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Extrem warmes Mittelmeer: Potential für heftige Unwetter im Herbst!

Üblicherweise ist der Herbst in der Mittelmeerregion die Zeit der größten Gewittertätigkeit. Durch das extrem warme Mittelmeer ist das Potential für heftige Unwetter und Starkregenfälle in diesem Jahr besonders groß!

Gewitter
Der Herbst ist die Gewittersaison am Mittelmeer

Einen Vorgeschmack auf das enorme Potential für Starkregen in diesem Herbst bot das schwere Unwetter in Mittelitalien letzte Woche Freitag. In der Provinz Ancona an der Adriaküste, den rückwärtig gelegenen Marken und der benachbarten Region Umbrien hatte es in der Nacht starke Unwetter gegeben. Dabei sind mindestens 11 Menschen ums Leben gekommen, zwei werden noch vermisst.

Enormer Starkregen und Sturzfluten

Unvorstellbare Regenmengen sind in der Region gefallen. Mancherorts gingen bis zu 420 mm (entspricht 420 Liter pro Quadratmeter) nieder, was zu heftigen Sturzfluten führte! Zum Vergleich hat zum Beispiel Berlin im Mittel knapp 600mm Niederschlag in einem Jahr. Und auch bei der verheerenden Ahrflut im letzten Jahr gab es mit punktuell über 200 mm noch deutlich weniger Niederschlag als jetzt in Teilen Mittelitaliens.

Doch was hat das warme Mittelmeer damit zu tun und welche Rolle spielt der Klimawandel dabei? Auch wenn viele Menschen im Herbst noch einmal an das Mittelmeer verreisen, um das warme Wetter und Meer genießen zu wollen, ist diese Jahreszeit dort die Hochsaison für Gewitter und das Wetter häufig alles andere als stabil.

Bei uns in Mitteleuropa ist die Hauptsaison der Gewittertätigkeit in den Sommermonaten. In dieser Zeit ziehen sich die Frontensysteme mit der Verlagerung des Jetstreams relativ weit nach Norden zurück. Das führt dazu, dass die Mittelmeerregion häufig im Einflussbereich der subtropischen Hochdruckgebiete liegt.

Dies sorgt dort in der Regel für trockenes und heißes Sommerwetter. Das Mittelmeer selber wirkt dabei zunächst noch zusätzlich stabilisierend, da es erst im Verlauf des Sommers zunehmend erwärmt wird. Das ist auch der Grund, warum viele Menschen gerne ihren Sommerurlaub dort verbringen. Längere Regenphasen kommen, abgesehen von örtlichen Gewittern, praktisch nicht vor.

Doch im Herbst verlagert sich der Jetstream langsam wieder südwärts. Damit nimmt die Tiefdrucktätigkeit wieder zu und Frontensysteme erreichen auch wieder die mediterranen Gebiete. Wenn dann mit einem Kaltluftvorstoß kühle Luft über das warme Mittelmeer gelangt, ist das die perfekte Kombination für das Entstehen von Schauern und Gewittern.

Warmes Mittelmeer als Energielieferant

Und jetzt kommt das extrem warme Mittelmeer mit ins Spiel. Denn je wärmer das Mittelmeer ist, desto mehr Energie hat es gespeichert, welche für die Bildung von schweren Schauern und Gewittern zur Verfügung steht. Und im Zuge der Klimakrise werden sich auch die Wassertemperaturen im Mittelmeer in Zukunft erhöhen, was das Potential für schwere Unwetter insbesondere durch Starkregen weiter erhöhen wird.

Zur Zeit liegt die Oberflächentemperatur im Mittelmeer immer noch bei tropischen 25 bis 29 Grad, gebietsweise sogar bei 30 Grad. Das sind verbreitet 3-5 Grad über dem klimatologischen Mittelwert! Dadurch ist das Potential für Starkniederschläge in den kommenden Monaten besonders hoch.

Wie auch bei den Unwettern letzte Woche, ist dabei Italien aufgrund seiner geographischen Form besonders prädestiniert. Das Land ist fast komplett vom Mittelmeer umgeben, wodurch sich durch die Küstenlinie immer Gebiete mit auflandigem Wind ergeben. Durch die hohen Gebirge im Land können sich dann zusätzlich noch Staueffekte ergeben, wie an den Alpen oder den Apenninen.

Aber auch andere Küstenregionen am Mittelmeer, wie in Südfrankreich, Südostspanien oder auch vom Balkan bis nach Anatolien sind immer wieder von heftigen Sturzfluten betroffen. Somit kann die Reise ans Mittelmeer im Herbst auch schnell im wahrsten Sinne des Wortes "ins Wasser fallen", während vielleicht bei uns über Mitteleuropa ein stabiles Hochdruckgebiet für den Altweibersommer sorgt.