„Hängt das Laub bis in den November hinein, wird der Winter lange sein“: Droht uns nun ein langer Winter?

Der Herbst 2026 lässt sich mit dem Blattfall offenbar etwas mehr Zeit als sonst. Eine alte Bauernregel sieht darin ein Zeichen für einen langen Winter. Was ist da dran?

Könnte uns ein langer und kalter Winter bevorstehen? Was der späte Blattfall der Bäume über den Winter aussagt... © Tobias Röser
Könnte uns ein langer und kalter Winter bevorstehen? Was der späte Blattfall der Bäume über den Winter aussagt... © Tobias Röser

Der November beginnt, doch längst nicht alle Bäume haben ihre Blätter verloren. Tatsächlich deutet sich in diesem Jahr ein verspäteter Blattfall an. Beobachtungen des Deutschen Wetterdienstes zeigen, dass bereits die herbstliche Blattverfärbung etwas hinter dem üblichen Zeitplan zurückliegt.

Dazu passt eine bekannte Bauernregel: „Hängt das Laub bis in den November hinein, wird der Winter lange sein.“ Doch können Bäume tatsächlich etwas über die kommenden Wintermonate verraten?

Warum verlieren Bäume im Herbst überhaupt ihre Blätter?

Der jährliche Blattfall ist für viele heimische Laubbäume eine wichtige Vorbereitung auf den Winter. Bei niedrigen Temperaturen und geringer Sonneneinstrahlung lohnt es sich kaum noch, die Blätter für die Fotosynthese zu erhalten. Gleichzeitig würden sie weiterhin Wasser verlieren, das bei gefrorenem Boden nur eingeschränkt nachgeliefert werden kann.

Aktuell tragen viele Bäume noch bunte Blätter, obwohl bereits der November begonnen hat. Was steckt dahinter? © Tobias Röser
Aktuell tragen viele Bäume noch bunte Blätter, obwohl bereits der November begonnen hat. Was steckt dahinter? © Tobias Röser

Deshalb beginnt der Baum rechtzeitig damit, Chlorophyll abzubauen und wertvolle Nährstoffe aus den Blättern zurückzugewinnen. Andere Farbstoffe werden sichtbar und sorgen für die typischen gelben, orangefarbenen und roten Herbstfarben.

Anschließend bildet sich am Blattansatz eine Trennschicht. Die Verbindung zum Zweig wird geschwächt, bis sich das Blatt schließlich löst. Wann dieser Prozess stattfindet, hängt jedoch von mehreren Faktoren ab.

Temperatur und Tageslänge bestimmen den Blattfall

Eine besonders wichtige Rolle spielt die abnehmende Tageslänge. Sie liefert den Bäumen jedes Jahr ein verlässliches Signal, dass der Winter näher rückt. Anders als das Wetter verändert sich die Tageslänge unabhängig davon, ob ein Herbst ungewöhnlich warm oder kalt ausfällt.

Allerdings beeinflussen auch die Temperaturen den Zeitpunkt der Blattverfärbung. Milde Herbstnächte können den Prozess verzögern, während mehrere kalte Nächte ihn begünstigen. Auch Trockenheit kann dazu führen, dass Blätter früher altern und abgeworfen werden.

Doch egal wie spät die Bäume ihre Blätter in diesem Herbst abwerfen, eines steht fest: Auch in diesem Jahr wird es nicht mehr lange dauern, bis das Laub endgültig von den Bäumen ist © Tobias Röser
Doch egal wie spät die Bäume ihre Blätter in diesem Herbst abwerfen, eines steht fest: Auch in diesem Jahr wird es nicht mehr lange dauern, bis das Laub endgültig von den Bäumen ist © Tobias Röser

Genau das lässt sich auch in diesem Herbst beobachten. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes war die Blattverfärbung der Stieleiche Mitte Oktober noch nicht vollständig abgeschlossen. Im langjährigen Mittel der Jahre 2011 bis 2025 ist diese Phase eigentlich schon um den 19. Oktober beendet.

Da es bislang vergleichsweise wenige kalte Nächte gegeben hatte, rechnete der DWD auch beim anschließenden Blattfall mit einer Verzögerung.

Bedeutet später Blattfall also einen langen Winter?

So nachvollziehbar die alte Bauernregel zunächst erscheint, wissenschaftlich lässt sie sich nicht bestätigen. Bäume reagieren hauptsächlich auf bereits eingetretene und gegenwärtige Umweltbedingungen. Sie können jedoch nicht erkennen, welche Großwetterlagen sich in mehreren Wochen oder Monaten entwickeln werden.

Ein milder Oktober kann beispielsweise den Blattfall verzögern. Trotzdem kann anschließend ein kurzer, milder oder auch ein ausgesprochen kalter Winter folgen. Die atmosphärischen Prozesse, die unser Winterwetter bestimmen, lassen sich nicht aus dem Zustand der Blätter ableiten.

Interessant ist allerdings, dass sich der Zeitpunkt des herbstlichen Blattfalls durch den Klimawandel langfristig verändern kann. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass steigende Temperaturen die Blattalterung bei vielen Laubbäumen verzögern können, wobei die Reaktion je nach Baumart und Witterungsverlauf unterschiedlich ausfällt.

Die Bäume verraten uns also durchaus etwas über den bisherigen Herbst – aber nicht darüber, wie lange der kommende Winter dauern wird.