Schlafmangel hinterlässt Spuren im Mund: Was Forscher nun entdeckt haben

Zu wenig Schlaf wirkt sich nicht nur auf Konzentration und Wohlbefinden aus, sondern hinterlässt auch klare biologische Spuren, wie eine neue Studie zeigt.

Immer mehr Menschen leiden unter Schlafstörungen (Foto: Adobe Stock)

Starker Schlafmangel könnte künftig nicht mehr nur anhand von Müdigkeit-Symptomen erkannt werden, sondern auch durch einen einfachen Test im Mund. Forscher der Universität Zürich haben Hinweise darauf gefunden, dass ausgeprägter Schlafentzug messbare Veränderungen im Speichel hinterlässt. Diese könnten als objektiver Marker dienen, um akute Übermüdung nachzuweisen.

Für ihre Studie untersuchten die Wissenschaftler Speichelproben unter drei unterschiedlichen Bedingungen: nach einer vollständig durchwachten Nacht, nach vier Nächten mit jeweils zwei Stunden weniger Schlaf als üblich sowie nach einer Nacht mit rund acht Stunden Schlaf. Ziel war es, Stoffwechselprodukte zu identifizieren, die widerspiegeln, was im Körper während dieser verschiedenen Schlafsituationen passiert.

Schlafentzug im Fokus der Forschung

Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede – allerdings nur bei starkem Schlafentzug. Nach einer komplett schlaflosen Nacht wichen die Speichelproben klar von denen nach ausreichendem Schlaf ab. Die Forscher konnten rund ein Dutzend molekulare Veränderungen feststellen. Diese Veränderungen könnten als eine Art biologischer "Fingerabdruck" dienen, der anzeigt, dass der Körper extremem Schlafmangel ausgesetzt war.

Wer nachts schlecht schläft, hängt im Alltag oft durch (Foto: Adobe Stock)

Anders fiel das Ergebnis bei moderatem Schlafmangel aus. Teilnehmer, die über mehrere Nächte hinweg jeweils etwas weniger schliefen als gewöhnlich, zeigten keine statistisch signifikanten Unterschiede in ihren Speichelproben. Das deutet darauf hin, dass vor allem akuter, starker Schlafentzug messbare Spuren hinterlässt – während sich leichter Schlafmangel im Speichel nicht eindeutig nachweisen lässt.

Künstliche Intelligenz erkennt Müdigkeit

Auf Grundlage dieser Erkenntnisse entwickelten die Wissenschaftler zudem ein Modell des maschinellen Lernens. Dieses sollte erkennen, ob eine Person stark übermüdet war oder nicht. Das Modell erreichte eine Trefferquote von 94 Prozent bei der Identifikation entsprechender Speichelproben. Laut den Forschern könnten individuelle Unterschiede im Stoffwechsel eine Rolle bei der Genauigkeit spielen. Zudem zeigte sich, dass der Test am Morgen zuverlässiger funktionierte als am Abend.

Die Anwendung im Alltag lässt noch auf sich warten

Trotz dieser vielversprechenden Ergebnisse ist ein Einsatz im Alltag derzeit noch nicht in Sicht. Die Studie wurde lediglich mit 20 jungen Männern durchgeführt. Ob die Resultate auch auf Frauen, ältere Menschen oder Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen übertragbar sind, ist bislang unklar. Ebenso offen bleibt die Frage, ob sich chronischer Schlafmangel langfristig ebenfalls zuverlässig im Speichel nachweisen lässt.

Die Forscher sehen dennoch Potenzial: Ein solcher Speicheltest könnte künftig insbesondere in der Schlafmedizin oder in der Forschung eingesetzt werden. Für praktische Anwendungen – etwa bei Polizeikontrollen zur Einschätzung von Risiken durch Sekundenschlaf – ist es jedoch noch zu früh. Weitere Studien sind notwendig, um die Ergebnisse zu bestätigen und zu erweitern.

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