Wintersturm, Schneewalze & Frost-Drama- wie lange bleibt der Winter? Wetterforscher spricht von "extremen Signalen"

Neue Modellläufe zeigen auffällige Strömungsmuster. Experten sehen starke Ausschläge in den Wetterdaten – der Übergang zum Frühling könnte deutlich holpriger verlaufen als üblich.


Die aktuelle Großwetterlage über Europa sorgt unter Meteorologen für erhöhte Aufmerksamkeit. Damit ist das übergeordnete Strömungsmuster gemeint, das Hoch- und Tiefdruckgebiete in ihrer Bewegung steuert. Genau hier zeigen die neuesten Ensemble-Berechnungen auffällige Ausschläge.

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Mehrere unabhängige Modellläufe simulieren eine Konstellation, bei der kalte Luftmassen aus nördlichen Breiten wiederholt nach Mitteleuropa geführt werden. Solche Entwicklungen entstehen häufig dann, wenn sich die atmosphärische Zirkulation stärker wellenförmig ausprägt als üblich.

Jetstream mit starker Wellenbildung

Im Zentrum der Analyse steht der Jetstream, ein Starkwindband in etwa zehn Kilometern Höhe. Normalerweise verläuft er relativ geradlinig von West nach Ost. Gerät er jedoch ins Schlingern, entstehen sogenannte meridionale Strömungsmuster – also Nord-Süd-Auslenkungen. Genau diese werden derzeit in mehreren Modellrechnungen angedeutet. Das hat zur Folge, dass sich arktische Kaltluft weiter nach Süden ausbreiten kann. Fachleute sprechen hier von Kaltluftadvektion, also dem horizontalen Transport kalter Luftmassen. Dieses Signal gilt als einer der Hauptgründe für die anhaltende Winterdynamik.

Polarwirbel als möglicher Verstärker

Zusätzliche Aufmerksamkeit erhält der Zustand des Polarwirbel. Dabei handelt es sich um ein großräumiges Tiefdrucksystem in der Stratosphäre über der Arktis. Wird dieser Wirbel geschwächt oder verlagert, kann das die Zirkulation in tieferen Atmosphärenschichten beeinflussen. Meteorologen sprechen von einer Kopplung zwischen Stratosphäre und Troposphäre. Hinweise auf eine solche Störung erhöhen statistisch die Wahrscheinlichkeit für blockierende Hochdrucklagen über Nordeuropa, sogenannte Blocking-Lagen, die milde Westströmungen unterbrechen können.

Was bedeutet „extremes Signal“ konkret?

Wenn Wetterforscher von einem extremen Signal sprechen, meinen sie keine Schlagzeile, sondern eine klare statistische Häufung bestimmter Szenarien in Ensemble-Prognosen. Ein Ensemble besteht aus vielen leicht veränderten Modellläufen. Zeigt die Mehrheit dieser Berechnungen eine ähnliche Tendenz, gilt das Signal als robust.

Derzeit weisen die Daten auf wiederkehrende Kälteimpulse hin, auch wenn zwischendurch mildere Phasen möglich bleiben. Ein durchgehender Dauerfrost ist nicht zwingend zu erwarten – wohl aber ein holpriger, mehrfach unterbrochener Übergang.

Höhenkälte erreicht erneut Deutschland - der Winter gibt so schnell noch nicht auf.
Höhenkälte erreicht erneut Deutschland - der Winter gibt so schnell noch nicht auf.

Der Frühling kommt – aber nicht geradlinig

Der meteorologische Frühling beginnt am 1. März, doch klimatisch bedeutet das lediglich einen Mittelwert. Entscheidend ist, wann sich eine nachhaltige Erwärmung etabliert. Darunter versteht man einen Temperaturanstieg, der nicht mehr regelmäßig durch markante Rückfälle ausgeglichen wird. Genau hier bleiben die Modelle zurückhaltend. Zwar zeigen einzelne Läufe mildere Abschnitte, doch parallel halten sich Signale für erneute Kaltluftvorstöße. Das deutet auf einen gestaffelten Saisonwechsel hin, bei dem winterliche Episoden noch einmal dominieren könnten.

Fazit: Dynamik statt schneller Durchbruch

Die aktuellen Daten zeichnen kein Bild eines abrupten Frühlingsbeginns. Stattdessen sprechen mehrere Parameter für eine anhaltend hohe atmosphärische Dynamik. Wiederholte Nordlagen, blockierende Hochdrucksysteme und ein wellenförmiger Jetstream könnten den Übergang verzögern.


Eine stabile, durchgreifende Erwärmung erscheint nach jetzigem Stand erst später im Verlauf wahrscheinlich. Bis dahin bleibt das Wettergeschehen geprägt von wechselnden Impulsen zwischen milden und eisigen Phasen – ein Szenario, das die Spannung in der weiteren Entwicklung hochhält.