Haie und Thunfische: Warum die großen Meeresräuber im Klimawandel doppelt belastet werden

Einige der eindrucksvollsten Jäger der Meere geraten in eine gefährliche Lage: Haie und Thunfische heizen sich buchstäblich selbst auf – und zahlen dafür einen immer höheren Preis, wie eine neue Studie nun eindrücklich belegt.

Einige Meeresbewohner gehören der seltenen Gruppe der mesothermen (auch: mischwarmen) Tiere an, etwa Haie und Thunfisch. Bild: Amanda Bear/Unsplash
Einige Meeresbewohner gehören der seltenen Gruppe der mesothermen (auch: mischwarmen) Tiere an, etwa Haie und Thunfisch. Bild: Amanda Bear/Unsplash

Durch steigende Wassertemperaturen geraten einige der schnellsten Raubfische der Welt zunehmend an ihre Grenzen. Eine neue Studie zeigt nun, dass mischwarme Meeresräuber wie Haie und Thunfische gleich doppelt gefährdet sind: Einerseits benötigen die Tiere enorme Energiemengen, andererseits verschlechtern sich durch den Klimawandel ihre Lebensbedingungen und Nahrungsressourcen.

Mesothermie bezeichnet eine biologische Zwischenform zwischen endotherm (Temperatur von innen) und ektotherm (Temperatur von außen). Mesotherme Tiere erzeugen zwar Wärme durch ihren Stoffwechsel (endotherm), können aber ihre Körpertemperatur nicht immer konstant halten und passen sich teilweise der Umgebungstemperatur an (ektotherm).

Forschende des Trinity College Dublin und der Universität Pretoria haben nun herausgefunden, dass sogenannte mesotherme Fische das Vielfache der Energie vergleichbarer kaltblütiger Arten verbrauchen. Zu der seltenen Gruppe der mesothermen Fische zählen unter anderem Weiße Haie, Riesenhaie, Mondfische und Thunfische. Nur weniger als 0,1 Prozent aller Fischarten besitzen die Fähigkeit, Teile des Körpers wärmer als das umgebende Wasser zu halten.

Anpassung mit Nebenwirkungen

Die innere Wärmeproduktion hat gewisse Vorteile: höhere Geschwindigkeiten, lange Wanderungen und eine effizientere Jagd. Doch sie hat auch ihren Preis. „Die Ergebnisse waren wirklich bemerkenswert – nachdem wir Körpergröße und Temperatur berücksichtigt hatten, stellten wir fest, dass mesotherme Fische etwa 3,8-mal mehr Energie verbrauchen als gleich große kaltblütige Fische“, erklärt Dr. Nicholas Payne von der Trinity’s School of Natural Sciences.

Außerdem erhöht ein Anstieg der Körpertemperatur um 10 °C den Grundumsatz des Fisches um mehr als das Doppelte, was praktisch bedeutet, dass warmblütige Räuber weit mehr konsumieren müssen, um ihren Lebensstil aufrechterhalten zu können.

Mit zunehmender Körpergröße verschärft sich das Problem. Die erhöhte Energienachfrage sei jedoch nur ein Teil der Geschichte, sagt Payne. „Mit wachsender Körpergröße erzeugen Fische schneller Wärme, als sie sie verlieren können.“

Flucht in kühlere Gewässer

Die Forschenden entwickelten ein Modell, das sogenannte Wärmeschwellen berechnet. Wärmeschwellen sind die Temperaturmarken, ab denen Fische ihre Körperwärme nicht mehr richtig regulieren können.

„Ein etwa eine Tonne schwerer warmblütiger Hai könnte Schwierigkeiten haben, in Gewässern über etwa 17 °C im Gleichgewicht zu bleiben.“

– Prof. Andrew Jackson, Trinity’s School of Natural Sciences, Letztautor

Wird es zu warm, müssen die Tiere reagieren: langsamer schwimmen, ihre Durchblutung anpassen oder in tiefere Gefilde ausweichen. „Das hat jedoch seinen Preis – es könnte schwieriger werden, Nahrung zu finden oder zu fangen, besonders wenn Geschwindigkeit und Kraft die wichtigsten Jagdwerkzeuge sind“, erläutert Prof. Andrew Jackson von der Trinity’s School of Natural Sciences, der die Studie geleitet hat.

Klimawandel verschärft die Lage

Die Ergebnisse erklären, warum große Raubfische häufig in kühleren Regionen, größeren Tiefen oder höheren Breiten vorkommen. Viele Arten folgen saisonal optimalen Temperaturen. Doch diese Rückzugsräume schrumpfen. Besonders im Sommer könnten geeignete Lebensräume nun deutlich kleiner werden.

Selbst anpassungsfähige Arten wie der Atlantische Blauflossen-Thunfisch stoßen an Grenzen, wenn sich die Ozeane weiter erwärmen. „Diese Forschung zeigt, dass ein Hochleistungsräuber im Ozean zu sein mit höheren Kosten verbunden ist, als wir bisher angenommen haben“, sagt Dr. Edward Snelling von der Universität Pretoria.

Zusätzlich wird die Situation durch Überfischung verschärft. Viele Arten haben ohnehin einen engen Energiehaushalt. „Besonders besorgniserregend ist, dass diese Tiere bereits am Limit arbeiten und der Klimawandel ihre Optionen weiter einschränkt“, warnt Snelling.

Alarmzeichen für die Zukunft

Die Forschenden sehen Parallelen zu früheren Erdzeitaltern. Fossilien deuten darauf hin, dass große mischwarme Meeresräuber schon immer besonders empfindlich auf Klimaveränderungen reagiert haben. „Die Folgen sind ernüchternd, denn diese Erkenntnisse bringen diese Tiere in eine doppelte Gefährdung“, sagt Payne.

Viele mesotherme Fische sind bereits stark durch Überfischung betroffen.

Die Studie stellt einen neuen Ansatz dar, wie gefährdete Arten im Klimawandel besser ermittelt werden können. Dabei fällt auf, dass gerade die schnellsten und stärksten Jäger sich als besonders verletzlich erweisen. Das Wissen über ihren Wärmehaushalt könnte letztlich über Schutzmaßnahmen entscheiden – bevor die Ozeane für die Giganten endgültig zu heiß werden.

Quellenhinweis:

Payne, N. L., et al. (2026): Mesothermic fishes face high fuel demands and overheating risk in warming oceans. Science, 392, 301–305.

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