleau/Unsplash
Wenn Stadtimker in Städten Bienenstöcke aufstellen, können die Honigbienenvölker den heimischen Wildbienen schaden. Bild: Meggyn Pomerleau/Unsplash

Die urbane Imkerei boomt. Was ursprünglich als Naturschutzmaßnahme gedacht war, entwickelt sich in vielen Metropolen zu einem ernstzunehmenden ökologischen Thema. Denn immer mehr Bienenvölker in Städten werfen die Frage auf, wie sich die künstlich eingebrachten Honigbienen und die natürlich vorkommenden Wildbienen den begrenzten Lebensraum teilen können.

Die 557 Wildbienenarten in Deutschland – neuere Statistiken gehen von 604 Arten aus – sind zu 48 % gefährdet oder bereits ausgestorben und nur zu 37 % ungefährdet. Die übrigen sind entweder extrem selten oder stehen auf der Vorwarnliste (Bundesamt für Naturschutz (BfN), Kompetenzzentrum Wildbienen).

Eine gemeinsame Studie von Imkern, politischen Akteuren und Forschungseinrichtungen hat sich genau dieser Frage gewidmet. Mit dabei waren Forschende der Technischen Universität München (TUM), die das sogenannte Urban Bee Concept mitentwickelt haben.

Mehr Bienen, mehr Konkurrenz

Mit zusätzlichen Bienenstöcken wächst auch die Population der Honigbienen rasant. Das wiederum führt zu wachsender Sorge, da Honigbienen sich von denselben Blüten ernähren wie Wildbienen.

Die Zahl der Stadtimker ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. In Berlin etwa hat sie sich zwischen 2005 und 2022 mehr als verdreifacht. Ähnliche Entwicklungen sind in Städten wie Zürich, Paris oder Toronto zu beobachten.

Die Forschung untersucht derzeit, welche Folgen das für Wildbienen hat. Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem die mögliche Übertragung von Krankheiten sowie der Wettbewerb um Nahrungsressourcen wie Nektar und Pollen.

Wildbienen unter Druck

Viele Menschen wissen kaum, dass es neben Honigbienen zahlreiche Wildbienenarten gibt, die sich in ihrem Verhalten und ihren Lebensbedingungen klar unterscheiden. „Im Gegensatz zu Honigbienen spezialisieren sich Wildbienen häufig auf bestimmte Pflanzen und Lebensräume“, sagt Prof. Dr. Monika Egerer, Professorin für Urbane Produktive Ökosysteme an der TUM.

Außerdem leben sie meist allein und nicht in großen Kolonien. Dadurch erholen sich ihre Populationen nach Störungen wie Krankheiten oder einem Mangel an Ressourcen deutlich langsamer.

Gerade die Spezialisierung macht Wildbienen anfällig für Störungen. Neue Bienenstöcke bringen große Kolonien von Honigbienen mit hohem Nahrungsbedarf mit ein. Diese sammeln große Mengen an Nektar und Pollen – oft schneller, als sich die Ressourcen regenerieren. Hinzu kommt, dass die verfügbaren Blüten in manchen Städten durch Verdichtung sogar abnehmen.

Forschende und Imker schlagen eine Reihe von Maßnahmen vor, um sowohl Honigbienen als auch Wildbienen zu schützen, etwa die Dichte von Bienenstöcken zu reduzieren. Bild: Astrid Eckert/TU München
Forschende und Imker schlagen eine Reihe von Maßnahmen vor, um sowohl Honigbienen als auch Wildbienen zu schützen, etwa die Dichte von Bienenstöcken zu reduzieren. Bild: Astrid Eckert/TU München

Die zunehmende Hitze in Städten ist ebenfalls ein Problem. Viele Bienenstöcke stehen auf Dächern, wo hohe Temperaturen herrschen. Diese belasten die Bienenvölker und erhöhen ihren Energiebedarf. Um die Temperatur im Stock zu regulieren, benötigen die Bienen mehr Nahrung, was die Konkurrenz mit Wildbienen weiter verschärft.

Das Urban Bee Concept

Die im Fachjournal People and Nature veröffentlichte Studie schlägt konkrete Maßnahmen vor, um das Zusammenleben der Bienenarten zu verbessern. Dazu gehört vor allem die Förderung von Blühflächen mit vielfältigen und nährstoffreichen Pflanzen.

Zudem empfehlen die Forschenden, die Dichte von Bienenstöcken zu reduzieren und Standorte sorgfältig auszuwählen. Auch das Verbot von Bienenstöcken an ungeeigneten Orten wird diskutiert, um das Wohl der Tiere zu sichern.

Weitere Maßnahmen umfassen die bessere Einschätzung der Tragfähigkeit städtischer Räume sowie eine konsequente Kontrolle von Krankheiten. Schulungen und Verhaltensrichtlinien für Imker sollen zusätzlich helfen, nachhaltige Praktiken zu etablieren.

Hilfe von Verbänden notwendig

Gerade weil die urbane Imkerszene sehr unterschiedlich ist – von Hobbyimkern bis zu großen kommerziellen Anbietern – braucht es abgestimmte Strategien. Verbände der Stadtimkerei spielen dabei eine zentrale Rolle.

„Es ist entscheidend, hier gemeinsam zu arbeiten – mit Forschenden, Naturschützern, politischen Entscheidungsträgern und Imkern.“

– Dr. Joan Casanelles-Abella, Professur für Urbane Produktive Ökosysteme, TU München

„Viele Menschen betreiben urbane Imkerei, weil sie Bienen helfen wollen“, sagt Monika Egerer. „Mit mehr Wissen und Austausch können wir sicherstellen, dass nicht nur Honigbienen, sondern auch Wildbienen profitieren.“

Quellenhinweis:

Casanelles-Abella, J., Baldock, K., Leonhardt, S. D., Moretti, M., Patterson, M., & Egerer, M. (2026).: When honeybees come to town: Critical aspects of urban beekeeping and opportunities for regulation. People and Nature.

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