Experte Habermehl nennt Details: Winterfinale oder Frühlingsturbo? Polarwirbel könnte Europas Wetter nochmal kippen

Vorspann: Die zweite Februarhälfte bringt Spannung in die Wetterküche. Zwischen Polarwirbel-Impulsen und möglichen Blockinglagen stehen Winterfans und Frühlingsfreunde vor völlig unterschiedlichen Szenarien.
Die großräumige Zirkulation über der Nordhalbkugel bleibt derzeit in einer sensiblen Übergangsphase. Der Polarwirbel zeigt Anzeichen von Wellenbewegungen, die seine Stabilität schwächen könnten. Solche Prozesse entscheiden oft darüber, ob kalte Luftmassen nach Mitteleuropa ausbrechen oder ob sich die Westdrift erneut durchsetzt.
Besonders auffällig ist, dass mehrere Modelle eine zeitweise Abbremsung der Frontalzone andeuten. Das erhöht die Chance auf markante Wetterlagen, die vom klassischen Spätwinter bis zu überraschend milden Episoden reichen können.
Stratosphäre und mögliche Drehungen
Ein zentraler Faktor bleibt die Kopplung zwischen Troposphäre und Stratosphäre. Sollte der Polarwirbel weiter gestört werden, könnten sich kalte Reservoirs über Skandinavien oder Osteuropa bilden. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit, dass sich der Wirbel wieder stabilisiert und damit den Atlantikstrom stärkt. In solchen Jahren entscheidet oft ein kleines Timing-Fenster darüber, ob sich ein spätes Winterintermezzo entwickelt oder ob milde Luft rasch nachrückt. Meteorologisch gesehen wäre ein kurzer, aber intensiver Kälteschub keineswegs ungewöhnlich.
Blocking als Schlüsselrolle
Neben dem Polarwirbel spielt auch die Bildung von Hochdruck-Blockings eine entscheidende Rolle. Sollte sich ein kräftiges Hoch über dem Nordatlantik oder Skandinavien etablieren, könnten kalte Luftmassen weit nach Westen vordringen. Ohne solche Blockaden würde die Westströmung dominieren und zunehmend feuchte, mildere Luft nach Deutschland bringen. Gerade in der zweiten Februarhälfte sind solche Umschwünge typisch, weil der Temperaturkontrast zwischen Arktis und mittleren Breiten langsam nachlässt und die Atmosphäre empfindlicher reagiert.

Szenario Winterfinale
Ein mögliches Szenario wäre ein echtes Winterfinale: Ein gestörter Polarwirbel kombiniert mit einer blockierenden Hochdrucklage könnte Ende Februar nochmal Schnee und Nachtfrost bringen. Besonders in höheren Lagen wären dann markante Abkühlungen denkbar. Dieses Muster würde den Übergang in den März verzögern und den Frühling deutlich hinauszögern. Typisch wäre eine Mischung aus sonnigen, kalten Hochdrucktagen und kurzen Schneeschauern. Für Winterfans wäre das ein spätes Highlight, das sich allerdings schnell wieder auflösen könnte.
Szenario früher Frühling
Genauso plausibel ist jedoch ein völlig anderes Bild. Stabilisiert sich der Polarwirbel und dreht die Zirkulation wieder auf West, könnte sich eine milde Südwestströmung etablieren. Dann wären zweistellige Temperaturen schon früh im März möglich, begleitet von wechselhaftem Regenwetter. Die Natur würde rasch reagieren, erste Blüten könnten ungewöhnlich früh erscheinen. Solche Entwicklungen sind in Jahren mit schwächerer Kältebindung im Norden häufiger zu beobachten und führen oft zu einem sehr dynamischen Start in den meteorologischen Frühling.
Trend Richtung März
Die wahrscheinlichste Entwicklung liegt derzeit zwischen beiden Extremen. Kurzzeitige Kältephasen bleiben möglich, doch insgesamt deutet vieles auf einen schrittweisen Übergang zu milderen Mustern hin. Entscheidend wird sein, ob sich Blockingstrukturen dauerhaft etablieren oder nur vorübergehend auftreten. Der März könnte daher mit starken Schwankungen starten: einige frostige Nächte, gefolgt von deutlich wärmeren Abschnitten. Ein verspäteter Frühling ist also denkbar, aber ebenso ein schneller Temperaturanstieg – das Rennen zwischen Winter und Wärme bleibt offen.