Diese Stadt spuckt so viele Bestseller-Autoren aus wie andere Städte Straftäter

Keine Sterne funkeln heller als die Lichter der schottischen Hauptstadt: Trotz des rauen Klimas wärmt sie Herzen und hat zahlreiche Literaten inspiriert. Wegen dieses Erbes wurde sie zur ersten UNESCO-Literaturstadt der Welt.

Historische Altstadt vor Hügellandschaft: Kein Wunder, dass diese Stadt inspiriert. Foto: Adobe Stock
Historische Altstadt vor Hügellandschaft: Kein Wunder, dass diese Stadt inspiriert. Foto: Adobe Stock

Robert Louis Stevenson, Autor der „Schatzinsel“, fand liebevolle Worte für seine Heimatstadt: „Keine Sterne funkeln heller als die Lichter der Straßen von Edinburgh“, urteilte der Schriftsteller. Die Worte sind vor dem Writers’ Museum in den Boden geritzt, zusammen mit den Bonmots namhafter Kollegen.

Es sind viele: Der Nationaldichter Robert Burns, der romantische Autor Sir Walter Scott (1771- 1832), der unsterbliche Sir Arthur Conan Doyle (1859 – 1930), Schöpfer von Sherlock Holmes, und eben der große Robert Louis Stevenson (1850-1894).

Bis heute spuckt Edinburgh Literaten aus wie andere Städte Straftäter: Irvine Walsh und Muriel Sparks, Alexander McCall Smith, Erfinder der schrulligen Number One Ladies’ Detective Agency in Botswana, und natürlich Joanne K. Rowling. Angesichts dieser Beweislast wurde Edinburgh 2004 zur ersten UNESCO City of Literature.

J.K. Rowlings Schreib-Café ist wieder geöffnet

Hier wunderte sich niemand über den Anblick einer jungen Mutter, die im Café „The Elephant House" an der George IV Bridge mit dem Fuß am Kinderwagen wippte und Blatt um Blatt beschrieb, bis der erste Band der „Harry Potter“-Saga beendet war.

Die mittellose junge Schriftstellerin sparte so Heizkosten und durfte hier Stunden über einer einzigen Tasse Tee verbringen. Nachdem der Bau durch ein Feuer zerstört worden war, hat er kürzlich restauriert und in frischem Glanz wieder eröffnet und lockt Muggel aller Altersstufen an.

Während der Zeit des Leerstands eröffnete in der Victoria Street ein zweites magisches Café, dem trotz uriger Architektur und Potter-Deko ein entscheidendes Detail fehlt: Authentizität. Doch die Lage an der gebogenen Straße, deren bunte Fassaden ein wenig an die Winkelgasse erinnert, verleiht auch diesem Café eigenen Reiz.

Viele Literaten zog es zuverlässig in den Pub

In Edinburgh leben oder geboren zu sein, bedeutet sehr häufig: Schreiben. Oder: Im Pub sitzen und Whisky trinken. Oder beides. Womöglich ist die Neigung manches schottischen Literaten zum Alkoholgenuss dem rauen Klima geschuldet. Viele Bars verweisen auf berühmte Autoren, die in ihren Räumen von den Mühen des Dichtens verschnauften. Orientierung bietet eine „Literary Pub Tour“: Bier (oder Wasser) trinken auf den Spuren schottischer Schriftsteller.

Gegenüber vom Königsschloss tagt das Parlament

Meilenstein für Schottland und architektonisch eindrucksvoll: das neue Parlament. Foto: Adobe Stock
Meilenstein für Schottland und architektonisch eindrucksvoll: das neue Parlament. Foto: Adobe Stock

Am Fuß der Royal Mile liegt ein Meilenstein neuerer schottischer Geschichte: das Parlament. Der Philosoph David Hume fragte sich 1757 noch, ob es nicht seltsam sei, dass „zu einer Zeit, da wir unsere Prinzen verloren haben, unser Parlament und unsere unabhängige Regierung (…) dass wir da das Volk sein sollten, dass sich in Europa am meisten durch seine Literatur auszeichnet?“

Literarisch haben sie ihre Hochform gehalten - und 1999 wählten die Schotten ihr erstes regionales Parlament. Das 2004 eingeweihte Parlamentsgebäude liegt dem Holyrood Palace, Sitz des britischen Königs in Schottland, gegenüber und ist Besuchern gratis zugänglich. Schon aufgrund seiner Architektur - sein Dach erinnert an ein umgedrehtes Schiff - lohnt es den Besuch.