14 Tage Dauerfrost mit minus 20 Grad: Was dann in Deutschland passiert, ahnt kaum jemand
Diesel versulzt, Rohre platzen, Flüsse frieren zu: Ein Meteorologe spielt das Kälte-Horror-Szenario für Deutschland durch. Und verrät, wie realistisch es wirklich ist.
Noch vor wenigen Tagen zeigten die Thermometer in Teilen Deutschlands bis zu 24 Grad. T-Shirt-Wetter Ende Oktober, viele haben die dicke Winterjacke noch nicht einmal aus dem Schrank geholt.
Doch was wäre, wenn auf diesen milden Herbst plötzlich der knallharte Gegenschlag folgt? Zwei Wochen Dauerfrost, nachts minus 20 Grad und kälter, tagsüber nicht einmal ein Hauch von Tauwetter. „Das klingt nach Sibirien, ist aber auch bei uns schon passiert”, sagt auf Nachfrage von Meteord Deutschland der renommierte und bekannte Diplom-Meteorologe Dominik Jung.
Erst streikt das Auto, dann der Diesel
Die ersten Folgen spürt man morgens auf dem Parkplatz. Autobatterien geben reihenweise den Geist auf, Türschlösser sind zugefroren, die Scheiben dick vereist. Pannendienste kommen kaum noch hinterher, Wartezeiten von mehreren Stunden wären an der Tagesordnung.
Richtig kritisch wird es ab etwa minus 20 Grad. Bis zu dieser Grenze ist Winterdiesel ausgelegt, darunter kann er versulzen. Die Filter setzen sich zu, der Motor springt nicht mehr an. Lkw, Busse und Traktoren bleiben liegen, Lieferungen stocken und in manchen Supermärkten würden die Regale schnell leerer.
Wenn das Wasser in den Leitungen gefriert
Besonders tückisch ist der Frost für Wasserleitungen. In unbeheizten Kellern, Garagen oder Gartenhäusern gefriert das Wasser in den Rohren. Weil Eis mehr Platz braucht als Wasser, halten viele Leitungen dem Druck nicht stand und platzen.
Das Gemeine daran: Den Schaden bemerken viele erst, wenn es wieder taut und das Wasser plötzlich durch die Wände läuft. Bei zwei Wochen Dauerfrost dringt die Kälte zudem tief in den Boden ein. Dann können sogar Versorgungsleitungen unter der Straße einfrieren. Handwerker und Versicherungen wären auf Wochen hinaus ausgelastet.
Bahn, Strom und Schiffe am Limit
Auch die Bahn käme bei solchen Temperaturen an ihre Grenzen. Weichen frieren ein, obwohl sie beheizt sind, Oberleitungen vereisen, Züge fallen aus oder bleiben stundenlang liegen. Gleichzeitig schießt der Stromverbrauch in die Höhe, weil Heizlüfter und Wärmepumpen im Dauerbetrieb laufen.

Auf den Flüssen bildet sich nach einigen Tagen Treibeis, die Binnenschifffahrt müsste eingestellt werden. Im Winter 1962/63 war der Rhein streckenweise zugefroren, der Bodensee sogar komplett. Das hat damals das halbe Land lahmgelegt.
Kein Hirngespinst: So kalt war es schon
Wer jetzt denkt, das sei reine Fantasie, irrt. Im Februar 2012 erlebte Deutschland fast zwei Wochen strengen Frost, örtlich sanken die Werte unter minus 20 Grad. In ganz Europa gab es damals zahlreiche Kältetote. Auch der Januar 1987 brachte eisige Rekorde.
Den absoluten Kälterekord hält der Funtensee in den Berchtesgadener Alpen. An Heiligabend 2001 wurden dort unfassbare minus 45,9 Grad gemessen. Solche Kältewellen kommen fast immer aus dem Osten. Wenn sich ein kräftiges Hoch über Russland festsetzt, strömt die eisige Luft direkt zu uns.
Droht uns das jetzt? Die Entwarnung
Jetzt die gute Nachricht: Aktuell zeigt kein einziges Wettermodell eine solche Kältepeitsche. Die nächsten Wochen bleiben eher mild bis durchschnittlich. Durch den Klimawandel werden extreme Frostphasen seltener, ganz ausgeschlossen sind sie aber nicht. Eine Störung des Polarwirbels kann im Hochwinter durchaus noch für eine Überraschung sorgen.
Panik ist völlig fehl am Platz, ein wenig Vorsorge schadet aber nie. Wer Wasserleitungen im Außenbereich rechtzeitig absperrt, die Autobatterie checken lässt und die Winterreifen aufzieht, ist auf der sicheren Seite. Dann kann der Winter kommen, egal wie hart er wird.