Wetterexperte: „Da braut sich was zusammen“ – Monster-El-Niño trifft Polarwirbel, Winter-Showdown 2026/27

Im Pazifik tobt einer der stärksten El Niños seit Messbeginn, über der Arktis dreht der Polarwirbel früh auf. Für unseren Winter ist das eine brisante Mischung mit offenem Ausgang.

Bei uns nimmt der Herbst gerade erst Fahrt auf, doch tausende Kilometer entfernt läuft bereits ein Wetterdrama, das auch unseren Winter 2026/27 prägen dürfte. Im tropischen Pazifik liegt die Wassertemperatur im entscheidenden Messgebiet inzwischen rund drei Grad über dem Normalwert.

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Solche Werte gibt es nur alle paar Jahrzehnte. Gleichzeitig baut sich hoch über der Arktis der Polarwirbel ungewöhnlich früh und kräftig auf. Zwei Schwergewichte des Wetters auf der Nordhalbkugel bringen sich also gerade in Stellung, und am Ende wird nur eines von beiden unseren Winter bestimmen.

Super-El-Niño auf Rekordkurs

Die Wettermodelle sind sich erstaunlich einig: Der El Niño legt bis zum Jahresende weiter zu. Den Höhepunkt erwarten die Berechnungen rund um Dezember, danach dürfte sich das Phänomen im Frühjahr langsam abschwächen. Gut möglich, dass er die bisherigen Rekordereignisse sogar übertrifft.

Wichtig ist allerdings: Anders als in Amerika oder Australien wirkt El Niño bei uns nicht direkt. Der Einfluss kommt über Umwege, nämlich über den Jetstream und über die Stratosphäre. Genau dort beginnt der eigentliche Krimi.

Polarwirbel dreht früh auf Hochtouren

In rund 30 Kilometern Höhe kreist der Polarwirbel über der Arktis. Mitte September wurden dort Windgeschwindigkeiten von 10,4 Metern pro Sekunde gemessen. Üblich wären um diese Jahreszeit etwa 8,1. Der Wirbel ist also deutlich früher und stärker in Fahrt als normal.

Welche Rolle nimmt der Polarwirbel beim kommenden Winter 2026/27 ein?
Welche Rolle nimmt der Polarwirbel beim kommenden Winter 2026/27 ein?

Ein kräftiger Polarwirbel hält die Kaltluft wie in einem Käfig über dem Nordpol fest. Für Mitteleuropa bedeutet das meist eine lebhafte Westströmung, bei der ein Tief nach dem anderen vom Atlantik hereinrauscht. Kurz gesagt: Solange der Wirbel stabil bleibt, hat der Winter bei uns schlechte Karten.

Frühwinter: grau, nass und stürmisch

Die aktuellen Langfristberechnungen passen genau in dieses Bild. Sie deuten für Europa auf einen milden und nassen Winter mit Wind aus West bis Südwest hin. Für Dezember heißt das: viel Grau, reichlich Regen und immer wieder Sturmgefahr, während Schnee im Flachland eher Mangelware bleiben dürfte.

Dass sich solche Winter trotzdem nicht ganz berechenbar verhalten, hat 2023/24 gezeigt. Auch damals herrschte El Niño. Anfang Dezember versank München im Schneechaos, wenige Wochen später war der Februar so mild wie ein kühler April.

Die Wende könnte im Hochwinter kommen

Und jetzt wird es spannend: Starke El-Niño-Jahre erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass der Polarwirbel im Laufe des Winters gestört wird. Bei einer sogenannten plötzlichen Stratosphärenerwärmung steigen die Temperaturen in großer Höhe innerhalb weniger Tage um bis zu 50 Grad an. Der Wirbel gerät ins Taumeln oder bricht sogar auseinander.

Mit zwei bis drei Wochen Verzögerung kann sich das dann bis zum Boden durchschlagen. Die Westwinde erlahmen, Hochdruck blockiert den Atlantik und arktische Kaltluft findet plötzlich den Weg nach Mitteleuropa. Statistisch zeigt sich dieses Muster in starken El-Niño-Wintern vor allem im Januar und Februar.

Was das jetzt für Sie bedeutet

Einen Eiswinter kann heute niemand seriös ankündigen, einen komplett ausfallenden Winter aber auch nicht. Am wahrscheinlichsten ist ein Winter mit zwei Gesichtern: zunächst mild und stürmisch, später mit der Chance auf einen knackigen Kälteeinbruch, falls der Polarwirbel schlappmacht.

Im Pazifik braut sich ein mächtiges Klimaphänomen zusammen.
Im Pazifik braut sich ein mächtiges Klimaphänomen zusammen.

Schneefans sollten die Hoffnung also nicht zu früh begraben und vor allem den Spätwinter im Blick behalten. Die nächsten Wochen werden zeigen, wie lange der Polarwirbel dem Druck standhält. Belastbarere Trends gibt es ab November, wir halten Sie auf dem Laufenden.