Weltnaturkonferenz endet mit Warnsignal: Warum beim Kampf gegen das Artensterben die Zeit drängt

Artensterben bedroht unsere Lebensgrundlagen, doch der weltweite Naturschutz kommt viel zu langsam voran. Nach der Weltnaturkonferenz steht fest: Bis 2030 muss aus politischen Versprechen endlich wirksamer Schutz für Natur werden.

Biodiversität steht auf dem Spiel: Die Weltnaturkonferenz mahnt zum Handeln gegen das Artensterben.
Biodiversität steht auf dem Spiel: Die Weltnaturkonferenz mahnt zum Handeln gegen das Artensterben.

Zwei Wochen lang wurde beraten, gestritten und um Formulierungen gerungen. Am Morgen des 31. Oktober endete die 17. Weltnaturkonferenz im armenischen Eriwan Und zurück bleibt eine Bilanz zwischen vorsichtiger Hoffnung und gewaltigem Handlungsdruck: Es gibt Fortschritte beim internationalen Naturschutz.

Doch die bisherigen Maßnahmen wirken nicht schnell genug: Die Staatengemeinschaft droht ihr Versprechen zu brechen, den Verlust biologischer Vielfalt bis 2030 zu stoppen und umzukehren.

Das ist die zentrale Erkenntnis der ersten globalen Überprüfung des Biodiversitätsrahmens von Kunming-Montreal. Diesen 'Rahmen' hatte die Staatengemeinschaft 2022 beschlossen. Er umfasst 23 Handlungsziele für 2030 und vier langfristige Ziele für 2050.

Nun zeigt sich, wie groß die Lücke zwischen internationalen Vereinbarungen und ihrer Umsetzung weiterhin ist.

Die Ergebnisübersicht des CBD-Sekretariats bringt es deutlich zum Ausdruck: Die Welt liegt bei der Erreichung der globalen Biodiversitätsziele nicht auf Kurs.

Die Konferenz musste deshalb vor allem eine Frage beantworten: Wie lässt sich aus den bisherigen Versprechen tatsächlich schneller und wirksamer Naturschutz machen?

Ein neuer Pfad soll die Wende bringen

Die Antwort trägt den Namen „Pfad von Eriwan“. Das vereinbarte Maßnahmenpaket soll die Umsetzung beschleunigen und die festgestellten Lücken verkleinern. Nach Angaben des CBD-Sekretariats geht es dabei auch um wirtschaftliche Entscheidungen, die weit über klassische Schutzgebiete hinausreichen.

  • So sollen naturschädliche Subventionen und andere problematische Anreize angegangen werden.
  • Nationale Haushalte und wirtschaftspolitische Entscheidungen sollen stärker mit den Biodiversitätszielen übereinstimmen.
  • Entwicklungsländer benötigen dafür mehr finanzielle, wissenschaftliche und technische Unterstützung.
  • Zugleich sollen die Staaten genauer erfassen und überprüfen, welche Fortschritte ihre Maßnahmen tatsächlich erzielen. Denn ein angekündigtes Schutzprogramm und eine messbare Verbesserung für die Natur sind zwei unterschiedliche Dinge.

Mehr als 40 Beschlüsse wurden laut CBD-Sekretariat insgesamt unter der Biodiversitätskonvention und ihren beiden Protokollen verabschiedet. Sie betreffen unter anderem wissenschaftliche Grundlagen, die Bereitstellung von Wissen, Erfolgskontrollen und praktische Unterstützung für die Umsetzung.

Beim Geld bleibt die große Lücke

Besonders schwierig waren erneut die Verhandlungen über die Finanzierung. Laut Bundesumweltministerium wurde eine Grundlage geschaffen, auf der bei der nächsten Konferenz weitergehende Entscheidungen über den dauerhaften Finanzierungsmechanismus getroffen werden können.

Bis zur nächsten Weltnaturkonferenz soll geklärt werden, welche weiteren Länder sich an der Finanzierung des weltweiten Naturschutzes beteiligen. Das Geld soll besonders armen Ländern und kleinen Inselstaaten helfen, ihre Naturschutzziele umzusetzen.

Leider: Eine abschließend gesicherte Finanzierung bedeutet dieses Ergebnis nicht, vielmehr bleibt eine der entscheidenden Voraussetzungen für die Umsetzung Gegenstand weiterer Verhandlungen und für den vereinbarten Prozess ist man weiterhin noch auf der Suche nach verlässlichen Lösungsstrategien führen.

Ähnlich fällt die Bilanz beim Cali-Fonds aus:

Unternehmen nutzen digital gespeicherte Erbinformationen von Pflanzen, Tieren oder Mikroorganismen beispielsweise zur Entwicklung neuer Produkte. Über Einzahlungen in den Fonds sollen wirtschaftliche Vorteile daraus gerechter geteilt und der weltweite Naturschutz unterstützt werden.

Mit jeder verlorenen Art steht mehr auf dem Spiel: Die Weltnaturkonferenz fordert schnelleres Handeln zum Schutz unserer Lebensgrundlagen.
Mit jeder verlorenen Art steht mehr auf dem Spiel: Die Weltnaturkonferenz fordert schnelleres Handeln zum Schutz unserer Lebensgrundlagen.

Doch auch nach der Konferenz ist noch nicht vollständig geklärt, wie der Fonds in der Praxis funktionieren soll. Klarere Regeln sollten Unternehmen die Einzahlung erleichtern – darüber müssen die Staaten nun weiterverhandeln.

Mehr Mitsprache für indigene Gemeinschaften- in institutioneller Fortschritt

Ein enormer Schwerpunkt war die Beteiligung indigener Völker und lokaler Gemeinschaften. Ihre Rechte, ihr traditionelles Wissen und ihre Rolle bei Entscheidungen sollen nach Darstellung des Ministeriums zukünftig stärker berücksichtigt werden.

Dafür wurden die Arbeitsmodalitäten eines bereits auf der vorherigen Konferenz beschlossenen Nebenorgans festgelegt: Indigene Völker und lokale Gemeinschaften sollen dort unter anderem im gemeinsamen Vorsitz und im Beirat vertreten sein.

Zusätzliche Leitlinien sollen die nationale Anerkennung indigener und traditioneller Territorien unterstützen. Das ist ein institutioneller Fortschritt. Eine umfassende weltweite Absicherung sämtlicher Land- und Nutzungsrechte lässt sich bedauerlicher weise daraus jedoch nicht ableiten.

Deutschland verspricht Einsatz – die Umsetzung muss folgen

Bundesumweltminister Carsten Schneider verweist auf Fortschritte bei Schutzgebieten und der Erholung geschädigter Natur. Gleichzeitig beschreibt er zähe Verhandlungen und kritisiert Staaten, die aus seiner Sicht weniger Verantwortung übernehmen wollten, auch finanziell.

Deutschland werde sich weiter für Schutzgebiete an Land und auf See einsetzen und die Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme vorantreiben. Unterstützung bei nationalen Naturschutzplänen soll außerdem eine von Deutschland und Kolumbien gegründete Partnerschaft leisten. Nach Ministeriumsangaben gehören ihr inzwischen 77 Länder an.

Die nächste Weltnaturkonferenz soll 2028 in Ecuador stattfinden. Bis dahin liegt die Verantwortung bei den Staaten: Sie müssen Budgets, Förderpolitik und konkrete Maßnahmen mit ihren Zusagen zusammenbringen. Ob Eriwan tatsächlich eine Wende einleitet, wird sich daran zeigen, was sich für die Natur vor Ort verändert.

Die nächste Weltnaturkonferenz soll 2028 in Ecuador stattfinden. Bis dahin sollen zentrale Finanzierungsfragen weiter geklärt werden. Dann bleiben nur noch zwei Jahre bis zur Zielmarke 2030. Ob die Beschlüsse von Eriwan ausreichen, hängt deshalb auch davon ab, was die Staaten schon vor dem nächsten Gipfel umsetzen.

Artikelreferenzen

Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN). (31.10.2026). Abschluss der 17. Weltnaturkonferenz: Ehrliche Bestandsaufnahme – aber noch viele Hausaufgaben für den internationalen Naturschutz.
WWF Deutschland. (31.10.2026). Mehr Süßes als Saures.
ekretariat der Convention on Biological Diversity (CBD) / UN Biodiversity. 2026 UN Biodiversity Conference – Main Outcomes.