Brauner statt goldener Oktober: Dürre-Sommer raubt uns die Herbstfarben – Wetterforscher warnt vor bitteren Folgen

Statt leuchtendem Rot und Gold sieht man vielerorts nur braunes, vertrocknetes Laub. Der Hitzesommer schlägt jetzt zurück, und für die Bäume hat das unangenehme Folgen.
Eigentlich ist das jetzt die schönste Zeit des Jahres. Normalerweise würden Ahorn, Buche und Eiche in diesen Tagen in kräftigem Rot, Orange und Gold leuchten. Doch wer in diesem Herbst durch den Wald oder die Parks spaziert, reibt sich verwundert die Augen.
Vielerorts hängen die Blätter braun, schlapp und vertrocknet an den Ästen, oder sie liegen längst raschelnd am Boden. Der goldene Oktober zeigt sich in vielen Regionen Deutschlands nur noch von seiner blassen Seite. Schuld daran ist ein Sommer, der den Bäumen alles abverlangt hat.
Der Dürre-Sommer schlägt jetzt zurück
Monatelang brannte die Sonne vom Himmel, dazu kamen Hitzewellen und kaum nennenswerter Regen. Die Böden sind in vielen Gegenden bis tief hinunter staubtrocken. Für die Bäume bedeutete das über Wochen hinweg puren Überlebenskampf.

Viele von ihnen haben deshalb die Notbremse gezogen. Mit dem sogenannten Notabwurf trennen sie sich vorzeitig von ihren Blättern, um über die große Blattfläche kein weiteres Wasser zu verlieren. Was für den Baum lebenswichtig ist, kostet uns das bunte Herbstspektakel.
So entstehen die leuchtenden Herbstfarben
Damit sich das Laub richtig verfärbt, braucht es einen geordneten Rückzug. Im Herbst baut der Baum den grünen Blattfarbstoff Chlorophyll ab und holt die wertvollen Nährstoffe zurück in Stamm und Wurzeln. Erst dann kommen die gelben und orangefarbenen Töne zum Vorschein, die den ganzen Sommer über verborgen waren.
Das kräftige Rot bildet der Baum dagegen eigens im Herbst neu. Dafür braucht er sonnige Tage, kühle Nächte und genügend Zucker in den Blättern. Fehlt ihm durch die Trockenheit die Kraft, bleibt dieser Prozess auf der Strecke. Die Blätter vertrocknen dann einfach und werden braun statt bunt.
Zu milde Nächte bremsen das Farbspiel zusätzlich
Hinzu kommt ein weiteres Problem. Nach dem extrem warmen Sommer ist auch der Herbst bislang deutlich zu mild ausgefallen. Gerade die kühlen, klaren Nächte sind aber wichtig, damit sich die roten Farbstoffe im Blatt richtig anreichern.
Bleiben die Temperaturen nachts zu hoch, fällt das Farbspiel deutlich blasser aus. Selbst Bäume, die den Sommer einigermaßen überstanden haben, zeigen deshalb oft nur ein mattes Gelb. Der berühmte Indian Summer, für den Touristen sonst bis nach Nordamerika reisen, fällt hierzulande in diesem Jahr vielerorts aus.
Nicht überall ist der Herbst verloren
Ganz so düster sieht es allerdings nicht in jeder Region aus. Wo im Spätsommer noch ein paar kräftige Gewitter oder Regenfälle niedergingen, konnten sich die Bäume teilweise erholen. Dort leuchten die Wälder durchaus noch in schönen Farben.
Auch in höheren Lagen und an feuchteren Standorten wie Flussufern sieht es oft besser aus. Wer das Farbspektakel trotzdem erleben will, sollte sich also gezielt umschauen. Ein Ausflug in die Mittelgebirge kann sich in den kommenden Tagen durchaus lohnen.
Diese Folgen drohen jetzt für Wald und Garten
Das braune Laub ist leider mehr als nur ein optisches Ärgernis. Bäume, die ihre Blätter vorzeitig abwerfen, konnten weniger Reserven für den Winter einlagern. Sie gehen geschwächt in die kalte Jahreszeit und sind im nächsten Frühjahr anfälliger für Schädlinge wie den Borkenkäfer.

Gartenbesitzer können ihren Bäumen jetzt noch helfen. Gießen Sie vor allem junge Bäume und Sträucher bei trockenem Wetter durchdringend, auch wenn es schon Herbst ist. Lassen Sie das Laub unter Hecken und Sträuchern ruhig liegen, denn es schützt den Boden vor dem Austrocknen. Am meisten würde der Natur aber ein ordentlicher Landregen helfen.