Wettermodelle springen um 15 Grad! Warum jetzt niemand Deutschlands Prognose seriös rechnen kann

Sommerwetter oder Eisheilige im Frühsommer-Modus? Die Wettermodelle taumeln aktuell von Lauf zu Lauf um bis zu 15 Grad – was hinter dem ungewöhnlichen Prognose-Wirrwarr über Deutschland wirklich steckt.

Eigentlich kann man sich auf moderne Wettermodelle in den mittleren Breiten ziemlich gut verlassen. Vier bis sechs Tage saubere Prognose – das ist der Standard, den uns das europäische ECMWF, das amerikanische GFS und mittlerweile auch die neuen KI-Modelle Tag für Tag liefern. Aktuell ist davon nichts zu spüren.

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Schon ab Tag drei laufen die Berechnungen für ein und denselben Standort um 10 bis 15 Grad auseinander. Mal stehen 26 Grad und Sonne im Lauf, im nächsten Update sind es nur noch 11 Grad und Dauerregen. Wer jetzt eine belastbare 7-Tage-Prognose verlangt, dem muss man ganz nüchtern sagen: Die gibt es im Moment einfach nicht.

Ein Blockadehoch zwingt Europa in die Knie

Schuld an dem ganzen Schlamassel ist ein massives Blockadehoch über dem Nordatlantik, das sich von den Azoren bis weit hinauf nach Grönland streckt. Solche Hochdruckblasen verkeilen sich regelrecht in der Atmosphäre und zwingen die Strömung über Europa in eine Nord-Süd-Richtung – statt der gewohnten Westwetterlagen, in denen sich Mitteleuropäer pudelwohl fühlen. Das Resultat: Deutschland sitzt mitten auf der Klinge.

Das sieht aber recht frisch aus in der nächsten Woche. Die Temperaturanomalie am Dienstag.
Das sieht aber recht frisch aus in der nächsten Woche. Die Temperaturanomalie am Dienstag.

Verschiebt sich das Hoch nur ein paar hundert Kilometer nach Osten, strömt subtropische Warmluft aus dem Mittelmeerraum zu uns – 25 bis 27 Grad sind dann locker drin. Kippt das Ganze einen Tick weiter nach Westen, holen wir uns polare Kaltluft direkt aus der Arktis – plötzlich reden wir über 10 Grad und Dauerregen. Dieser Knackpunkt sitzt in jedem einzelnen Modelllauf.

Selbst die Künstliche Intelligenz ist überfordert

Was uns Meteorologen aktuell wirklich aufhorchen lässt: Sogar die neuen KI-Vorhersagesysteme – also Modelle, die auf jahrzehntelangen Reanalyse-Daten trainiert wurden – sind sich bei dieser Wetterlage erkennbar uneinig. Das passiert sonst nur selten. Sobald sich die Atmosphäre in solchen meridionalen Mustern festfrisst, fehlen den Algorithmen offenbar passende historische Vergleichslagen.

Die Prognosegüte sinkt sichtbar – und das gilt teils sogar für die kommenden 48 Stunden. Genau das macht die Lage so brisant: Wenn schon die Kurzfrist wackelt, darf man bei den mittelfristigen Aussichten erst recht skeptisch sein.

Eisheilige und Vatertag: Alles ist drin

Für die nächsten zehn Tage heißt das im Klartext: Die Eisheiligen rund um den 11. bis 15. Mai können entweder ungewöhnlich warm verlaufen – einzelne Läufe sehen am Muttertag bereits 27 Grad – oder mit voller Wucht zuschlagen, samt Bodenfrost in den Morgenstunden. Auch das verlängerte Wochenende um Christi Himmelfahrt und Vatertag steht auf der Kippe: Mal zeichnen die Modelle entspanntes Biergartenwetter, mal einen kalten Trog mit regional sogar Hochwasserpotenzial.

Mein Rat: täglich neu reinschauen

Wer in den kommenden Tagen Pläne schmiedet – Grillabend, Radtour, Kurzurlaub –, sollte sich wirklich jeden Morgen frische Prognosen holen. Wir Wetterleute arbeiten derzeit auf Sicht und müssen unsere Aussagen oft binnen Stunden korrigieren. Stabilisieren wird sich das Ganze frühestens, wenn das Blockadehoch über dem Atlantik endlich in Bewegung kommt. Vorher ist jede Festlegung mit ganz großer Vorsicht zu genießen.

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