Morgens Herbst, nachmittags Sommer: Warum jetzt 20 Grad Unterschied möglich sind
Der Herbst zeigt sich derzeit oft vor allem am Morgen: Nebel und einstellige Temperaturen treffen auf sonnige Nachmittage mit teils über 20 Grad. Dahinter steckt ein typischer Wettereffekt.

Auch wenn es noch so schön aussieht: Die einstelligen Temperaturen machen bereits klar, dass wir uns nicht mehr im August befinden, sondern schon am Anfang des Herbstes stehen. In den nächsten Tagen könnte dieses Gefühl aber vorübergehend mal aus bleiben.
Wenn der Morgen nach Herbst aussieht
Wer am Wochenende früh unterwegs ist, könnte sich zunächst eher an den Oktober als an Ende September erinnert fühlen. In Teilen Deutschlands sinken die Temperaturen auf einstellige Werte, örtlich kann sich Nebel bilden.
Am Nachmittag sieht die Welt dagegen ganz anders aus. Bei längerem Sonnenschein sind regional wieder über 20 Grad möglich. Zwischen dem Tiefstwert am frühen Morgen und dem Höchstwert am Nachmittag können damit sogar 20 Grad oder noch mehr liegen.
Karlsruhe ist dafür am Samstag ein eindrucksvolles Beispiel: Nach sogar bloß frisch gemessenen 3 Grad am Morgen werden dort am Nachmittag bis zu 26 Grad erwartet. Hier sieht man auch gut, dass die tatsächliche Auskühlung in der Nacht noch deutlich geringer ausfallen kann, als die Wettermodelle es erfassen können.
Warum die Nächte jetzt so kalt werden
Der wichtigste Grund sind die zunehmend langen Nächte. Nach Sonnenuntergang verliert die Erdoberfläche durch langwellige Ausstrahlung kontinuierlich Wärme. Bei klarem Himmel funktioniert dieser Prozess besonders stark.
Ist der Wind gleichzeitig schwach, wird die kalte Luft direkt über dem Boden nur wenig mit wärmerer Luft aus höheren Schichten vermischt. Es bildet sich eine bodennahe Kaltluftschicht. Besonders ausgeprägt kann dieser Effekt in Senken und Tälern sein.
Mit Sonnenaufgang ändert sich die Energiebilanz jedoch schnell. Die Erdoberfläche nimmt wieder Sonnenstrahlung auf und erwärmt sich. Gleichzeitig wird die kalte Luft durch die zunehmende Durchmischung der Atmosphäre nach und nach aufgelöst.

Dadurch kann die Temperatur innerhalb weniger Stunden um mehr als zehn Grad steigen. Bei viel Sonne und einer bereits milden Luftmasse sind auch Temperaturanstiege von 15 bis 20 Grad möglich.
Nebel entscheidet mit
Allerdings erlebt nicht jeder Ort denselben Temperaturverlauf. Bleibt Nebel am Vormittag länger liegen, erreicht weniger Sonnenstrahlung den Boden. Die Erwärmung fällt dann deutlich schwächer aus.

Schon wenige Kilometer können deshalb einen großen Unterschied machen: Während an einem Ort noch Nebel liegt, scheint anderswo bereits die Sonne. Das macht die Vorhersage der Höchsttemperatur gerade im Herbst etwas schwieriger.
Im Westen wird es schon wieder milder
Der aktuelle Wetterverlauf zeigt außerdem, dass die kalten Morgenstunden nicht überall von Dauer sein werden. Während Berlin am Samstag noch mit etwa 6 Grad in den Tag startet, steigen die Tiefstwerte dort bis Montag auf rund 12 Grad. Gleichzeitig sind dann am Nachmittag etwa 24 Grad möglich.
Noch deutlicher ist der Unterschied zu Köln: Dort lag die Tiefsttemperatur am Samstagmorgen bereits bei 9 Grad, die Nacht zu Dienstag könnte sogar mit rund 18 Grad außergewöhnlich mild für diese Jahreszeit bleiben. Tagsüber sind gleichzeitig Temperaturen von bis zu 28 Grad möglich.
Der Herbst zeigt sich damit gerade nicht überall gleich: Im Osten kann der Tag noch mit einem kalten, herbstlichen Morgen beginnen, während es im Westen schon nachts ungewöhnlich mild bleibt.
Die großen Temperaturunterschiede innerhalb eines Tages bleiben also bestehen – nur die Ausgangstemperatur verschiebt sich. Ende September kann sich Deutschland deshalb gleichzeitig nach Herbst und durchaus noch nach Sommer anfühlen.