Wetterforscher warnen: "Das kann richtig kippen!" Monster-El-Niño bringt erst Sturm, dann droht der Winter-Konter

Im Pazifik kocht ein El Niño der Rekordklasse. Viele rechnen jetzt fest mit einem Schmuddelwinter ohne Schnee. Wetterforscher halten genau das für einen möglichen großen Irrtum.

Trotz eines heftigen El Niño-Phänomens könnte der Winter 2026/27 auch in Deutschland extreme Schneeeskapaden bringen.
Trotz eines heftigen El Niño-Phänomens könnte der Winter 2026/27 auch in Deutschland extreme Schneeeskapaden bringen.


Im tropischen Pazifik braut sich etwas zusammen, das es so seit Jahrzehnten nicht gegeben hat. Das Meer vor Südamerika ist inzwischen rund zwei Grad wärmer als normal, und manche Modelle sehen den Wert bis zum Winter sogar Richtung drei Grad klettern. Das wäre ein Monster-El-Niño, wie ihn selbst erfahrene Wetterforscher kaum erlebt haben.

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Die schnelle Schlussfolgerung liegt auf der Hand: Europa bekommt einen milden Schmuddelwinter, Schnee gibt es nur noch in den Alpen, fertig. So einfach ist die Sache aber nicht. Wer genauer hinschaut, entdeckt einen Haken, und der hat es in sich.

Erst kommen die Stürme

Tatsächlich spricht einiges dafür, dass der Frühwinter bei uns eher nass und windig ausfällt. Ein starker El Niño kann den Jetstream über dem Atlantik zusätzlich anheizen. Dann rauscht ein Tief nach dem anderen heran, oft mit Sturmböen, Dauerregen und Temperaturen, die im Flachland eher an Oktober als an Dezember erinnern.

Gerade November und Dezember könnten deshalb von einer kräftigen Westwetterlage geprägt sein. Weiße Weihnachten wären unter solchen Bedingungen eher Glückssache. Deutlich wahrscheinlicher ist das berüchtigte Weihnachtstauwetter mit grauem Himmel, nassen Straßen und ein paar Schneeresten höchstens auf den Bergen.

Die Stratosphäre hat andere Pläne

Jetzt wird es spannend. Der El Niño wirkt nämlich nicht nur direkt über den Atlantik, sondern auch über einen Umweg hoch oben in der Stratosphäre. In rund 30 Kilometern Höhe dreht sich im Winter der Polarwirbel, ein gewaltiger Kältekreisel über der Arktis. Solange er stark ist, bleibt die Kälte dort oben gefangen.

Starke El-Niño-Winter können diesen Wirbel allerdings schwächen. Im Extremfall kommt es zu einer plötzlichen Stratosphärenerwärmung, der Wirbel gerät ins Taumeln oder bricht sogar auseinander. Einige Wochen später schlägt das oft bis nach unten durch. Dann baut sich ein Hoch über Skandinavien auf, und aus Russland strömt eisige Kontinentalluft nach Mitteleuropa.

Zwei Winter, zwei völlig verschiedene Gesichter

Dass El Niño keineswegs automatisch Mildwetter bedeutet, zeigen zwei Winter besonders deutlich. 2015/16 herrschte ebenfalls ein Super-El-Niño, und Deutschland erlebte einen der wärmsten Dezember überhaupt. Mancherorts blühten zu Weihnachten sogar Sträucher, Schnee war echte Mangelware.

Im Pazifik ist das Wasser extrem warm - das könnte ein besonders heftiges Wetterphänomen befeuern.
Im Pazifik ist das Wasser extrem warm - das könnte ein besonders heftiges Wetterphänomen befeuern.

Ganz anders lief es 2009/10. Auch damals war im Pazifik ein kräftiger El Niño unterwegs. Trotzdem bekamen wir einen knackigen Winter mit viel Schnee, langen Frostphasen und reihenweise Glätteunfällen. Der Unterschied lag vor allem im Verhalten der Luftmassen über dem Nordatlantik, und genau dieses Muster kann sich wiederholen.

Was hinter dem Januar-Risiko steckt

Aus früheren starken El-Niño-Jahren wissen Wetterforscher, dass sich das Wetter in Europa oft im Laufe des Winters dreht. Während der Frühwinter gern von milder Atlantikluft dominiert wird, steigt im Januar und Februar die Chance auf blockierende Hochdrucklagen. Die gewohnte Westdrift kommt dann ins Stocken.

Genau in solchen Phasen haben Kälteeinbrüche leichtes Spiel. Natürlich schiebt der Klimawandel die Temperaturen seit Jahren insgesamt nach oben, ein zu warmer Winter ist heute eher die Regel. Ein paar knackig kalte Wochen schließt das aber ausdrücklich nicht aus, und darin liegt die eigentliche Brisanz.

Winter mit doppeltem Boden

Unterm Strich zeichnet sich ein Winter ab, der zweigeteilt daherkommen könnte. Die erste Hälfte dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit stürmisch, nass und eher mild ausfallen. Wer bis Weihnachten auf Schlittenwetter hofft, braucht vermutlich viel Geduld.

Die zweite Hälfte bleibt dagegen offen, mit einem spürbar erhöhten Risiko für einen Winter-Konter aus dem Osten. Festnageln lässt sich das heute noch nicht, dafür ist die Atmosphäre zu launisch. Räumen Sie Schneeschaufel und Eiskratzer also besser nicht zu früh in die hinterste Ecke.