Neuer Ariadne-Report zu klimapolitischen Leitkonzepten

Beim Umstieg auf fossilfreie Technologien, wie Wärmepumpen im Gebäudebereich oder Elektroautos bei der Mobilität, stellen Regierungen der Bevölkerung verschiedene Transformationsanreize zur Verfügung.

Die Ariadne-Forschungsgruppe hat ihren neuen Bericht vorgelegt
Die Ariadne-Forschungsgruppe hat ihren neuen Bericht vorgelegt

So sollen beispielsweise fossile Brennstoffe verteuert-, ein Umstieg durch Fördermittel erleichtert- oder Standards, Gebote und Verbote zur Regelung umgesetzt werden.

Eine Studie des vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt geförderten Kopernikus-Projekts Ariadne analysiert die jeweiligen Folgen für Effizienz, Verteilungsgerechtigkeit sowie Akzeptanz. Außerdem erfolgen in der Studie Empfehlungen für eine effektive und gesellschaftlich akzeptierte Energiewende.

Der neue ARIADNE-Bericht

Der Report von Forschenden des Potsdam-Institutes für Klimafolgenforschung und dem ifo-Institut hat sich mit drei zentralen klimapolitischen Leitkonzepten beschäftigt, die alle auf Emissionsreduktion als übergeordnetes Ziel ausgerichtet sind.

Die konzeptionellen Vorschläge im Einzelnen:

1. Wer verschmutzt, muss bezahlen (Steuerung über den CO2-Preis)

2. Der Staat erleichtert den Menschen die Transformation (zum Beispiel durch Förderprogramme)

3. Veränderung kann nur durch Regulierung gelingen (durch Maßnahmen im Ordnungsrecht)

Unsere Forschungsarbeit liefert einen strukturierten Vergleich dieser drei Paradigmen und analysiert sie im Hinblick auf die Kriterien Kosteneffizienz, Verteilungseffekte und Akzeptanz

erklärte Maximilian Kellner vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Leitautor der neuen Ariadne-Studie, bei deren Vorstellung.

Er ergänzte, dass sich daraus klare Handlungsempfehlungen für einen zukünftigen Politik-Mix ableiten liessen.

Die Forschenden analysierten die genannten Kriterien unter der Annahme, dass die Klimaziele vorrangig oder ausschließlich über die Instrumente eines einzelnen Leitkonzepts erreicht werden.

Unterschiedliche Wirkung der Instrumente

Für jedes Instrument zeigen sich sowohl Vor- und Nachteile, die am Beispiel des Heizungsaustauschs deutlich werden. So erlaubt eine Steuerung über den CO2-Preis die Emissionen mit den gesamtgesellschaftlich niedrigsten Kosten zu senken.

Dies ist aber nicht gleichbedeutend mit einer Entlastung aller Haushalte, da diejenigen, bei denen sich ein Heizungstausch erst in ferner Zukunft rechnet, über den CO2-Preis enorm belastet werden.

Fördermittel setzen dagegen direkt an der Investitionsentscheidung an und werden von vielen Menschen zudem positiv bewertet. Durch ihren technologiespezifischen Fokus werden jedoch nicht alle CO2-Einsparmöglichkeiten gleichermaßen berücksichtigt.

So wird zum Beispiel der Umstieg auf die Wärmepumpe gefördert, verändertes Nutzungsverhalten, wie „intelligentes“ Lüften oder eine angepasste Raumtemperatur, dagegen nicht.

Staatliche Gebote und Verbote werden oft als fair wahrgenommen, weil sie für alle gleichermaßen gelten. Andererseits sind sie häufig starr und bieten zu wenig Flexibilität, die im Einzelfall kostengünstigste Option umzusetzen.

Akzeptanz ist der Schlüssel zum Erfolg

Der Vergleich zeigt, dass ein Leitkonzept allein Effizienz, gesellschaftliche Akzeptanz und Verteilungsgerechtigkeit nicht gewährleisten kann.

Unterschiedliche Einkommen bei Haushalten sorgen nachvollziehbarerweise für verschiedenstarke Belastungen. Aber selbst Haushalte mit gleichem Einkommen können unterschiedlich stark belastet sein

erklärt Andreas Peichl vom ifo-Institut, Mit-Autor der Studie.

Hintergrund dazu ist die Tatsache, dass nicht alle Gebäude ähnlich gute Voraussetzungen für einen klimaneutralen Umbau hätten.

Ansatz über Klimageld?

Ungleiche Gebäudestrukturen sind laut Forschenden schwerer identifizierbar und könnten nur durch spezifisch abgestimmte Maßnahmen wie ein Gebäudeklimageld exakt ausgeglichen werden.

Ist dieses technisch oder administrativ nicht umsetzbar, könnte sich eine Kombination aus CO2-Preis, Rückerstattung und Förderprogrammen als lohnend erweisen.

Fördermittel könnten die individuellen Belastungen, die beim Heizungswechsel entstehen, weitestgehend ausgleichen. Auch wenn damit nicht der effizienteste Weg gewählt wird, zahlt diese Kombination an Instrumenten auf den gesamtwirtschaftlichen und gesellschaftlichen Nutzen ein.

Empfehlungen der Forschungsgruppe

Die Ariadne-Forschenden empfehlen, die Instrumente der drei klimapolitischen Leitkonzepte möglichst genau aufeinander abzustimmen. Dabei könnten neue Ideen, wie eine Investitionsabgabe in Betracht gezogen werden.

Sie bildet eine Art vorgelagerten CO2-Preis abhängig von den zu erwartenden Lebenszeitemissionen einer fossilen Technologie. Beim Neukauf wird dieser Betrag einmalig auf den Grundpreis aufgeschlagen, anstatt jährlich anteilig auf der Energieabrechnung aufzutauchen.

Das könnte laut Forschenden eine starke Lenkungswirkung bei Investitionsentscheidungen schaffen und Planungssicherheit geben, weil die Unsicherheit über zukünftige CO2-Preise dann eine geringere Rolle spielt. Zudem werden Menschen mit einer vorhandenen fossilen Heizung nicht unmittelbar belastet.

Der Report zeigt, dass eine Kombination aus CO2-Preis, Investitionsabgabe und Förderprogrammen nicht nur dafür sorgt, dass die Emissionen sinken, sondern auch, dass Verteilungseffekte berücksichtigt werden.

Einzelne Haushalte werden finanziell nicht übermäßig belastet, was die Akzeptanz der Maßnahmen fördert, denn nur akzeptierte Klimapolitik ist erfolgreiche Klimapolitik.

Fazit

Die Erkenntnisse des aktuellen Ariadne-Berichts sind eine wichtige Ergänzung meines Artikels zum Thema Elektrostaaten. Auch dieser Bericht betont, dass es nicht alleine um die regenerative Stromerzeugung geht, sondern um die Elektrifizierung der gesamten Energieverbräuche.

Es erstaunt mich immer wieder, wie wenig die Medien, die Erkenntnisse des Ariadne Konsortiums aufgreifen. Auch die politischen Akteure scheinen die Empfehlungen der Forscherinnen und Forscher nur peripher zu tangieren, obwohl das Projekt mit Fördermitteln der Bundesregierung finanziert wird.

Immerhin bestehen durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) seit 2020 zwei Förderphasen von jeweils 30 Millionen Euro.

Das wissenschftliche Gruppe besteht aus 26 Partnern. Mit dem Kopernikus-Projekt Ariadne werden durch einen gemeinsamen Lernprozess für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft wichtige Informationsgrundlagen geschaffen.

Ariadne erforscht Optionen zur Energiewende und stellt politischen Entscheidern wichtiges Orientierungswissen bereit.

Link:

Maximilian Kellner, Andreas Peichl, Karolina Rütten, Katja Treichel-Grass, Matthias Kalkuhl (2026): Zwischen Kosteneffizienz und Verteilungskonflikten: Leitkonzepte für zielkonforme und gesellschaftlich tragfähige Klimapolitik. Kopernikus-Projekt Ariadne, Potsdam. Weblink zum Report: https://ariadneprojekt.de/publikation/report-leitkonzepte-fur-zielkonforme-und-gesellschaftlich-tragfahige-klimapolitik/