Bienen und Wespen: Frühe Schlupfzeiten verringern Überlebenschancen – Arten aus kühleren Regionen besonders belastet
Steigende Temperaturen verschieben den Lebensrhythmus von Wildbienen und Wespen. Eine neue Untersuchung zeigt nun, dass das frühe Schlüpfen für die Tiere oft mit großen Energieverlusten einhergeht. Im Frühling erwachende Arten aus kühleren Regionen leiden besonders darunter.

Der Klimawandel greift tief in die Lebenszyklen von Insekten ein. Besonders deutlich zeigt sich das am Zeitpunkt, zu dem Bienen und Wespen ihre Winterruhe beenden. Ein groß angelegtes Experiment belegt nun, dass höhere Temperaturen im Frühjahr dazu führen, dass viele Arten deutlich früher schlüpfen – was oft mit Nachteilen verbunden ist.
Viele Insekten starten unter ungünstigen Bedingungen in die neue Saison. Nahrungsquellen wie Blüten oder Beutetiere sind oft noch nicht verfügbar, während der Energieverbrauch bereits steigt.
Tausende Insekten untersucht
Wildbienen unterscheiden sich in der Art und Weise des Überwinterns. Die meisten Arten verbringen die kalte Jahreszeit als Larven in schützenden Kokons, etwa im Boden oder in Holzstrukturen.
Arten, die früh im Jahr aktiv werden, überdauern hingegen als vollständig entwickelte Insekten. Sie sind bereit zum Schlupf, sobald die Temperaturen steigen. Sommerarten dagegen müssen ihre Entwicklung erst im Frühjahr abschließen. Dadurch reagieren sie unterschiedlich sensibel auf Temperaturveränderungen. Ein Forschungsteam des Biozentrums der Universität Würzburg hat diese Zusammenhänge nun systematisch untersucht.
Für die Untersuchung wurden fast 15.000 überwinternde Individuen von mehr als 160 Standorten gesammelt. Anschließend wurden sie unter kontrollierten Bedingungen verschiedenen Temperatur-Szenarien ausgesetzt. So konnten die Forschenden simulieren, wie sich kalte, warme und besonders heiße Frühjahre auf Schlupfzeitpunkt und körperliche Verfassung auswirken. Die Ergebnisse wurden im Journal Functional Ecology veröffentlicht.
Unterschiede zwischen Regionen
Dabei kam heraus, dass alle untersuchten Arten auf Wärme mit einem früheren Schlupf reagieren. Allerdings unterschied sich das je nach Herkunft der Populationen.
Frühjahrsarten aus wärmeren Regionen wie Unterfranken schlüpften besonders früh und konnten ihre Körpermasse besser halten. Individuen aus kühleren Gegenden wie dem Bayerischen Wald hatten dagegen größere Schwierigkeiten.
Bei Sommerarten reagierten vor allem Populationen aus kühleren Regionen mit einem früheren Schlupf. Der allerdings hatte negative Folgen für ihre Energiereserven.
Hohe Energieverluste
Besonders auffällig war der Verlust an Körpermasse bei weiblichen Sommerarten. Unter warmen Bedingungen verloren sie deutlich schneller Gewicht – in Extremfällen bis zu 34 Prozent. Weil Fettreserven über Fortpflanzung und Überleben entscheiden, hatte das direkte Auswirkungen auf ihre Fitness.
– Dr. Cristina Ganuza, Lehrstuhl für Zoologie III (Tierökologie und Tropenbiologie), Universität Würzburg, Erstautorin
Noch ist unklar, wie zusätzliche extreme Hitzetage den Schlupf beeinflussen, und ebenso, welche Folgen geschwächte Insekten für die Bestäubung von Pflanzen haben. Auch die Anpassungsfähigkeit der Populationen ist noch nicht geklärt.
Fest steht jedenfalls, dass der Klimawandel nicht nur den Zeitpunkt des Frühlingsbeginns verschiebt – sondern auch die Überlebenschancen vieler Insektenarten negativ beeinflusst.
Quellenhinweis:
Ganuza, C., Redlich, S., Holzschuh, A., Hovestadt, T., Mitesser, O., Göllner, S., Klein, A., Summ, T., & Steffan-Dewenter, I. (2026): Climatic origin and plasticity shape emergence timing and fitness in bees and wasps under experimental climate regimes. Functional Ecology.
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