Keine Autos, keine Straßennamen: Hier werden Häuser nach ihrem Baudatum nummeriert
Auf der kleinsten ostfriesischen Insel scheint nicht nur die Zeit ihr eigenes Tempo zu haben. Auch die Adressen der Insulaner folgen einem Ordnungssystem, wie es anderswo kaum zu finden ist.

Sie ist nicht nur die kleinste der Ostfriesischen Inseln, sondern auch eine Insel mit einem ungewöhnlichen Ordnungssystem: Ihre Häuser tragen Nummern, die ihre Geschichte und Lage widerspiegeln.
Sie wurden ursprünglich nach der Lage und später chronologisch vergeben. Deshalb lässt sich an ihnen oft ablesen, in welcher Reihenfolge die Häuser entstanden sind.
Faustregel: Hohe Nummer, neueres Haus
Zur Adresse gehören auf Baltrum das West- oder Ostdorf und die Hausnummer. Die Nummern wurden in aufsteigender Reihenfolge vergeben.
Wird ein Gebäude abgerissen und auf demselben Bauplatz neu gebaut, kann die niedrige Nummer erhalten bleiben.
Die Nummerierung hat Tradition: Bei der ersten Kartierung 1874 wurden die Häuser zunächst von West nach Ost nummeriert. Ab Nummer 33 erfolgte die Vergabe chronologisch. Zu Baltrums ältesten Bauten zählt die 1826 erbaute Alte Inselkirche.
Autos bleiben auf dem Festland
Auch sonst ist auf Baltrum einiges anders als anderswo. Auf rund fünf Kilometern Länge und bis zu 1,5 Kilometern Breite leben hier weniger als 500 Menschen.

Autoverkehr gibt es nicht, man bewegt sich zu Fuß. Pkws bleiben - mit Ausnahme von Einsatz- und Inselschutzfahrzeugen - auf dem Festland. Stattdessen gibt es Pferdefuhrwerke, die den Transport von Gästen und Gepäck übernehmen. Auch Fahrräder sind erlaubt.
Heilbad und UNESCO-Weltnaturerbe
Das bedeutet neben Reizklima auch viel Ruhe. Schon seit 1966 ist Baltrum ein staatlich anerkanntes Nordseeheilbad.
Dünen, Salzwiesen und Wattflächen bestimmen die Landschaft. Große Teile außerhalb des Ortes gehören zum Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, den die UNESCO zum Weltnaturerbe zählt.
Gleich hinter dem Hafen vermittelt das Nationalpark-Haus Wissen über Gezeiten sowie die Tier- und Pflanzenwelt. Naturkundliche Führungen und der Gezeitenpfad mit seinen verschiedenen Stationen machen die Besonderheiten des sensiblen Lebensraums verständlich.
Auch im Herbst reizvoll: Sieben Kilometer Sandstrand
An der Nordseite der Insel erstreckt sich ein sieben Kilometer langer Sandstrand. In Dorfnähe ist er im Sommer mit bunten Strandkörben gesprenkelt; je weiter man nach Osten wandert, desto stiller und ursprünglicher wird die Landschaft. Das macht sie auch in Herbst und Winter besonders reizvoll.
Auch das Watt lässt sich erkunden, am besten mit fachkundiger Begleitung. Geprüfte Wattführer bieten Touren durch den inselnahen Bereich und, bei geeigneten Bedingungen, Wanderungen zwischen Baltrum und dem Festland.
Welche Strecken möglich sind, entscheiden die Gezeiten, das Wetter und der Guide.