Barock-Kuppel und Narzissenfluten: Wetten, dass Sie dieses ikonische Schloss kennen?
Dank einer Roman-Verfilmung ging das Anwesen im Norden Englands in die Fernsehgeschichte ein, später steigerten die Serien „Victoria“ und „Bridgerton“ seinen Ruhm. Ab Ende Februar erstrahlt es im Gelb ungezählter Osterglocken.

Ein Landschaftsgarten mit Seen, der Waldgarten mit Magnolien, Hortensien und fast 800 Rhododendron-Arten, ein ummauerter Garten sowie Tempel und Statuen: Castle Howard bildet zusammen mit seinem 400 Hektar großen Park nicht nur eine der ikonischsten Filmkulissen Englands, es beschäftigt Besucher auch locker einen ganzen Frühlingstag lang.
Berühmt ist das Schloss zudem für seine Narzissenfluten, die den Park ab Ende Februar in leuchtendes Gelb tauchen. Vor allem vor der Südseite des Schlosses, am „Tempel der Vier Winde“ und an den Seeufern blühen in den kommenden Wochen tausende Osterglocken.
Dreharbeiten zahlten für Brandschäden
Dass Castle Howard überhaupt noch existiert, ist ein Glücksfall. Ein verheerender Brand zerstörte 1940 seine charakteristische Kuppel und 20 Räume. Jahrzehnte sollten vergehen, bis das Schloss in altem Glanz erstrahlte. Zwar wurde es wieder bewohnbar gemacht und der Westflügel fürs Publikum geöffnet.
Doch erst 1962 war auch die Kuppel wiederhergestellt. Und erst die Dreharbeiten für die Fernsehserie „Wiedersehen mit Brideshead“ mit Jeremy Irons und Anthony Andrews spielten knapp 20 Jahre später das Geld für den Wiederaufbau der Halle ein. Auch die Kinoverfilmung von 2008 wurde hier gedreht.
Heute erzählen die Prunkgemächer mit Fresken, Statuen, Gemälden und barocken Möbeln vom feudalen Leben, das zehn Generationen der Familie auf Castle Howard führten und noch immer führen. Hochzeiten und Taufen feiern sie in ihrer eigenen Kapelle, in der sonntags der Chor des Münsters in York zur Abendandacht singt.
Englands einziges Barockschloss mit Kuppel
Castle Howard war nicht nur Drehort der berühmten Serie, es inspirierte schon den Roman, auf dem sie basiert. Der Schriftsteller Evelyn Waugh kam 1937 eher zufällig an Castle Howard vorbei. Sein Roman „Wiedersehen mit Brideshead“ war da noch Zukunftsmusik.
Trotzdem sah er Castle Howard vor sich, als er im Kriegswinter 1944 sein Buch über die glamouröse Vorkriegswelt des englischen Adels schrieb. Es ist leicht zu erkennen: Das ab 1699 von Charles Howard, dem dritten Earl of Carlisle, erbaute Haus ist das einzige von einer Kuppel gekrönte Barockschloss in England - und so beschrieb Waugh auch sein Brideshead.
Ein Dorf wurde planiert, um das Schloss umzusetzen
Zudem war Castle Howard wiederum genau wie Brideshead einst eine Burg, die abgetragen wurde, um anderswo auf den Ländereien - wo sich zuvor ein Dorf befunden hatte, das man nun rasch planierte - als Schloss wieder zu erstehen.
Touren durch Gärten und Park führen heute zu ikonischen Brideshead-Drehorten wie dem Temple of the Four Winds, in dem die Hauptfiguren Sebastian Flyte und Charles Ryder als Studenten einen Ferientag mit Weinbegleitung verbringen. Später spielte Castle Howard in der Serie „Victoria“ über die junge Königin den Londoner Kensington Palace, bevor das Schloss im Serienhit „Bridgerton“ weitere Auftritte hatte.