Frauen leiden bei Hitze doppelt so stark wie Männer
Über Deutschland rollt die nächste Hitzewelle an. Doch nicht jeder Körper kann mit der Hitze gut umgehen. Vor allem Frauen leiden besonders, wie eine neue Studie enthüllt.

Kaum ist die erste Hitzewelle überstanden, kündigt sich bereits die nächste an: In den kommenden Tagen werden in vielen Teilen Deutschlands erneut Temperaturen von deutlich über 30 Grad erwartet – die zweite Hitzewelle binnen kürzester Zeit. Während sich viele über Sonne und Sommer freuen, bedeutet die anhaltende Hitze für zahlreiche Menschen eine erhebliche Belastung. Eine aktuelle Untersuchung zeigt, dass inzwischen jeder Dritte gesundheitliche Beschwerden durch hohe Temperaturen entwickelt.
Müdigkeit, Schlafprobleme und Kreislaufbeschwerden
Laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag der DAK-Gesundheit berichteten 33 Prozent der Befragten, bereits unter gesundheitlichen Folgen der Hitze gelitten zu haben. Das sind mehr Menschen als in den Vorjahren.
Am häufigsten klagen Betroffene über Müdigkeit und Abgeschlagenheit (71 Prozent). Ebenfalls weit verbreitet sind Schlafprobleme (68 Prozent) sowie Kreislaufbeschwerden (64 Prozent). Mehr als jeder Zweite leidet unter Kopfschmerzen (52 Prozent), knapp ein Drittel unter Schwindel (32 Prozent). Auch Appetitlosigkeit (27 Prozent) und Verwirrtheit (7 Prozent) wurden als Folgen extremer Hitze genannt.
"Hitzewellen werden zunehmend zur Belastung: Wenn ein Drittel der Bevölkerung schon Gesundheitsprobleme hatte, dann muss der Hitzeschutz gerade für ältere Menschen, chronisch Kranke und Kinder verbessert werden", fordert Andreas Storm, Vorstandschef der DAK-Gesundheit.
Für den Hitzereport wurden 1.519 Menschen ab 18 Jahren online befragt. Die repräsentative Erhebung führte das Forsa-Institut zwischen dem 22. Juni und dem 1. Juli 2026 durch.
Frauen deutlich häufiger betroffen
Besonders auffällig ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern. Während 40 Prozent der befragten Frauen angaben, unter den hohen Temperaturen zu leiden, traf dies lediglich auf 21 Prozent der Männer zu.
Fünf Prozent der Befragten suchten wegen ihrer Beschwerden ärztliche Hilfe auf. Weitere 13 Prozent gaben im Nachhinein an, dass ein Arztbesuch sinnvoll gewesen wäre.
Als besonders stark von Hitze betroffen gelten nach Einschätzung der Befragten Menschen, die körperlich arbeiten. 89 Prozent sehen Beschäftigte im Handwerk, auf dem Bau oder in der Produktion besonders belastet. Auch Pflegekräfte werden von 86 Prozent als stark betroffen eingeschätzt. Zudem sind nach Ansicht von 58 Prozent der Teilnehmer Schulen und Kindergärten durch die hohen Temperaturen erheblich eingeschränkt.

Hitze belastet auch die Psyche
Nicht nur der Körper leidet unter anhaltender Hitze. Eine Meta-Studie im Fachjournal "Nature Health" zeigt, dass Hitzewellen auch psychische Folgen haben können.
Die Forschenden aus Australien stellten fest, dass nach Hitzewellen mehr Menschen wegen psychischer und Verhaltensstörungen in Krankenhäuser eingeliefert wurden. Als mögliche Ursache nennen die Wissenschaftler eine verstärkte Ausschüttung von Cortisol und anderen Stresshormonen. Diese könnten Reizbarkeit, Angst und kognitive Beeinträchtigungen fördern und bestehende Erkrankungen wie Schizophrenie oder Persönlichkeitsstörungen verschlimmern.
Andere Erkrankungen traten laut der Analyse nicht unmittelbar während der Hitzetage auf, sondern erst einige Tage später. Dazu gehörten Depressionen, bipolare Störungen, Angststörungen und Demenz. Als mögliche Auslöser nennen die Forschenden unter anderem Schlafstörungen durch tropische Nächte sowie anhaltenden psychischen Stress.
Viele wünschen sich besseren Hitzeschutz
Die steigenden Temperaturen bereiten vielen Menschen zunehmend Sorgen. Knapp zwei Drittel der Befragten gaben an, sich große oder sehr große Sorgen wegen der Hitze zu machen. Frauen äußerten diese Sorge häufiger als Männer. Auch jüngere Menschen sowie Bewohner von Großstädten fühlen sich stärker belastet als ältere Menschen oder Einwohner kleinerer Orte.
Drei Viertel der Befragten halten die bisherigen Hitzeschutzmaßnahmen für nicht ausreichend. DAK-Vorstand Andreas Storm sieht deshalb Handlungsbedarf: "Das ist alarmierend. Deshalb müssen Bund, Länder und Kommunen verstärkt an ihren Hitzeschutzplänen arbeiten."