GFS gegen ECMWF: Völlig unterschiedliche Vorhersagen – welches Modell behält für Deutschland Recht?

Die zwei wichtigsten Wettermodelle der Welt gehen für Deutschland völlig getrennte Wege. Während das eine Hitze für die Eisheiligen rechnet, kündigt das andere Dauerregen an. Was stimmt wirklich?
Was sich gerade in den großen Rechenzentren in Reading und Washington abspielt, ist bemerkenswert. Die beiden Schwergewichte unter den Wettermodellen – das europäische ECMWF und das amerikanische GFS – liefern für Deutschland Vorhersagen, die kaum unterschiedlicher sein könnten.
"Eine derart krasse Modell-Divergenz so kurz vor den Eisheiligen ist wirklich auffällig", bestätigt auch Wetterforscher Johannes Habermehl. Und genau da fängt das Problem für uns alle an.
ECMWF rechnet mit Hitze – GFS schickt den Dauerregen
Die Europäer machen Tempo: Das ECMWF rechnet für die kommende Woche – also ausgerechnet zu den Eisheiligen vom 11. bis 15. Mai – mit deutlich zu hohen Temperaturen über ganz Deutschland.

Statt klassischem Spätfrost also Werte, die eher an den Frühsommer erinnern. Die Amerikaner dagegen sehen es komplett anders. Das GFS knallt ein Tiefdruckgebiet nach dem anderen über Mitteleuropa und rechnet mit verbreitet ergiebigen Regenmengen bis weit in die Mai-Mitte hinein. Zwei Modelle, zwei Welten – und wir mittendrin.
Auch andere Daten zeigen Wärme, aber mit ordentlich Wasser
Spannend wird es beim Blick auf weitere Daten. Das NOAA CFSv2 mischt mit und liegt mit einer Anomalie von rund 1,5 bis 3 Grad über dem Klimamittel deutlich auf der warmen Seite. Die ECMWF-Langfrist sieht den Mai etwa 1 bis 2 Grad zu warm – aber eben mit deutlich mehr Niederschlag als üblich.
Wir reden hier über teils ungewöhnlich hohe Regensummen, die sich in den nächsten Tagen über die trockenen Böden ergießen könnten. Eine echte Entlastung für die Landwirtschaft, aber lokal eben auch eine Belastung mit Unwetter-Potenzial.
Mein Favorit – und warum ich aktuell auf das ECMWF setze
Ehrlich gesagt: Wenn man sich den jüngsten ECMWF-Hauptlauf und die Ensemble-Streuung anschaut, würde ich aktuell eher dem europäischen Modell folgen. Das GFS hat in den vergangenen Wochen mehrfach übertrieben – mal mit zu viel Hitze, mal mit zu viel Regen.
Das ECMWF liegt im Mittel meist näher an dem, was später wirklich vom Himmel kommt. Aber: Hundertprozentig sicher ist hier gar nichts. Die Modelle sind so weit auseinander, dass man im Hinterkopf mit beiden Szenarien rechnen muss.
Was heißt das jetzt für Ihr Wochenende?
Konkret: Die Eisheiligen 2026 werden wohl nicht kalt – darin sind sich beide Modelle einig. Streit gibt es nur darüber, wie viel Regen vom Himmel kommt. Wer am langen Wochenende um Christi Himmelfahrt etwas geplant hat, sollte täglich neu reinschauen.
Es kann sommerlich werden, es kann aber auch ordentlich krachen. Ich bleibe dran und melde mich, sobald sich beide Modelle einig sind. Das könnte allerdings noch ein paar Tage dauern.
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