Der Jetstream: was er ist und warum er Europas Wetter steuert
Ende Mai 2026 kletterten die Temperaturen in Teilen Westeuropas auf Rekordwerte, während sich über Mitteleuropa eine stabile Hitzeglocke festsetzte. Verantwortlich dafür war ein Wettermuster, das direkt mit einem der wichtigsten Steuerungselemente unseres Wetters zusammenhängt: dem Jetstream.

Ende Mai 2026 meldeten mehrere Wetterdienste in kurzer Folge Rekordwerte. Am Oberrhein kletterte das Thermometer laut Deutschem Wetterdienst (DWD) auf bis zu 34 Grad.
Im britischen Kew Gardens maß der Met Office mit 35,1 Grad den heißesten Mai-Tag der britischen Messgeschichte, und Météo-France bestätigte für Frankreich den wärmsten Mai-Tag überhaupt. Auch in Portugal und Irland fiel laut dem europäischen Klimadienst Copernicus der bisherige Mai-Rekord.
Grund war laut DWD eine Omega-Wetterlage. Ein Hoch setzte sich zwischen zwei Tiefdruckgebieten fest, weil der Jetstream stark gewellt war und den Westwind blockierte.
Ein Starkwindband hoch über unseren Köpfen
Der Jetstream ist ein schmales Starkwindband in der oberen Troposphäre, meist 9 bis 12 Kilometer über dem Boden. Er entsteht dort, wo kalte Polarluft und wärmere Luft der mittleren Breiten aufeinandertreffen.
Der Temperaturunterschied erzeugt ein Druckgefälle, die Erdrotation lenkt die ausgleichende Strömung ab, und weil in dieser Höhe kaum Reibung bremst, erreicht der Wind Geschwindigkeiten von 200 bis 400 km/h, in Spitzen sogar mehr.
Fachleute unterscheiden den Polarjet, der kalte Polarluft von milderer Luft trennt, vom weiter südlich gelegenen Subtropenjet.
Der Jetstream zieht sich als Band über mehrere Tausend Kilometer um die Erde, ist dabei aber nur wenige Hundert Kilometer breit.

Warum er wie ein Fluss mäandriert
Der Jetstream verläuft nicht schnurgerade um den Globus, sondern mäandriert wellenförmig wie ein Fluss. Diese Wellen entscheiden mit, ob sich das Wetter rasch verändert oder über Tage hinweg stecken bleibt.
Genau das lag im Mai 2026 vor. Ein Hoch blieb zwischen zwei Tiefs eingekeilt und kam kaum vom Fleck. Der DWD beschreibt den Jetstream deshalb als „lenkende Autobahn für Sturmtiefs samt Tiefausläufer“ – und ebenso für die Hochs, die zwischen ihnen feststecken.
Wird der Jetstream durch den Klimawandel wackeliger?
Ob die rasche Erwärmung der Arktis den Jetstream tatsächlich instabiler und wellenreicher macht, ist unter Klimaforschenden nicht abschließend geklärt. Der Weltklimarat IPCC stuft den physikalischen Grundeffekt, die schrumpfende Temperaturdifferenz zwischen Arktis und mittleren Breiten, als gut belegt ein.
Die daraus abgeleitete Folge, häufigere blockierende Wetterlagen, bewertet der IPCC dagegen als deutlich weniger gesichert. Ein Teil der Forschung sieht wachsende Evidenz für den Zusammenhang, andere Studien finden in den Beobachtungsdaten bislang keinen eindeutigen Trend gegenüber der natürlichen Schwankungsbreite.
Artikelreferenz
IPCC. (2021). Sechster Sachstandsbericht (AR6), Arbeitsgruppe I, Kapitel 11: „Weather and Climate Extreme Events in a Changing Climate“.