2,8 Grad Erwärmung: UN-Klimabericht warnt vor verfehlten Klimazielen – und vor weiteren Naturkatastrophen
Die Vereinten Nationen schätzen, dass die globale Klimapolitik bei Weitem nicht ausreichen wird, um die Erderwärmung wirksam zu begrenzen. Ein neuer Bericht prognostiziert einen Temperaturanstieg von 2,8 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts. Selbst die vollständige Umsetzung aller angekündigten Maßnahmen würde die Entwicklung nur geringfügig bremsen.

Die Erde steuert auf eine viel stärkere Erwärmung zu, als es das Pariser Klimaabkommen vorsieht. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Emissions Gap Report des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP). Werden die gegenwärtigen klimapolitischen Maßnahmen fortgesetzt, könnte die globale Durchschnittstemperatur bis 2100 um 2,8 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau steigen.
Auch die vollständige Umsetzung sämtlicher bisher angekündigter Klimaschutzmaßnahmen ändert daran nichts. Sie würde den Temperaturanstieg lediglich auf 2,6 Grad begrenzen. Damit bleibt die Weltgemeinschaft weit von ihrem vereinbarten Ziel entfernt, die Erwärmung möglichst auf 1,5 Grad und auf deutlich unter zwei Grad zu beschränken.
Jedes Zehntelgrad verschärft die Risiken
Der jährliche Bericht vergleicht die vorhergesagten Treibhausgasemissionen mit jenen Mengen, die erforderlich wären, um die internationalen Klimaziele zu erreichen. Gegenüber der letzten Ausgabe haben sich die Aussichten verschlechtert. Als wesentliche Gründe nennt UNEP den Rückzug der USA unter Präsident Donald Trump aus früheren Klimaschutzplänen sowie nachträgliche Datenkorrekturen zum bisherigen Treibhausgasausstoß.

Die Folgen einer zunehmenden Erwärmung sind bereits jetzt weltweit spürbar. UNEP-Direktorin Inger Andersen warnt, jeder Bruchteil eines Grades oberhalb der 1,5-Grad-Marke erhöhe das Risiko tödlicher Überschwemmungen, Hitzewellen und Waldbrände. Auch UN-Generalsekretär António Guterres bewertet die bisherigen Anstrengungen als unzureichend. Der weltweite Treibhausgasausstoß befinde sich weiterhin auf Rekordniveau.
Eine dauerhafte Einhaltung der 1,5-Grad-Grenze hält der Bericht inzwischen für unrealistisch. Dennoch lasse sich eine zeitweilige Überschreitung immerhin abmildern: „Wir können sie immer noch so gering und so kurz wie möglich halten“, so Guterres.
Massive Einschnitte erforderlich
Ein optimistisches Szenario zeigt, welche Veränderungen notwendig wären: Demnach könnte sich die Erde bis zur Mitte des Jahrhunderts erst um 1,7 bis 1,8 Grad erwärmen und bis zum Jahr 2100 wieder auf 1,5 Grad zurückkehren. Dafür müssten die Emissionen gegenüber 2025 bis 2030 um 18 Prozent, bis 2035 um 45 Prozent und bis 2040 um 69 Prozent sinken.

Die bisherigen Zusagen reichen dafür jedoch nicht annähernd aus. Sie würden den Ausstoß bis zum Jahr 2030 lediglich um 5 bis 8 Prozent und bis zum Jahr 2035 um 11 bis 15 Prozent verringern. Ohne rasches Gegensteuern wird auch das günstigere Szenario zunehmend unerreichbar.
Viel realistischer hingegen lässt sich erreichen, dass die Erwärmung noch auf 2,1 Grad begrenzt wird. Doch auch in diesem günstigeren Netto-Null-Szenario besteht eine 10-prozentige Wahrscheinlichkeit für einen noch viel höheren Temperaturanstieg bis 2,9 Grad Celsius (siehe Grafik).
Direktorin Andersen verweist zugleich auf Fortschritte: Seit dem Pariser Abkommen seien erneuerbare Energien etwa dreimal so schnell gewachsen wie damals erwartet. Bei der Weltklimakonferenz im türkischen Antalya, die am 9. November beginnt, dürfte deshalb die Umsetzung wirksamerer Maßnahmen im Mittelpunkt stehen.