"Früher Wintereinbruch? Vergessen Sie's!" – Modelle sehen Wärme-Herbst bis in den November

Nach dem Hitzesommer geht es warm weiter. Oktober und November sollen deutlich zu mild werden. Ein früher Wintereinbruch ist kaum in Sicht, der Herbstrekord wackelt.

Am Mittwoch beginnt kalendarisch der Herbst. Wer jetzt mit Nebel, Sturm und den ersten Frostnächten rechnet, dürfte sich allerdings wundern. Schon der September fällt rund 2 Grad zu warm aus, gemessen am Mittel der Jahre 1991 bis 2020.

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Und die neuen Langfristmodelle legen nach. Für Oktober und November zeigen sie ebenfalls ein deutliches Plus. Nach einem der heißesten Sommer der Messgeschichte bahnt sich damit der nächste Wärmerekord an, oder er kommt ihm zumindest gefährlich nahe.

Oktober und November deutlich zu mild

Für den Oktober rechnen die Modelle mit einer Abweichung von etwa plus 2 Grad. Das klingt erst mal unspektakulär, bedeutet in der Praxis aber viele Tage mit 15 bis 20 Grad, im Südwesten bei Sonnenschein auch mal etwas mehr.

Der September 2026 fällt deutlich zu warm aus.
Der September 2026 fällt deutlich zu warm aus.

Richtig auffällig wird es im November. Hier liegt das Plus bei rund 3 Grad. Statt Novembergrau mit Nieselregen und 5 Grad könnte es sich über weite Strecken eher nach Anfang Oktober anfühlen. In vielen Haushalten dürfte die Heizperiode deshalb später starten als sonst.

Früher Wintereinbruch ist kaum in Sicht

Schnee bis ins Flachland schon im Oktober oder November hat es in der Vergangenheit immer wieder gegeben. In diesem Jahr spricht nach aktuellem Stand wenig dafür. Die kalte Luft bleibt weit im Norden, über Skandinavien und dem Nordmeer.

Stattdessen schiebt der Atlantik immer neue Tiefs mit milder Luft heran. Das bringt zwar auch Regen und Wind, aber eben keinen Winter. Einzelne kalte Nächte mit Bodenfrost sind trotzdem möglich, vor allem bei klarem Himmel und schwachem Wind. Empfindliche Kübelpflanzen sollten Sie also im Blick behalten.

Der Polarwirbel hält die Kälte gefangen

Ein wichtiger Grund für die milde Aussicht liegt hoch über unseren Köpfen. Im Herbst baut sich über der Arktis der Polarwirbel auf, ein riesiges Kaltluftgebiet in der Stratosphäre. Ist er stark und stabil, sperrt er die eisige Luft im Norden regelrecht ein.

Der November kann im Südwesten richtig nass werden.
Der November kann im Südwesten richtig nass werden.

Für Deutschland heißt das meist: Westwetterlage, milde Luft vom Atlantik, wenig Chancen für Frost und Schnee. Erst wenn der Wirbel geschwächt wird oder sogar zerfällt, kann die Kaltluft nach Süden ausbrechen. Das passiert allerdings selten vor Dezember, häufiger erst im Januar oder Februar.

Rekordherbst von 2006 gerät ins Wanken

Der bislang wärmste Herbst seit Beginn der Aufzeichnungen stammt aus dem Jahr 2006. Damals lag das Mittel in Deutschland bei 12,0 Grad. Platz zwei belegt der Herbst 2023 mit 11,5 Grad.

Kommen September, Oktober und November so wie berechnet, landet der Herbst 2026 bei etwa 11,7 Grad. Das wäre der zweitwärmste Herbst der Messgeschichte. Bis zum Rekord fehlen dann nur noch rund drei Zehntel. Schon ein etwas wärmerer November könnte reichen, um 2006 ernsthaft zu gefährden.

Was der Wärme-Herbst für den Winter bedeutet

Ein milder Herbst sagt übrigens noch nichts über den Winter aus. Es gab schon viele Jahre, in denen auf einen warmen November ein knackiger Januar folgte. Entscheidend wird sein, wie sich der Polarwirbel in den kommenden Wochen entwickelt.

Für den Moment gilt aber: Die Winterjacke kann noch im Schrank bleiben. Wer auf einen goldenen Oktober hofft, hat gute Karten. Nach dem zweitwärmsten Sommer seit 1881 wäre ein Rekordherbst das nächste dicke Ausrufezeichen in diesem ungewöhnlichen Wetterjahr.