Unterwasser-Ultraschall ermöglicht historischen Blick in den Mutterleib von Mantas
Ultraschall unter Wasser macht es möglich: Forscher haben erstmals ungeborene Manta-Rochen bei frei schwimmenden Tieren im offenen Ozean per Ultraschall sichtbar gemacht. Die Aufnahmen liefern tiefgehende Einblicke in die Fortpflanzung einer bedrohten Meeresart.

Manta-Rochen begeistern, denn sie gehören zu den faszinierendsten Bewohnern der Weltmeere. Mit Spannweiten von bis zu sieben Metern gleiten die Tiere scheinbar schwerelos durch tropische und subtropische Gewässer.
Trotz ihrer Größe wissen Wissenschaftler über einen entscheidenden Abschnitt ihres Lebens erstaunlich wenig: die Fortpflanzung.
Ein internationales Forschungsteam hat nun einen sensationellen Schritt gemacht. Erstmals gelang es, Schwangerschaften bei frei schwimmenden Ozeanischen Mantas direkt im Meer mithilfe von Ultraschalluntersuchungen nachzuweisen.
Die Aufnahmen ermöglichen einen bislang unerreichten Einblick in die Entwicklung ungeborener Jungtiere und könnten künftig wichtige Informationen für den Schutz der bedrohten Art liefern.
Forschung im offenen Pazifik
Die Untersuchungen fanden im Revillagigedo-Nationalpark vor der Pazifikküste Mexikos statt.
Dort begegneten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler drei weiblichen Ozeanischen Mantas, die bereits aus früheren Beobachtungen bekannt waren.
Anstatt die Tiere einzufangen oder zu markieren, nutzte das Team eine spezielle Unterwasser-Ultraschalltechnik.
Der Schallkopf wurde wenige Zentimeter über die Haut der frei schwimmenden Tiere geführt, ohne sie zu berühren.
Diese besonders schonende Methode bietet nun endlich neue Möglichkeiten für die Erforschung großer Meerestiere, die sich nur schwer beobachten lassen.
Ungeborene Mantas erstmals dokumentiert
Die Ultraschallaufnahmen zeigten bei allen drei Weibchen eine Schwangerschaft.
Besonders aufschlussreich waren die Bilder eines Fötus in einer mittleren Entwicklungsphase:
Deutlich erkennbar waren Kopf, Maul und Brustflossen des ungeborenen Jungtiers.
Die Forscher beobachteten zudem rhythmische Bewegungen des Mauls:
Dieses sogenannte Buccal Pumping gilt als wichtiger Entwicklungsschritt bei Manta-Rochen. Da die Tiere keine Plazenta besitzen, könnte diese Bewegung bereits im Mutterleib eine Rolle beim Gasaustausch spielen.
Bei zwei weiteren Weibchen dokumentierten die Wissenschaftler fortgeschrittene Schwangerschaftsstadien. Die Föten hatten bereits eine Größe erreicht, die eine vollständige Darstellung im Ultraschallbild erschwerte. Charakteristisch waren stark gefaltete Brustflossen und die Enge im Uterus der Muttertiere .
Warum viele Schwangerschaften bisher unentdeckt blieben
Bei einem Weibchen war die Schwangerschaft trotz eines bereits deutlich entwickelten Fötus und einer bereits fortgeschrittenen Trächtigkeit von außen praktisch nicht zu erkennen.
Weder am Bauch noch am Rücken zeigten sich auffällige Veränderungen der Körperform. Selbst Videoaufnahmen lieferten keine eindeutigen Hinweise auf eine Trächtigkeit.
Erst bei den sehr viel weiter fortgeschrittenen Schwangerschaften wurden typische Wölbungen sichtbar. Das deutet darauf hin, dass Forscher den Anteil trächtiger Weibchen in freier Wildbahn bislang möglicherweise unterschätzt haben.
Für Populationsschätzungen kann dies erhebliche Folgen haben. Wenn Schwangerschaften über Monate hinweg verborgen bleiben, lassen sich Fortpflanzungsraten und Nachwuchszahlen nur ungenau bestimmen.
Neue Chancen für den Artenschutz
Der Ozeanische Manta-Rochen wird von der Weltnaturschutzunion IUCN als gefährdet eingestuft. Fischerei, Beifang und zunehmende Belastungen der Meeresökosysteme setzen den Beständen weltweit zu.
Gerade deshalb sind verlässliche Daten über die Fortpflanzung von zentraler Bedeutung. Die neue Ultraschalltechnik könnte künftig helfen, Schwangerschaften frühzeitig zu erkennen, Entwicklungsstadien genauer zu bestimmen und wichtige Geburtsgebiete aufzuspüren.
Langfristig möchten die Forscher Ultraschalluntersuchungen mit Satellitensendern kombinieren. Dadurch ließe sich verfolgen, wohin trächtige Weibchen wandern und in welchen Regionen ihre Jungtiere zur Welt kommen.
Quelle
Cabral, M.M.P., Newton, A.L., Pate, J.H. & Pelamatti, T. (2026): Underwater Ultrasonography Confirms Pregnancy in Free-Swimming Oceanic Manta Rays (Mobula birostris). Preprints 2026.