Das letzte Summe: Was mit Bienen und Insekten im Herbst passiert

Wenn der Herbst Einzug hält, bereiten sich Bienen und andere Insekten auf den harten Winter vor. Kältestarre, Vorräte, Wintertraube – aber was genau passiert da?

Wenn es kälter wird, summen immer weniger Insekten durch die Luft (Foto: Adobe Stock)
Wenn es kälter wird, summen immer weniger Insekten durch die Luft (Foto: Adobe Stock)

Wenn die Blätter fallen und die Tage kürzer werden, verklingt das geschäftige Summen im Garten. Die Insekten ziehen sich zurück. Allerdings nicht, um gänzlich zu verschwinden. Im Herbst beginnt ein stark choreografiertes Schauspiel des Überlebens. Bienen und Insekten haben nämlich eine Strategie entwickelt, die sie durch Frost, Kälte und saugende Dunkelheit tragen.

Kältestarre als biochemische Rüstung

Insekten gehören zu den wechselwarmen Lebewesen. Das bedeutet, dass sich ihrer Körpertemperatur der Umgebung anpasst. Im Herbst sinkt sie mit jeder Dämmerung. Um nicht zu erfrieren, ziehen sich viele in Ruhestätten zurück und verfallen in Kältestarre. Ein Zustand, in dem die Organfunktionen auf ein Minimum reduziert sind. Für uns mag das wie eine Art Totenstarre erscheinen, doch die Tiere sind tatsächlich am Leben. Manche Arten gehen noch weiter: Sie produzieren körpereigene Frostschutzmittel, also quasi Antifreeze im Kleinen, und verhindern so Eiskristallbildung, die Zellen zerstören würde. So schützen sie ihr Gewebe gegen extremes Minus.

Es gibt Sommer- und Winterbienen

Während einzelne Insekten sich isoliert zurückziehen, funktioniert das Brutvolk der Honigbienen als Gemeinschaftsorganismus. Im Herbst beginnt die Aufgabe, den Bienenstock winterfest zu machen. Die Sommerbienen sammeln Vorräte und ziehen neue Generationen: die Winterbienen, deren Hauptaufgabe es ist, Larven und Königin zu schützen. Im Winter formen sie eine Wintertraube. Das heißt, sie versammeln sich dicht aneinander um die Königin. Die Bienen im Inneren erzeugen Wärme durch Muskelzittern. Die Bienen, die außerhalb sind, halten die Hülle dicht. Und wenn Kälte droht, tauschen sie Positionen. Ein getakteter Rhythmus, um keine Minute zu verlieren.

Wespen & Hummeln: Tod, Neubeginn, Schlummerort

Ganz anders ist es bei den Wespen, denn dort lost sich der Staat im Herbst auf. Die Arbeiterinnen, Drohnen und die alte Königin sterben. Nur die jungen Königinnen überwintern. Sie legen letzte Eier, gehen in Kältestarre und starten im Frühjahr neu. Auch bei Hummeln endet der Herbst mit einem Generationswechsel. Arbeiterinnen und alte Königinnen sterben, neue Königinnen überleben in Ritzen, Laubhaufen oder Bodenhöhlen. Und gelten oft als erste Boten des Frühlings.

Schmetterlinge & Marienkäfer: Flucht, Traube, Risiko

Viele Schmetterlinge fliegen im Herbst in den Süden und fliehen so vor dem Frost. Doch manche Arten bleiben, finden Quartiere und warten im Winterschlaf. Wenn sie es nicht schaffen, stirbt die Generation. Die süßen Marienkäfer dagegen suchen gezielt Winterquartiere und sammeln sich in Gruppen in Mauerritzen, Hauswänden und Kellern. Dort trotzen sie gemeinsam Kälte.

Die Ameisen auf den Frost vorbereitet

Die fleißigen Ameisen haben bereits den ganzen Sommer vorgesorgt: Vorräte angelegt, Gänge verstärkt. Im Herbst kehren sie ins Innere des Nestes zurück und drosseln ihre Aktivität stark. Im Zustand der Winterstarre bewegt sich fast nichts mehr. Erst im Frühjahr werden sie wieder aktiver.