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Gibt es einen besonders starken Gletscherschwund in diesem Jahr?

Seit Jahrzehnten werden die Alpengletscher kleiner und verschwinden zunehmend! Schuld daran ist der Klimawandel, der durch steigende Temperaturen die Gletscherschmelze begünstigt. Doch in diesem Jahr ist die Lage besonders dramatisch! Doch was sind die Gründe dafür?

Gletscherschmelze
Die Gletscher in den Alpen schmelzen durch den Klimawandel immer schneller

Noch gibt es Gletscher in den Alpen und sie speichern gigantische Wassermassen. Durch den Klimawandel ist es aber nur noch eine Frage der Zeit, bis sie geschmolzen sind! Um 1850 betrug die vergletscherte Fläche in den Alpen 4500 Quadratkilometer. Die Gesamtfläche der heute noch existierenden circa 4400 Alpengletscher summiert sich auf nur noch 1806 Quadratkilomter.

Dabei ist das Eis der Gletscher ein wahres Klimaarchiv. Gebirgsgletscher gelten als Schlüsselindikatoren für Klimaänderungen, sozusagen das sichtbare Zeichen dessen. Gletscher reagieren nicht auf kurzfristige Wetterwechsel oder vorübergehenden Ereignissen, sondern sind vielmehr ein Indikator für langfristige Trends.

Wie entstehen Gletscher?

Gletscher entstehen, indem sich Schnee im Gebirge über Jahre hinweg ansammelt, unter dem eigenen Druck verdichtet und dadurch in Eis umgewandelt wird. Das Eis fließt durch die Schwerkraft langsam talwärts und schmilzt dort schließlich wieder.

In den höher gelegenen Bereichen eines Gletschers, dem sogenannten Akkumulationsgebiet, wird im Winter mehr Schnee akkumuliert als im Sommer schmelzen kann. In den tiefer gelegenen Bereichen, dem Ablationsgebiet, schmilzt der Winterschnee jeden Sommer gänzlich weg, woraufhin auch ein Teil des darunter liegenden Eises abtaut.

Ist die Akkumulation auf der Gletscherfläche gleich groß wie die Ablation, befindet sich ein Gletscher mit dem Klima im Gleichgewicht. Dann behält er seine Form, stößt also weder vor, noch zieht er sich zurück. Dieses schwankt dabei natürlicherweise von Jahr zu Jahr, abhängig von der jeweiligen Witterung.

Vereinfacht gesagt, wächst der Gletscher in der Summe, wenn er im Winter mehr Masse aufbauen kann, als im Sommer geschmolzen ist. Dabei schützt der gefallene Neuschnee das Gletschereis vor den warmen Sonnenstrahlen. Das bedeutet, dass die Massenbilanz für die Zu- oder Abnahme eines Gletschers ausschlaggebend ist.

Die Sommer sind entscheidend

Entgegen der landläufigen Annahme sind für die langfristige Entwicklung der Alpengletscher aber nicht die Winter, sondern die Sommer entscheidend. So schützt eine frische Schneedecke im Sommer den Gletscher etwa eine Woche vor der Sonnenstrahlung. Diese wird durch den frisch gefallenen Schnee quasi zu 100% reflektiert. Am ungeschützten Gletscher hingegen kann im Sommer die Eisdicke in einer Woche um rund einen halben Meter abnehmen.

Doch warum ist die Lage dieses Jahr jetzt schon so dramatisch? Zum einen gab es schon im Mai die erste Hitzewelle und es wurde auch im Alpenraum mehrere Hitzetage verzeichnet. Zum anderen gab es in den letzten Monaten mehrere sogenannte Saharastaub -Ereignisse, die sich ungünstig auf die Schneedecke auswirken.

Jeder Saharastaubfall über die Eis- und Schneeflächen verschlimmert die Situation, da die dunklen Partikel nicht einfach so verschwinden können. Laut dem Schweizer Glaziologen Matthias Huss verstärken die auffällig starken Saharastaub-Ereignisse kurz-, aber auch längerfristig die Gletscherschmelze.

Und zu guter Letzt wurde der Saharastaub-Effekt noch dadurch verstärkt, dass der letzte Winter in den Alpen sehr sonnig und schneearm war. Das bedeutet vereinfacht ausgedrückt, dass den Gletschern gewissermaßen die Nahrung fehlt. Das trocken-warme Frühjahr und auch die jüngste Hitzewelle taten ihr übriges!

Auch wenn die Ausgangsbedingungen für die Alpengletscher in diesem Jahr bisher extrem ungünstig sind, wird wie oben schon beschrieben, aber der kommende Sommer darüber entscheiden, wie dramatisch der Gletscherschwund letztendlich ausfallen wird! Ein kühler und niederschlagsreicher Sommer wäre dabei Gold wert, auch wenn bisher wenig dafür spricht! Die Hoffnung aber stirbt bekanntlich zuletzt.