Wieso der Meeresspiegel durch die Klimakrise rasant ansteigt!

Dass der Meeresspiegel durch die Klimakrise ansteigt, dürfte mittlerweile den meisten bekannt sein. Doch wie stark könnte er steigen? Und was sind die Folgen? Denn auch das Grönland-Eis schmilzt so schnell wie nie zuvor...

Grönland-Eis
Auch das Grönlandeis leidet stark unter der globalen Klimaerwärmung

Der wesentliche Treiber des Meeresspiegelanstiegs ist vor allem der Mensch. Dabei denken die meisten an schmelzende Gletscher. Doch es gibt noch weitaus mehr Faktoren, die durch den Menschen verstärkt werden und so den Meeresspiegel ansteigen lassen.

Es wird zwischen dem sterischen und eustatischen Meeresspiegelanstieg unterschieden. Beim sterischen handelt es sich um Faktoren, die dazu führen, dass sich das Ozeanwasser ausdehnt. Da die Ozeane von Kontinenten umgeben sind, steigt dadurch der Meeresspiegel an. Bei dem eustatischen handelt es sich dagegen um Faktoren, die dazu führen, dass Meerwasser in die Meere fließt. Ein gutes Beispiel hierfür sind die schmelzenden Gletscher.

Die Hauptrolle für den momentanen, globalen Meeresspiegelanstieg spielt aktuelle die Zunahme des Wasservolumen der Ozeane, die thermale Expansion. Wenn sich Wasser erwärmt, nimmt seine Dichte ab. Daraus folgt, dass das Wasservolumen zunimmt und der Meeresspiegel ansteigt. Dazu muss man wissen, dass 90% der Wärme, die durch den vom Menschen verursachten Klimawandel zusätzlich entsteht, von den Ozeanen aufgenommen wird. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass sich ohne die Ozeane die Atmosphäre noch viel stärker aufheizen würde.

Zusätzlich kommt immer mehr Wasser in die Ozeane (eustatischer Anstieg). Einen wesentlichen Beitrag hierfür leisten schmelzende Gletscher außerhalb der Polargebiete. Ein vollständiges Abschmelzen der Gletscher würde den Meeresspiegel schätzungsweise um 40 Zentimeter ansteigen lassen.

Das Grönland-Eis schmilzt rasant

Auch das Grönland-Eis leidet unter der globalen Klimaerwärmung, da der grönländische Eisschild schmilzt und somit zum Anstieg des globalen Meeresspiegels beiträgt. Forschungen haben eine deutliche Erhöhung der Temperatur in den Höhenlagen nachgewiesen. Dies hat auch Auswirkungen auf den Schmelzwasserabfluss in den Ozeanen.

In den Höhenlagen des grönländischen Eisschilds war das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts das bislang wärmste seit rund 1000 Jahren. Von 2001-2011 lag die Temperatur im Mittel um 1,5 Grad Celsius höher als im Durchschnitt des 20. Jahrhunderts. Das Team um Maria Hörhold vom Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut untersuchte Eisbohrkerne, die in Nord- und Zentralgrönland entnommen wurden. Anhand der stabilen Wasserisotope können Wissenschaftler*innen erkennen, wie hoch in vergangenen Zeiten die Lufttemperaturen waren.

In der Fachzeitschrift "Nature" schreibt die Forschungsgruppe, dass damit die globale Erwärmung nun auch in einer der abgelegensten Regionen der Welt nachweisbar sei. Der grönländische Eisschild ist die zweitgrößte zusammenhängende Inlandseismasse nach dem antarktischen Eisschild und erreicht eine Höhe von mehr als 3 Kilometer. Die Wahrscheinlichkeit, dass die gemessenen Temperaturen durch natürliche Schwankungen zu erklären seien, gingen gegen Null. "Damit ist die globale Erwärmung unzweifelhaft auf dem grönländischen Plateau angekommen", so die Glaziologin Hörhold in der "Nature". Die Daten seien "überraschend eindeutig".

Dies hat auch Auswirkungen auf den Schmelzwasserabfluss in den Ozean und damit auf die Erhöhung des Meeresspiegels. Aus Satellitenbeobachtungen der Eismassenänderung ist erkennbar, dass 2003-2016 der Schmelzwasserabfluss pro Jahr doppelt so hoch war wie im Zeitraum von 1961-1990.

Venedig wird untergehen

Der Meeresanstieg trifft sämtliche Küstenregionen der Erde, etwa durch Küstenerosion, Sturmfluten und Überschwemmungen. Am stärksten betroffen sind dabei Länder, sie sich keinen Küstenschutz leisten können. Neuste Forschungsergebnisse zeigen, dass bis zum Ende des Jahrhunderts weltweit 630 Millionen Menschen vom Meeresspiegelanstieg betroffen sein könnten. Besonders gefährdet sind Asien, kleine Inselstaaten und Atolle. Asien trifft es dabei besonders stark, denn der Meeresspiegel steigt hier schneller als im globalen Durchschnitt und rund 70% der Einwohner leben entlang der dichtbesiedelten Küsten.

Aber auch Europa und Deutschland werden die Folgen zu spüren bekommen. Zwar sind hier viele Küstenbereiche durch Deiche gut geschützt, doch auch sie bieten keine hundert prozentige Sicherheit vor Sturmfluten.

In Europa gilt insbesondere die Lagune Venedigs als besonders vom Meeresspiegelanstieg bedroht. Zwar soll das Hochwasserschutzsystem MOSE die Stadt vor einer Flut schützen. Da die Stadt aber auf Sedimenten der letzten Kaltzeit gebaut ist, sinkt sie jedes Jahr um 3,3 Millimeter ab. Daher kann trotz aller Hochwasserschutzmaßnahmen der Untergang der Lagunenstadt nur hinausgezögert, aber langfristig nicht verhindert werden.