Überraschende Wende an den Küsten der Welt: Mangrovenwälder wachsen wieder – und geben Hoffnung im Klimawandel

Die Beobachtung war jahrzehntelang verschwanden Mangrovenwälder weltweit. Nun zeigt eine ernstzunehmende seriöse Studie in Science: Die Küstenökosysteme erholen sich überraschend stark – und könnten zu einem wichtigen Verbündeten im Kampf gegen Klimawandel und Artensterben werden.

Jahrzehntelang verschwanden Mangroven weltweit. Jetzt haben Forscher eine Entwicklung entdeckt, die das Bild dieser bedrohten Wälder verändert.
Jahrzehntelang verschwanden Mangroven weltweit. Jetzt haben Forscher eine Entwicklung entdeckt, die das Bild dieser bedrohten Wälder verändert.

Neu errungenes Wissen und dessen Meldungen über den Zustand der globalen Umwelt handeln meist von Verlusten. Wälder schrumpfen, Arten verschwinden, Korallenriffe bleichen aus.

Umso bemerkenswerter sind die Ergebnisse einer neuen Studie im Fachjournal Science. Demnach haben sich die weltweiten Mangrovenwälder nach jahrzehntelangem Rückgang überraschend stabilisiert und zeigen inzwischen sogar wieder ein leichtes Wachstum.

Die Erkenntnis basiert auf einer der bislang umfassendsten Untersuchungen zur Entwicklung von Mangroven.

Ein internationales Forschungsteam analysierte Satellitendaten aus vier Jahrzehnten und erstellte erstmals einen globalen Datensatz, der nicht nur die Fläche der Mangroven erfasst, sondern auch ihre Kronendichte und damit ihren ökologischen Zustand.

Und das erschütternde Ergebnis widerspricht teilweise dem aktuellen wissenschaftlichen Bild eines Ökosystems, das sich weltweit unaufhaltsam auf dem Rückzug befindet.

Wälder zwischen Land und Meer

Mangroven wachsen in tropischen und subtropischen Küstenregionen. Sie besiedeln den Übergangsbereich zwischen Land und Meer und gehören zu den produktivsten Lebensräumen der Erde.

Ihre Bedeutung reicht weit über die Küsten hinaus.

  • Mangroven speichern große Mengen Kohlenstoff und leisten damit einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.
  • Gleichzeitig stabilisieren sie Küstenlinien, bremsen Sturmfluten und schützen Millionen Menschen vor den Folgen extremer Wetterereignisse.
  • Zudem dienen die verwinkelten Wurzelsysteme als Kinderstube zahlreicher Fisch-, Krebs- und Muschelarten. Viele kommerziell genutzte Fischbestände sind direkt oder indirekt auf intakte Mangroven angewiesen.

Gravierend war deshalb der Wissenstand um den Bestand der Mangroven, denn sie galten lange als eines der am stärksten bedrohten Ökosysteme der Welt.

Jahrzehnte der Zerstörung

Vor allem seit den 1980er Jahren verschwanden große Flächen durch menschliche Eingriffe.

  • Küstenwälder wurden für Aquakulturen gerodet, insbesondere für Garnelenfarmen.
  • Hinzu kamen Palmölplantagen, Reisfelder, Siedlungserweiterungen und Infrastrukturprojekte.
  • Naturereignisse wie tropische Wirbelstürme und Küstenerosion verstärkten die Verluste zusätzlich.

Die neue Untersuchung bestätigt diese historische Entwicklung. Gleichzeitig zeigt sie jedoch, dass sich die Dynamik in den vergangenen Jahren grundlegend verändert hat.

Der Wendepunkt um 2010

Die Ergebnisse wirken zunächst widersprüchlich. Mangroven gelten seit Jahrzehnten als eines der am stärksten bedrohten Ökosysteme der Erde:

Küstenbebauung, Aquakulturen, Landwirtschaft und Stürme haben weltweit große Flächen zerstört.

Dennoch zeigt die Studie nun, dass sich die globale Entwicklung in den vergangenen Jahren umgekehrt hat.

Während die Verluste seit den 1980er Jahren kontinuierlich zurückgingen, nahm die Neubildung von Mangroven deutlich zu.

Etwa ab 2010 wurde ein Wendepunkt erreicht: Erstmals konnten neue Mangrovenbestände die Verluste weitgehend ausgleichen. In einigen Jahren übertrafen die Zugewinne die Verluste sogar, sodass aus dem jahrzehntelangen Nettoverlust ein leichter Nettozuwachs wurde.

Noch überraschender ist die Ursache dieser Entwicklung:

Die zusätzlichen Flächen entstehen überwiegend nicht durch groß angelegte Pflanzprogramme, sondern durch natürliche Prozesse. Mangroven breiten sich auf neu entstandenen Schlick- und Sedimentflächen entlang der Küsten aus und regenerieren sich vielerorts selbst.

Für die Forschenden ist dies ein Hinweis darauf, dass die Widerstandskraft dieser Küstenwälder bislang unterschätzt wurde.

Die unterschätzte Widerstandskraft

Besonders hervor hebt die Studie die bemerkenswerte Resilienz der Mangroven. Selbst nach schweren Störungen besitzen viele Bestände die Fähigkeit, sich wieder zu erholen.

Die Forschenden sprechen von einer bislang unterschätzten Widerstandskraft. Dort, wo Rodungen gestoppt oder deutlich reduziert wurden, setzte häufig eine natürliche Regeneration ein.

Diese Erkenntnis hat weitreichende Konsequenzen für den Naturschutz. Statt ausschließlich auf kostspielige Wiederaufforstungsprogramme zu setzen, könnte der Schutz bestehender Wälder vielerorts die effektivere Strategie sein.

Wer die Zerstörung stoppt, schafft häufig bereits die Voraussetzung für die Rückkehr der Natur.

Mehr Wald, aber auch mehr Qualität

Die Studie untersuchte nicht nur die Flächenausdehnung der Mangroven, sondern auch deren Zustand.

Dabei zeigte sich, dass viele bestehende Wälder dichter geworden sind. Die Kronendächer nahmen im Laufe der Jahrzehnte zu, wodurch der Anteil besonders kohlenstoffreicher Mangrovenbestände wuchs.

Gleichzeitig fanden die Wissenschaftler Hinweise auf großflächige Schädigungen durch tropische Wirbelstürme. Solche Schäden treten häufiger auf als vollständige Waldverluste. Allerdings gingen auch diese Beeinträchtigungen im Untersuchungszeitraum zurück.

Aber Achtung: Kein Grund zur Entwarnung

Trotz der positiven Entwicklung warnen die Autoren vor falscher Sicherheit. Mangroven bleiben ein gefährdetes Ökosystem.

Viele der neu entstandenen Bestände sind noch jung. Es wird Jahrzehnte dauern, bis sie die gleichen Mengen Kohlenstoff speichern und dieselben ökologischen Funktionen erfüllen wie alte, ausgewachsene Mangrovenwälder.

Zudem bestehen zahlreiche Bedrohungen fort. Küstenbebauung, Umweltverschmutzung, industrielle Nutzung und die Folgen des Klimawandels setzen den Wäldern weiterhin zu.

Dennoch liefert die Studie eine wichtige Botschaft: Selbst stark beeinträchtigte Ökosysteme können sich erholen, wenn der menschliche Druck nachlässt.

Quelle

Zhang, Z. et al. (2026): „Unexpected expansion and regrowth in Earth's mangrove forests over the past four decades“. Science, Vol. 392, Issue 6802, S. 1082–1087. DOI: 10.1126/science.aec9773.

Verpassen Sie nicht die neuesten Nachrichten von Meteored und genießen Sie alle unsere Inhalte auf Google Discover völlig KOSTENLOS

+ Folgen Sie Meteored